Ferrari: Ist der geniale Drehflügel überhaupt legal? Die Antwort der FIA
Ferrari hat die Gegner gleich zwei Mal kalt erwischt beim Wintertest in Bahrain: mit einem cleveren Zusatzflügel über dem Getriebe und einem Dreh-Element am Heckflügel. Ist das überhaupt erlaubt?
Da rieben sich die Rivalen von Ferrari gleich zwei Mal verwundert in den Augen: Nanu, was ist das für ein neues Zusatzflügelchen hinter dem Auspuff? Und wieso zum Geier dreht sich das obere Heckflügel-Element um 180 Grad, statt einfach in die Stufe flach zu kippen?
Der geniale Trick mit dem Zusatzflügel
Die Italiener streben mit diesem aus Metall gefertigte Flügelchen direkt hinter dem Auspuffrohr mehr Abtrieb an, zudem hilft es beim komplexen Luftstrom im unteren Heckflügelbereich.
Die 2026er Motoren verlangen einen sehr eigenwilligen Fahrstil: Zum Laden der Batterie fahren die Piloten viele Kurven absichtlich in niedrigeren Gängen, ergo höheren Drehzahl an. Dadurch entsteht ein konstanterer Auspuff-Fluss.
Das in der Formel 1 fast nichts neu ist: Vor 15 Jahren hatten wir das schon mal, und keiner beherrschte diesen Kniff mit dem Nutzen der Abgasströmung besser als Adrian Newey bei Red Bull Racing.
Gegner baff: Kopieren fast unmöglich
Die Ferrari-Rivalen werden sich schwertun mit Kopieren: Denn in jenem Bereich hat die Formel 1 eine flügelfreie Mini-Zone verfügt (6 cm hinter der Hinterachse). Ferrari nun hat Differential und Getriebe so entworfen, dass das Flügelchen diese 6-cm-Regel nicht verletzt. Anders gesagt: Die meisten Gegner müssten das Getriebe umbauen, um zum gleichen Ergebnis zu gelangen. Und das wird vor dem Hintergrund des Bugetdeckels kaum einer machen. Ferrari hat sich damit einen seltenen Vorteil erarbeitet, der nicht so einfach zu kopieren ist.
Wieso dreht sich das obere Flügel-Element?
Dann legte Ferrari nach: TV-Bilder zeigten, wie das obere Heckflügel-Element nicht einfach auf Stellung flach klappt, so wie wir das seit Jahren vom DRS-System (drag reduction system) gewohnt waren, nein, es drehte sich einmal um 180 Grad und stand dann Kopf.
Die Gegner standen auch Kopf: «Ist das überhaupt erlaubt?» ist eine Frage, die sehr schnell zu kursieren begann im Fahrerlager des Bahrain International Circuit.
Die Gegner guckten irritiert ins Regelbuch, aber nein – da steht nichts drin darüber, dass eine Rotation verboten ist.
Der Sinn dieses Flügels, einfach erklärt: Steil gestellt voller Abtrieb, nach hinten gedreht so wenig Luftwiderstand wie möglich.
Das sagt die FIA
Was sagen die Regelhüter des Autosport-Weltverbands FIA? FIA-Technikdirektor Nikolas Tombazis in Bahrain: «Wir haben beim neuen Reglement generell Lösungen gefördert, die den Luftwiderstand der Autos verringern. Aus diesem Grund wurden die DRS-Regeln von 2025 geändert.»
«Es gibt keine maximale Öffnungweite des Spalts mehr zwischen Heckflügel-Hauptblatt und oberem Element. Wir wollten den Teams mehr kreative Freiheit lassen, und aus unserer Sicht ist die Ferrari-Lösung in Ordnung.»
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