Lance Stroll (Williams): Der Mauerkuss ändert nichts

Von Mathias Brunner
Formel 1
Lance Stroll in Montreal

Lance Stroll in Montreal

​Williams-Fahrer Lance Stroll in den ersten beiden Trainings zwei Mal Zweitletzter, dazu einige Mauerküsse: Der 19-Jährige weiss, dass ein ganz schwieriger Heim-Grand-Prix auf ihn zukommt.

Erstes Training zum Grossen Preis von Kanada: Lokalheld Lance Stroll auf Rang 18, nur Force-India-Reservist Nicholas Latifi war noch langsamer, Nico Hülkenberg hatte wegen eines Getriebedefekts keine gezeitete Runde fahren können. Zweites Training: Stroll Zweitletzter, lediglich Williams-Stallgefährte Sergey Sirotkin war noch langsamer. Wer vor dem Kanada-Wochenende auf ein Wunder beim drittältesten Formel-1-Team gehofft hatte, wurde bislang bitter enttäuscht.

Stroll wurde vor 19 Jahren in Montreal geboren, auf seinem Helm trägt er an diesem Wochenende stolz das Ahornblatt seines Landes. Aber die Erkenntnisse aus dem ersten Tag geben wenig Anlass zur Hoffnung, dass Lance seinen neunten Platz von 2017 wiederholen kann. Der Williams ist derzeit das schlechteste Grand-Prix-Auto.

Stroll: «Wir arbeiten fieberhaft daran, den Wagen besser zu verstehen. Wir müssen überall zulegen – Traktion, Balance in der Kurve, in der Bremszone.»

Am Einsatz des Formel-3-Champions von 2016 ändert das nichts. Lance Stroll scheute keinen Mauerkontakt und schrammte mehrfach an den Begrenzungsmauern entlang. Ein etwas heftigerer Kuss an der berüchtigen Mauer der Champions, eingangs Start und Ziel, führte zu einer langen Runde mit krummem Wagen rechts hinten, dabei hinterliess Stroll zahlreiche Trümmerteile.

Stroll zuckte nur mit den Schultern: «Du musst hier jeden Millimeter nutzen. Und es ist meine Aufgabe, die Grenzen des Fahrzeugs auszuloten. Der Mauerkuss ändert nichts an der Art und Weise, wie ich diese Kurve angehe.»

Der Moskauer Sergey Sirotkin bezeichnete den ersten Tag in Kanada als «wirklich sehr, sehr schlecht. Wir schaffen es nicht, den theoretischen Vorteil der weicheren Reifen in schnellere Rundenzeiten umzusetzen. Aber die Tabelle sagt nicht alles. Als ich freie Bahn hatte, waren meine Dauerläufe nicht übel. Wir sind besser als es aussieht.»

Inzwischen hat die Williams-Krise ein weiteres Opfer gefordert: Aerodynamik-Chef Dirk de Beer musste seinen Schreibtisch räumen. Im Mai hatte sich schon Chefdesigner Ed Wood verabschiedet. Neuer Aero-Chef ist Dave Wheater, im das Design kümmert sich Doug McKiernan.

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