Michael Schumacher, Sebastian Vettel: Gleich, anders

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Renningenieur Jock Clear hat mit vielen Spitzenpiloten gearbeitet, unter anderen bei Mercedes mit Michael Schumacher und bei Ferrari mit Sebastian Vettel. Er vergleicht die beiden Deutschen.

Vergleiche zwischen Michael Schumacher und Sebastian Vettel drängen sich auf. Schumi kam 1996 zu Ferrari, es dauerte aber bis 2000, dann endlich war der erste Fahrer-WM-Titel von Michael in Rot sichergestellt. Auch für Vettel wird die Saison 2019 die fünfte Saison im Ferrari-Overall sein. Vielleicht ein gutes Omen, damit es endlich klappt mit dem ersten Fahrer-WM-Titel eines Ferrari-Piloten seit Kimi Räikkönen 2007.

Jock Clear hat mit zahlreichen Spitzenpiloten gearbeitet: Bei Williams mit David Coulthard und mit Jacques Villeneuve, als der Kanadier 1997 Weltmeister wurde, bei Mercedes mit Nico Rosberg und Michael Schumacher, bei Ferrari mit Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen.

Der 55jährige Engländer meint: «Es liegt auf der Hand, dass solche Fragen über Schumacher und Vettel kommen. Ich versuche eigentlich immer, solche Vergleiche zu vermeiden, denn zur gleichen Zeit habe ich sie nie im gleichen Auto erlebt. Jeder ist anders, jeder hat einen unterschiedlichen Charakter, seine eigene Arbeitsmethodik. Es wäre reizvoll, zu behaupten: „Wenn Seb so arbeiten würde wie Schumacher, dann wäre er erfolgreicher.“ Aber Vettel ist nun mal nicht Schumacher. Genau so gut könnten wir sagen: „Hätte Michael gewisse Arbeitsweisen von Sebastian gehabt, dann wäre er noch erfolgreicher gewesen.“ Sie sind, wie sie sind, mit allen Ecken und Kanten. Den idealen Rennfahrer gibt es nicht. Zudem müssen sich die Piloten gegen unterschiedliche Konkurrenz stellen, auch das macht den Vergleich schwierig.»

«Eines kann ich aber doch sagen: Top-Piloten sind unfassbar zielgerichtet. Sie nehmen jedes Detail wahr. Und ich rede jetzt nicht nur vom Auto, sondern von den Menschen. Sie verlangen sehr viel, um diese tollen Erfolge zu erringen. Aber alleine schaffen sie es nicht. Schumacher, Vettel, auch Hamilton brauchen immer auch ein Team. Wir hoffen, dass wir mit Vettel eines Tages den WM-Titel einfahren. Aber es wird anders sein als damals mit Michael Schumacher.»

Ferrari hatte in der Saison 2018 zeitweise das bessere Auto als Mercedes-Benz. Dennoch ist Lewis Hamilton erneut Weltmeister geworden, wie 2017 hat Ferrari-Star Sebastian Vettel den Kürzeren gezogen. Viele Tifosi fragten sich: Was ist schiefgelaufen? Einhellige Meinung im Fahrerlager: Mercedes hat effizienter entwickelt als Ferrari, und die Fehlerquote von Ferrari am Kommandostand sowie von Vettel am Lenkrad war zu hoch. Aber wie sieht das Ferrari-Chefingenieur Jock Clear?

«Es war ein fabelhafter Kampf gegen Hamilton und Mercedes, genau deshalb lieben wir unseren Sport. Wenn du dann am Ende das kürzere Ende in der Hand hältst, dann ist das natürlich frustrierend. Wir schauen nicht zurück und zeigen mit dem Finger darauf, an welchem Punkt die Saison den falschen Verlauf genommen hat. Die Punkte von Australien sind genau so wichtig wie die Punkte in Abu Dhabi. Um Weltmeister zu werden, musst du eine Saison konstant auf höchstem Niveau fahren, und da haben wir einfach keinen so guten Job gemacht wie unser Gegner.»

«Wir blicken zurück und trauen uns zu sagen: Das war die stärkste Ferrari-Saison der letzten zehn Jahre. Auf dieser Stärke müssen wir aufbauen. Wir haben auch gewisse Probleme verstanden, die wir im zweiten Saisondrittel hatten. Das Team hatte den Mut zu sagen: „Das ist der falsche Weg, wir müssen zurück, um wieder vorwärts zu kommen.“ Und genau das ist passiert – in Texas und Mexiko sind wir wieder konkurrenzfähiger gewesen.»

Wie sieht Clear seinen Starfahrer Vettel? Wie stark stand der Deutsche 2018 unter Druck? Jock Clear meint: «Schwer zu sagen. Fahrer von seinem Kaliber blühen unter Druck auf. Das ist bei Top-Athleten in anderen Sportarten ähnlich. Aber den Druck kann keiner wegreden, er gehört zum Job. Auch wenn es Höhen und Tiefen gegeben hat, sah ich einen Vettel, der die Saison und das Duell mit Hamilton geniessen konnte. Sebastian hat gesagt: Den Titel 2009 gegen Button zu verlieren, das sei enttäuschender gewesen als die Niederlagen gegen Hamilton. Ich erlebte einen Vettel, der bereit ist, in solch einem Titelzweikampf alles zu riskieren. Was passiert ist, das macht ihn nur noch stärker, in einer Art Jetzt-erst-recht-Stimmung. Der WM-Titel mit Ferrari, das ist für ihn eine offene Rechnung.»

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