Paddy Lowe: So will er WM-Versager Williams retten

Von Adam Cooper
Formel 1

​Der Rennstall von Frank Williams ist das dritterfolgreichste Team der Formel 1. Aber 2018 wurden die Engländer WM-Letzter. Wie will sich der Traditionsrennstall aus dieser Krise freistrampeln?

In der Formel 1 steht jeder alle zwei Wochen auf dem Prüfstand, und das Urteil gegen Williams ist vernichtend: Letzter WM-Rang, das langsamste Auto gebaut. Trotz massiver Strafversetzungen eroberte Toro Rosso beinahe fünf Mal so viel Punkte wie Williams. Dabei sah zu Beginn der Turbo-Ära für Williams noch alles so gut aus – Felipe Massa und Valtteri Bottas kämpften regelmässig um Podestplatzierungen. 2014 und 2015 wurde Williams jeweils Dritter im Konstrukteurs-Pokal. Das scheint eine Ewigkeit her zu sein.

Alle sind sich einig: Es muss sich etwas ändern. Teambesitzer Frank Williams, seine Tochter Claire als Teamchefin und Williams-CEO Mike O’Driscoll bauen das Auto nicht selber. Dafür verantwortlich ist Paddy Lowe, jener Mann, der im März 2017 zu Williams zurückkehrte, mit drei WM-Titeln bei Mercedes als Leistungsausweis. Viele gingen davon aus, dass Williams erstarken würde, das 2018er Auto vom Typ FW41 war der erste Renner, der unter seiner Leitung entstand. Leider erwies sich der Wagen als ein aerodynamischer Rohrkrepierer. Ein fundamentales Problem konnte nie gelöst werden.

Im Frühling verliessen Chefdesigner Ed Wood und Aerodynamik-Leiter Dirk de Beer den Rennstall. Auch dies Zeichen dafür, dass Vieles bei Williams im Argen liegt. Paddy Lowe meint: «Ich kam zu Williams, um etwas zu bewirken. Aber Formel 1 ist Mannschaftssport. Um einen guten Job zu machen, müssen wir auf mehreren Posten hervorragend besetzt sein. Meine Mission besteht darin, das Ruder herumzuwerfen. Aber das kannst du nicht an einem Zeitplan festhaken.»

«2018 war für Williams ein extrem schwieriges Jahr», fährt der vor 56 Jahren in Nairobi geborene Lowe fort. «Auch wenn das seltsam klingen wird – unsere Probleme hatten ihr Gutes. Sie sind Anlass zu markanten Änderungen. Wenn du WM-Letzter wirst, dann rüttelt das die Leute wach. Es muss sich fundamental etwas ändern bei Williams, und diese Einsicht gab es zuvor nicht.»

Diese Veränderungen müssen gemäss Lowe von innen kommen. «Williams hat ein reiches Erbe mit gewaltigen Erfolgen, aber die wurden fast alle in den ersten zwanzig Jahren des Teams errungen. Frühere Erfolge können zur Last werden. Denn Erfahrung kann auch eine gewisse Unfähigkeit zur Veränderung bedeuten. Die Formel 1 ist aber Veränderung. Wenn wir uns im Williams-Museum umschauen, dann erkenne wir, wir rasend schnell sich die Autos entwickelt haben. Und das muss auch in den Büros passieren, wo diese Rennwagen entworfen werden. Wenn du nicht laufend modernisierst, rutschst du zurück.»

«Das Gute ist: Die Leute haben das erkannt und legen sich ins Zeug. Ich werde das nicht an Zahlen heften und behaupten – wir werden in der kommenden WM auf Rang sowieso liegen. Ich weiss jedoch: Wir werden besser sein. Wir haben die Wende bereits vollzogen.»

Aber wie konnte Williams vom drittbesten Team 2014 und 2015 drei Jahre später zum schwächsten Rennstall werden? Paddy Lowe blickt zurück: «Unser letzter Sieg geht auf 2012 zurück, mit Pastor Maldonado in Spanien, und jeder weiss – das war ein ungewöhnliches Wochenende. Der letzte Sieg davor passierte 2004, und das ist verflixt lange her. 2014 war ein gutes Jahr, aber wir sahen wegen des Mercedes-Motors besser aus als wir es in Wahrheit waren. Andere Rennställe taten sich zu Beginn der Turbo-Ära schwer. Mein Schluss also: Unsere Leistungsfähigkeit ist seit Jahren mangelhaft.»

Nur: Warum? Was ist schiefgelaufen? Paddy Lowe: «Es gibt hundert Gründe – im Rennwagen, bei der Art und Weise, wie wir ein solches Auto entwerfen und entwickeln. Genau das ist der Punkt. Es gibt kein Allheilmittel. Es gibt Hunderte von Gründen, und wir arbeiten an allen. Es geht nicht nur um Investment, es geht um Arbeitsabläufe, um das Design, um die Unternehmenskultur. Es ändert sich sehr viel bei Williams, aber solche Dinge brauchen Zeit.»

«Als Erstes brauchst du Änderungen in der technischen Abteilung, nur so kannst du ein besseres Auto bauen. Dann brauchst du Änderungen in der Organisation, aber diese wirken sich nicht sofort aus. Dazu kommt: Die anderen neun Rennställe wissen, was sie machen. Jedes dieser Teams ist sehr solide aufgestellt, mit den hellsten Köpfen von den besten Universitäten. Sie werden gut geleitet. Das war nicht immer so.»

Wie sieht es personell aus? Wir haben nichts gehört über Nachfolger für Wood oder de Beer. Paddy Lowe holt ein wenig aus: «Williams ist zu statisch. Wir haben hervorragende Leute mit reicher Erfahrung. Wir sind das drittälteste Team der Formel 1, und einige Angestellte sind seit vielen, vielen Jahren bei uns. Das zeigt eine starke Loyalität, und das geht auf die Persönlichkeiten von Frank Williams und Patrick Head zurück. Aber das kann auch ein Nachteil sein. Manchmal brauchst du ein wenig frisches Blut. Wir müssen es schaffen, dass Fachkräfte mit reichlich Wissen einen neuen Ansatz finden. Auf dieser Reise befinden wir uns derzeit.»

«Wir sind am Umkrempeln. Ein perfektes Organigramm gibt es meiner Ansicht zufolge nicht. Zum Glück stimmt bei uns das Fundament. Wir haben Frank, wir haben erfahrene und loyale Leute, wir haben ein tolles Rennwagenwerk. Wir besitzen unser eigenes Land und die ganzen Gebäude, was nicht auf alle Rennställe zutrifft. Wir haben einen erstklassigen Windkanal. Die ganzen Zutaten sind da. Jetzt geht es darum, wie wir sie nutzen.»

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