Training Sotschi: Vettel (Ferrari) 1., Feuer bei Haas

Von Mathias Brunner
Formel 1
Sebastian Vettel in Sotschi

Sebastian Vettel in Sotschi

​Erstes freie Training zum Grand Prix von Russland im Autodrom von Sotschi: Sebastian Vettel fährt Bestzeit. Haas wird bei der FIA vorstellig – nach einem skurrilen Zwischenfall in der Box der Amerikaner.

«Ferrari steht mit dem Rücken zur Wand», weiss der frühere Formel-1-Fahrer Paul Di Resta, gegenwärtig Leader in der DTM. Am Rande der Schwarzen See brauchen die Italiener dringend ein Erfolgserlebnis: Sebastian Vettel liegt in der WM um satte vierzig Punkte zurück und sagte hier in Sotschi am Donnerstag: «Ich bleibe zuversichtlich, denn ich weiss – wir sind stark genug, um jedes Rennen gewinnen zu können.» Nur: Das hören wir seit Wochen, und die Ergebnisse sagen etwas Anderes. Lewis Hamilton hat vier der letzten fünf WM-Läufe gewonnen.

Bei 22 Grad herrschte zum Trainingsbeginn Gedränge Ausgangs Boxengasse. Grund: Alle Fahrer, auf die Motorenstrafen zukommen, wollten so früh als möglich auf die Bahn. Wenn in mehreren Rennern noch vor dem ersten Training das Triebwerk gewechselt werden muss und die entsprechenden Fahrer ans Ende des Feldes rücken müssen, entscheidet über die Reihenfolge – wer ging am Freitag mit dem neuen Motor als Erster auf die Bahn? Kommt es später zu Strafen, dann entscheidet: Wann wurde der Motorwechsel der FIA verkündet? Das Prozedere ist so komplex, dass die meisten Fans längst aufgegeben haben, sich dafür zu interessieren. McLaren schlug Red Bull Racing: Lando Norris (im Auto von Fernando Alonso), Daniel Ricciardo, Max Verstappen, Pierre Gasly und Brendon Hartley, so gingen sie auf die Bahn. GP-Sieger Johnny Herbert: «Allein dieses Gedrängle zeigt, wie lächerlich die Motorenregel ist.»

Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner: «Das war ein kleines Rennen, um nicht ganz hinten stehen zu müssen. Wir wollten hier in Russland die Strafen einstecken, weil die Fahrer in Sotschi überholen können. Und weil wir auf den Pisten von Suzuka, Austin und Mexiko keine Strafen haben wollten, denn da sollten wir ordentlich bei der Musik sein.»

Zur Erinnerung: In Singapur hatten wir keine einzige Strafversetzung, jetzt sind es fünf, ein Viertel des Startfelds ist also betroffen.

Vier Freitagfahrer nahmen das erste Training unter die Räder: Lando Norris im McLaren von Fernando Alonso, Antonio Giovinazzi im Alfa Romeo-Sauber von Marcus Ericsson (Norris und Giovinazzi fahren 2019 Grands Prix), dazu Nicholas Latifi im Force India von Sergio Pérez sowie Artem Markelow im Renault von Carlos Sainz, dem eine Pause nicht ungelegen kommt – der Madrilene leidet an einer Augenentzündung links.

McLaren-Zögling Lando Norris bezahlte Lehrgeld: Er verlor in Kurve 4 hinter einem Sauber Anpressdruck, und schon wurde er vom Heck seines eigenen Autos überholt. Norris schaffte es zum Glück, der Pistenbegrenzung fernzubleiben. In der gleichen Kurve kam auch Mercedes-Pilot Valtteri Bottas vom Pfad der Tugend ab, er kam aber mit dem Schrecken davon.

Reihenfolge nach 30 Minuten: Hamilton, Verstappen, Ricciardo, Bottas, Vettel, Räikkönen, Ocon, Hülkenberg, Magnussen und Gasly.

Feuer bei Haas

Haas wurde bei der FIA vorstellig: Zwei Sätze Reifen sind in der Box in der Nacht auf Freitag durch ein Feuer zerstört worden, vermutlich ausgelöst durch einen Kurzschluss im Steuergerät der Reifenwärmer. Bei beiden Sätzen handelt es sich um Pirelli-Walzen für Kevin Magnussen. Das Feuer war von einem Nachtwächter entdeckt worden, Sicherheitspersonal verschiedener Rennställe eilte zu Hilfe und konnte den Brand unter Kontrolle bringen. «Wir haben Glück, dass nicht mehr passiert ist», sagt Haas-Teamchef Günther Steiner.

Formel-1-Reifen können bei einer konstanten Temperatur von 60 Grad in Decken gehalten werden, zwei Stunden vor einem Einsatz wird das auf 80 Grad erhöht, eine Stunde vor dem Einsatz auf 110 Grad. Aber Günther Steiner sagt: «Die Heizdecken waren nicht an. Was wir nun machen – wir ziehen über Nacht die Stecker.»

Noch ein Feuer: Nach 40 Minuten kam Daniel Ricciardo mit brennendem Auto links hinten an die Box, flinke Hände bei Red Bull Racing machten sich an die Arbeit.

Reihenfolge nach einer Stunde: Verstappen, Hamilton, Bottas, Ricciardo, Vettel, Ocon, Magnussen, Hülkenberg, Grosjean und Gasly.

Kurz darauf setzte Sebastian Vettel ein Ausrufezeichen: Neue Bestzeit, eine halbe Sekunde schneller als Max Verstappen. Johnny Herbert weiss: «Sotschi ist eine Power-Strecke. Wenn wir davon ausgehen, dass Ferrari den kraftvollsten Motor hat, dann müsste Ferrari hier stark sein.»

Nächster Brummkreisel: Lance Stroll im Williams. Der Kanadier ruinierte einen Satz Pirelli, sonst ging nichts kaputt. Als Zuschauer sah das auch Daniel Ricciardo – noch immer arbeiteten die Mechaniker an seinem Rennwagen. Sein Stallgefährte Max Verstappen ratterte in Kurve 4 von der Bahn, schon der Kurveneingang war unsauber gewesen und das im wörtlichsten Sinne. Max geriet auf den schmutzigen Teil der Bahn, damit war ein Ausflug am Ausgang der Kurve programmiert. Der vierfache GP-Sieger kam zur Box, um sein Auto checken zu lassen.

Nico Hülkenberg wurde von seiner Renault-Mannschaft an die Box gebeten, weil die Motortechniker verdächtige Daten erkannt hatten.

Fazit des ersten Trainings: Die üblichen Verdächtigen liegen vorne, aber über das wahre Kräfteverhältnis und die echten Abstände zwischen den Autos von Ferrari, Mercedes und Red Bull Racing wissen wir noch nichts Genaues. Force-India-Fahrer Sergio Pérez bestätigt: «Die Piste ist noch zu schmutzig, um sagen zu können – diese Reihenfolge ist aussgekräftig.»

Top-Ten nach den ersten 90 Minuten: Vettel vor Verstappen, Hamilton, Bottas, Ricciardo, Ocon, Räikkönen, Magnussen, Hülkenberg und Giovinazzi.

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