Sergio Marchionne (Ferrari): «Regeln aus dem Fenster»

Von Mathias Brunner
Formel 1
Schöne Bescherung! Ferrari-Chef Sergio Marchionne (Mitte) mit Teamchef Maurizio Arrivabene (links) und Cheftechniker Mattia Binotto

Schöne Bescherung! Ferrari-Chef Sergio Marchionne (Mitte) mit Teamchef Maurizio Arrivabene (links) und Cheftechniker Mattia Binotto

​Ferrari-Präsident Sergio Marchionne provoziert gerne. Beim Formel-1-Reglement will er mit einem weissen Blatt Papier beginnen: «Am liebsten wäre mir, wir würden die Regeln aus dem Fenster werfen.»

Sergio Marchionne hat beim Weihnachts-Mittagessen von Ferrari kein Kerzchen angekündet, sondern gleich den ganzen Baum: Er hat klargemacht, dass er von seinem Team mehr erwartet («Rang 2 ist kein schönes Ergebnis») und er hat seinen Piloten Beine gemacht. Und beim Thema Reglemente kommt der 65jährige Spitzenmanager erst richtig in Fahrt.

Der Fiat/Chrysler-Konzernchef sagt: «In einer idealen Welt würde ich mir die Formel 1 so vorstellen – wir haben einen Satz Reifen und die Vorgaben beim Motor, und alles Andere würde ich freigeben.»

Das ist ungefähr das Gegenteil davon, was Ross Brawn anstrebt, der für «Formula One Management» die Weichen in Sachen Technik stellt. Der Engländer will vielmehr gewisse Teile standardisieren, um die ausurfernden Kosten im GP-Sport in den Griff zu bekommen.

Marchionne weiter: «Wenn wir heute einen Bereich um einen Millimeter zu breit gestalten, dann gibt’s was auf die Ohren. So ist es doch unmöglich, ein kreatives Auto herzustellen! Am liebsten wäre mir, wir würden die ganzen Regeln aus dem Fenster werfen. Ich würde alles komplett freigeben, dann würden wir sehen, wozu die Techniker fähig wären. DAS wäre eine Herausforderung.»

«Aber nein, stattdessen haben wir Vorschläge, welche dazu führen, dass alle Fahrzeuge früher oder später gleich sind. Am Ende unterscheiden sie sich nur noch durch die Farbe. Wenn das die Formel 1 der Zukunft sein soll, dann ist Ferrari innerhalb von drei Sekunden raus.»

«Ich finde es wichtig, dass die Ingenieure ohne Fesseln arbeiten können. Wir haben das im Laufe der Jahre mehr und mehr eingeschränkt, auch bei der Aerodynamik.»

Zum Thema Motor meint der italienisch-kanadische Doppelbürger: «Heute kostet es ein Motorenpaket den Kunden rund 15 Millionen Euro. Und ich halte das für ein Wunder. Denn Ferrari, Mercedes, Renault und Honda erlauben den Rennställen Zugang zu einer grenzenlosen Technologie. Wenn ich dann Ross Brawn höre, der sagt, die Motoren seien zu kompliziert, dann frage ich – was will er denn für 15 Millionen? Keiner sollte erwarten, dass man Motoren für weniger Geld erwerben kann, ohne Probleme zu haben.»

«Liberty Media hat Recht, wenn sie sagen, dass wir die Show verbessern müssen. Auch ich war nicht besonders begeistert davon, was beim letzten Saisonrennen geboten wurde. Autos kreisen auf einer Bahn fünfzig Mal, und es passiert so gut wie nichts. Aber das ist nicht das Problem der Motoren. Da müssen wir in anderen Bereichen Lösungen finden. Die heutigen Autos sind von einem solch hohen technischen Niveau, dass es keine Zweikämpfe mehr gibt, wenn ein Auto zwei Längen hinter einem anderen herfährt. Wir müssen wieder Unwägbarkeit erzeugen und mehr Überholmanöver, das ist der Weg der Zukunft.»

«Ich habe ein gutes Verhältnis mit Formel-1-CEO Chase Carey. Wir haben uns vor zehn Tagen das letzte Mal gesehen, und wir pflegen einen sehr offenen Dialog.»

«Was mir gegen den Strich geht, das ist, wenn Ross Brawn hergeht und der BBC eröffnet, dass die Grid-Girls verschwinden müssen. Und wie Motoren und Chassis sein sollten. Er verhält sich wie Moses, der die zehn Gebote vorliest. Und wenn ich dann den Chef von Moses anrufe, dann sagt der mir – das war seine persönliche Meinung. An so einem Diskurs will ich nicht teilnehmen. Ich will mich mit den Beteiligten an einen Tisch setzen und reden. Die Medien da miteinzubeziehen, das ist nicht hilfreich.»

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