Formel 1

Mercedes, Ferrari, Honda, Renault: Genug ist genug

Von - 27.12.2018 20:00

Die Formel 1, in Sachen Motoren eine geschlossene Gesellschaft. Sportchef Ross Brawn: «Die heutigen Motorhersteller wollen keine neuen Gegner.» Mercedes-Teamchef Toto Wolff: «Vier Hersteller sind genug.»

Formel-1-Sportchef Ross Brawn hat punkto Motoren vor kurzem klargestellt: Neue Hersteller wird es 2021 nicht geben. Der Engländer sagte auf der offiziellen Formel-1-Webpage: «Die Zugbrücke ist oben, die heutigen Motorhersteller wollen keinen neuen Gegner. Wir haben jedoch einen Kompromiss gefunden. Wir haben ein Reglement entworfen, das vorschreibt – neue Teilnehmer erhalten Unterstützung von den gegenwärtig im Sport vertretenen Firmen. Es wird Technik und Bauteile geben, die geteilt werden müssen, sofern dies verlangt wird.»

Der 64jährige Engländer weiter: «Dies entspricht nicht ganz dem radikalen Schritt, den wir vorgeschlagen hatten. Dennoch geht das in die richtige Richtung. Wir konnten den heutigen Motorherstellern klarmachen, dass sie nicht einfach die Tür hinter sich zuschlagen können. Sollten wir ernsthafte Anfragen neuer Motorenbauer haben, dann müssen wir Mittel und Wege finden, um diesen Herstellern den Formel-1-Einstieg zu ermöglichen.»

Es geht also in den nächsten Jahren weiter mit vier Herstellern. Gucken wir mal in fünf Zehnjahres-Schritten, wer damals im Grand-Prix-Sport als Motorhersteller engagiert war.

2008: Ferrari, BMW, Renault, Toyota, Honda, Mercedes (6)

1998: Mecachrome, Ferrari, Mercedes, Mugen-Honda, Peugeot, Ford, Arrows (7)

1988: Honda, Ford, Judd, Zakspeed, Megatron, Osella, Ferrari (7)

1978: Alfa Romeo, Ford, Ferrari, Renault, Matra (5)

1968: BRM, Ford, Repco, Weslake, Honda, Ferrari, BRM, Maserati, Matra, Climax (10)

Aber mehr muss nicht unbedingt besser sein, das meint jedenfalls Mercedes-Teamchef Toto Wolff. «Wieso die Denke, dass unbedingt zusätzliche Motorhersteller in die Formel 1 kommen sollen? Wieso sollen es mehr als vier sein? Und wie viele denn, fünf oder sechs?» fragt der Wiener bei ESPN. «Wir sollten doch froh sein, dass die Formel 1 vier Premiumhersteller hat, die mit Hingabe Grand-Prix-Sport betreiben. Es wäre gescheiter, man würde Kompromisse finden, um diese loyalen vier Partner bei der Stange zu halten. Und dann sollten wir uns anhören, was potenzielle kommende Hersteller zu sagen haben. Aber das hat zweite Priorität.»

Viele Formel-1-Kenner glaubten: Die konservierte Motorarchitektur (samt MGU-H am Turbolader) war ein taktischer Schachzug der heutigen Hersteller, um den Einstieg weiterer Firmen zu erschweren. Toto Wolff wischt das vom Tisch: «Hier ging es rein um wirtschaftliche Überlegungen. Wir konnten der FIA und Liberty Media darlegen, welche Summen es verschlingen würde, die Motoren umzubauen. Schon die Entwicklung der heutigen Aggregate ist teuer – mehr Drehzahl, höherer Benzinfluss, mehr Kraftstoffkontingent, das bedeutet alles Forschung und Entwicklung. Am liebsten hätten wir die heutigen Motoren gar nicht angerührt.»

«Vor dem Hintergrund des gegenwärtigen Reglements gleichen sich die Motoren punkto Leistung langsam an. Ich bin gespannt zu sehen, wo Honda 2019 liegen wird. Ändert sich das Reglement, wird der Abstand zwischen dem besten und dem viertbesten Motor wieder grösser. Wir wollten das nicht. Also haben wir auf einem Kompromiss hingearbeitet, der mir noch immer zu teuer ist.»

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In den 80er Jahren war BMW für die Formel 1 Feuer und Flamme © LAT In den 80er Jahren war BMW für die Formel 1 Feuer und Flamme Mercedes-Teamchef Toto Wolff mit Formel-1-CEO Chase Carey (Mitte) und F1-Sportchef Ross Brawn © LAT Mercedes-Teamchef Toto Wolff mit Formel-1-CEO Chase Carey (Mitte) und F1-Sportchef Ross Brawn
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