Christian Horner (Red Bull Racing): «Das ist falsch!»

Von Mathias Brunner
Formel 1
Christian Horner

Christian Horner

Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner ist verärgert. Dem Engländer missfällt, dass FIA-Techniker Laurent Mekies nach viel zu kurzer Auszeit schon ab September für Ferrari arbeiten wird.

Der Fall Mekies hat hohe Wellen geschlagen, und die Gemüter haben sich nicht beruhigt. SPEEDWEEK.com-Leser wissen: Nach drei Jahren Arbeit beim Automobilweltverband FIA kehrt der Franzose Laurent Mekies (40) zu einem Rennstall zurück – ab 20. September 2018 wird er für Ferrari tätig sein, dort wird er direkt Technikchef Mattia Binotto unterstellt. In welcher Funktion Mekies arbeitet, das hat Ferrari bis heute nicht kommuniziert.

In Italien heisst es: Mittelfristig werden Teamchef Maurizio Arrivabene antreten, Mattia Binotto solle ihn beerben, dann würde Mekies zum neuen Technikchef.

Mekies stiess nach vielen Jahren als Ingenieur bei Minardi und Toro Rosso 2014 zur FIA, als leitender Ingenieur beim Autoverband für Sicherheitsbelange – wie etwa die Entwicklung des Kopfschutzes Halo (Heiligenschein). 2016 wurde er als Nachfolger des Formel-1-Urgesteins Herbie Blash stellvertretender Rennleiter (hinter Charlie Whiting) und damit designierter Nachfolger von Whiting.

Mekies wird noch bis Ende Juni für die FIA arbeiten und sich um Sicherheitsbelange kümmern. Von allen Aufgaben in der Formel 1 ist er jedoch mit sofortiger Wirkung entbunden.

Damit haben wir in der Formel 1 einen zweiten Fall Budkowski. Dass Renault sich die Dienste von FIA-Technikguru Marcin Budkowski gesichert hat, sorgte für Unmut bei der Konkurrenz. Vor allem, weil der Pole nur eine kurze Zwangspause einlegen wollte. Die wurde im vergangenen Dezember verdoppelt. Ab 1. April 2018 wird er für Renault als Geschäftsleiter des Rennwagenwerks von Enstone tätig sein.

Was den Renault-Gegnern missfällt: Als FIA-Technikdirektor hatte der Warschauer zuvor Einblick in viele Geheimnisse der GP-Teams. Das Gleiche gilt für Laurent Mekies. Aus diesem Grund wurde er sofort von seinen Formel-1-Aufgaben entbunden. Aber das reicht nicht, wie Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner findet.

Der 44jährige Engländer findet: «Es war kristallklar. Wir hatten innerhalb der Strategiegruppe abgemacht – wenn ein Fachmann von der FIA zu einem Team wechselt oder andersherum, dann muss er eine zwölfmonatige Pause einlegen. Ich habe auch angeregt, einen solchen Wechsel mit einer Spende von einer Millione Dollar für die FIA-Strassensicherheitskampagne zu verbinden, was FIA-Chef Jean Todt eine tolle Idee fand. Und was passiert? Keine sechs Wochen nach diesem Treffen wechselt ein Techniker mit sehr viel Fachwissen zu einem Rennstall. Noch im Dezember haben unsere Fahrwerksspezialisten mit ihm detailliert übers Rennauto gesprochen. Das macht diesen Mann so wertvoll.»

«Das ist einfach falsch! Du vertraust diesen Offiziellen, sie sind Teil des Motorsportverbands. So ein Mann sollte nicht zu einem Team wechseln dürfen, denn er nimmt Informationen mit. Das ist nicht verboten, so lange er keine Datenträger mit sich führt, was Mekies natürlich nicht machen wird. Aber er hat all dieses Wissen in seinem Kopf, das ist schwer zu akzeptieren, das ist einfach nicht, was wir vereinbart haben.»

Aus Ferrari-Kreisen ist zu hören: Es gab kein solches Abkommen unter Gentlemen beim angesprochenen Treffen. Christian Horner schäumt: «Wir waren alle im gleichen Raum. Und jener Gentleman, der dem ebenfalls zugestimmt hat, der weiss genau von diesem Abkommen.»

Mercedes-Teamchef Toto Wolff: «Ich habe in diesem Raum keinen Gentleman gesehen.»

Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene: «Wir sind nach Schweizer Recht vorgegangen, daher diese Zeitspanne, bis wir das Arbeitsverhätnis beginnen. Wir haben von der FIA verlangt, dass sie sich das anschauen sollen, um solche Fälle in Zukunft anders zu behandeln.»

Im April tagt die Strategiegruppe erneut. Natürlich wird Christian Horner dort den Wechsel von Laurent Mekies thematisieren. Der Engländer weiter: «Wir konnten nichts Schriftliches festsetzen, weil wir hier von Arbeitsrecht in verschiedenen Ländern reden, das ist sehr kompliziert. Daher keine Vorschrift, sondern das Gentlemen-Abkommen. Alle waren unglücklich über die Affäre Budkowski. Aber Renault hat meiner Meinung nach vorbildlich reagiert und gesagt – gut, welche Auszeit wäre für euch akzeptabel?»

«Was mich wirklich enttäuscht: Ausgerechnet Ferrari hat damals am lautesten Kritik geäussert. Sergio Marchionne forderte sogar eine Auszeit von drei Jahren! Und nun sind aus diesen drei Jahren ein paar Monate geworden.»

FIA-Rennchef Charlie Whiting in Melbourne: «Ich kann verstehen, dass einige Teams verärgert sind. Aber ich glaube auch, dass die Informationen, zu welchen Laurent Zugang hatte, weniger sensibel sind als bei Marcin. Offiziell hat sich bei mir niemand beschwert. Wir werden das bei der nächsten Sitzung sicher auf den Tisch bringen.»

Whiting bestätigt, dass für Mekies ein Ersatz gesucht wird. «Aber das wird nicht über Nacht gehen. Wir haben Monate gebraucht, um für Budkowski in der Form von Nikolas Tomabzis einen Nachfolger zu finden. Wir wollen sicherstellen, dass wir den richtigen Mann engagieren.

Das hat auch weiterreichende Konsequenzen. Eigentlich hätte Laurent Mekies zum Rennleiter aufsteigen sollen, wenn Charlie Whiting in Pension geht.

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