Lewis Hamilton: War Silverstone-Crash vermeidbar?

Von Vanessa Georgoulas
Formel 1

Für den Silverstone-Startcrash mit Lewis Hamilton kassierte Kimi Räikkönen eine Strafe. Auch Jolyon Palmer findet, dass der Finne die Schuld am Unfall trägt. Dennoch lobt er ihn – und kritisiert Lewis Hamilton.

Die Formel-1-Erfolgsbilanz von Jolyon Palmer ist überschaubar: Der Brite, der 2016 und 2017 insgesamt 35 GP-Einsätze mit dem Renault-Team bestritten hat, schaffte es nur zwei Mal in die Punkte: 2016 kreuzte er die Ziellinie im Malaysia-GP als Zehnter, im folgenden Jahr schaffte er es in Singapur auf den sechsten Platz.

Trotz des bescheidenen Erfolgsausweises gehört der GP2-Meister von 2014 (heutige Formel 2) zu den bestinformierten Formel-1-Experten seines Landes. Denn wie kaum ein anderer Kenner der Szene kann er die Geschehnisse in der Königsklasse aus der Sicht eines Piloten beschreiben, der die neue Fahrzeuggeneration durch Renneinsätze kennengelernt hat.

Kein Wunder, darf Palmer die WM-Läufe für die BBC unter die Lupe nehmen. Und in seiner jüngsten Kolumne zum zehnten Saisonlauf auf dem Silverstone Circuit befasst er sich natürlich auch mit dem Startcrash von Kimi Räikkönen und Lewis Hamilton. Der 27-Jährige aus Horsham schreibt: «Der Unfall zwischen Kimi und Lewis führte zu grossen Kontroversen, aber der Mercedes-Pilot hat das Rennen eigentlich beim Start verloren, und nicht drei Kurven weiter.»

«Hamilton hätte gewinnen müssen», betont Palmer. «Er hatte das nötige Tempo bei freier Fahrt, er hatte den Reifenabbau mehr als jeder andere im Griff und er hatte sich am Samstag mit einer brillanten Runde die Pole-Position gesichert, was entscheidend war. Doch ein schlechter Start, bei dem seine Räder zu stark durchdrehten, warf ihn hinter dem Ferrari des späteren Rennsiegers Sebastian Vettel und den zweiten Mercedes von Valtteri Bottas zurück.»

Der Sohn des früheren GP-Piloten Jonathan Palmer ist auch überzeugt: «Angesichts des ausgeglichenen Kräfteverhältnisses zwischen Ferrari und Mercedes wäre es für Hamilton bei einem normalen 1-Stopp-Rennen ohnehin schwierig geworden, den schlechten Start wieder wettzumachen – auch ohne den Startcrash mit Kimi. Dies vor allem auch, weil es keine Stallorder gab, die ihn an Bottas hätte vorbeibringen können. Den einzigen Einwand, den man machen kann, ist jener, dass wir nie erfahren werden, was während und nach der Safety-Car-Phase passiert wäre.»

Und der schlechte Start ist nicht das Einzige, was Palmer an Hamilton kritisiert: «Meiner Ansicht nach hätte Hamilton vorsichtiger sein können, als ihn der Ferrari-Star in der dritten Kurve attackierte, was sein Rennen schliesslich auf den Kopf gestellt hat. Sie bogen nebeneinander in die Kurve ein und Kimi war auf der Innenseite. Hamilton liess ihm zwar etwas Platz, ging dabei aber ein Risiko ein, weil er ihm keinen Raum für Fehler gelassen hat.»

«Als Räikkönen sich verbremste, war klar, dass er einen Crash vermeiden wollte, doch der war nicht mehr zu verhindern», erklärt der frühere Teamkollege von Nico Hülkenberg. Hätte Hamilton etwas weiter ausgeholt, wäre er immer noch auf der Innenseite für die vierte Kurve geblieben und damit wäre er ganz sicher vorne geblieben», ist sich der ehemalige Formel-1-Fahrer sicher.

Trotzdem betont Palmer auch: «Es hätte vielleicht trotzdem geknallt, doch die Chance für einen Unfall wäre sehr viel kleiner gewesen, denn Räikkönen hätte mehr Platz gehabt. Es besteht aber auch kein Zweifel daran, dass Hamilton nicht der Unfallverursacher ist. Doch angesichts des WM-Titelkampfs und des Rennens selbst wäre etwas mehr Vorsicht wohl die bessere Option gewesen.»

Der F1-Experte relativiert aber auch gleich: «Allerdings ist man hinterher immer schlauer und ich kann es nachvollziehen, dass er sich nach einem schlechten Start in sein Heimrennen besonders hart verteidigt hat. Es wurde nur zum Problem, weil Räikkönen etwas zu viel wollte und in ihn hineingerasselt ist.»

«Kimi wurde dafür bestraft und er hat die Verantwortung für die Kollision auch gleich auf sich genommen. Damit hat er in meinen Augen viel Reife bewiesen, denn man erlebt nicht oft, dass ein Fahrer in der Hitze des Gefechts den Fehler eingesteht», lobt Palmer den Ferrari-Finnen.

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