Ferrari: Arrivabene weg – jetzt redet Piero Ferrari

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Die Kollegen der Gazzetta dello Sport hatten den richtigen Riecher: Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene ist seinen Posten los, ersetzt durch seinen technischen Leiter Mattia Binotto. Nun redet Piero Ferrari.

Immer wieder kursierte im vergangenen Jahr in Italien, der frühere Fiat/Chrysler-CEO und Ferrari-Präsident Sergio Marchionne wolle Teamchef Maurizio Arrivabene entmachten und künftig auf Technikchef Mattia Binotto setzen. Marchionne verstarb Ende Juli im Zürcher Universitätsspital. Sein Nachfolger John Elkann setzt die Pläne des charismatischen Autokonzern-Chefs konsequent um – er holte Charles Leclerc ins zweite Cockpit neben Sebastian Vettel, und nun beförderte er Binotto zum Teamchef. Aber was sagt dazu eigentlich Piero Ferrari, der 73jährige Sohn von Firmengründer Enzo Ferrari?

Ferrari-Vizepräsident Piero Ferrari hat sich zum ersten Mal zur Palastrevolution beim berühmtesten Rennstall der Welt geäussert. «Alles passierte kurz vor Weihnachten», sagt Piero Ferrari, der seinem Vater verblüffend gleicht, in der Gazzetta dello Sport. «Wir haben dann aus verschiedenen Gründen beschlossen, die Nachricht nicht sofort zu verbreiten. Ich möchte nicht auf Einzelheiten eingehen, nur so viel – es gab eine Auseinandersetzung zwischen den Teilhabern und mit John Elkann, und am Ende haben wir im ausschliesslichen Interesse der Firma gehandelt.»

Aber entsprach das wirklich alles dem grossen Plan von Sergio Marchionne? Piero Ferrari weiter: «Das haben alle geschrieben, aber uns war wichtig, die technische Stabilität zu wahren, wir wollten die Struktur der Scuderia nicht beeinträchtigen.»

Nachdem John Elkann seinen langjährigen Wegbegleiter Sergio Marchionne in Zürich besucht hatte, wusste der Verwaltungsrats-Chef des Fiat/Chrysler-Konzerns: Er musste schnell handeln. Marchionnes Zustand war in die Hoffnungslosigkeit abgerutscht. Am 25. Juli 2018 blieb das Herz des Fiat-Sanierers stehen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Elkann den Konzern neu aufgestellt – er hatte jene Änderungen vorgezogen, die eigentlich für 2019 vorgesehen waren.

Elkann setzte auf den Posten des CEO von Ferrari Louis Carey Camilleri. Der 1955 in Alexandria geborene Camilleri war früher Chef des Tabakmultis Philip Morris International. Er hatte an der Universität von Lausanne (Schweiz) Wirtschaft studiert, verdiente sich seine Sporen als Wirtschafts-Analyst, 1978 wechselte er zu Philip Morris Europa. Er hielt verschiedene Posten in Europa und im Mittleren Osten, ab Dezember 1995 vertiefte er seine Erfahrungen als Präsident und CEO von Kraft-Lebensmittel. Ein Jahr später kehrte er zu Philip Morris zurück, im Range eines Vizepräsidenten und Finanzchefs. 2002 wurde er zum Philip-Morris-CEO befördert, wo er über sieben der zwanzig meistverkauften Zigarettenmarken der Welt wachte. Durch die langjährige Verbindung zwischen Philip Morris und Ferrari (über die Marke Marlboro) brachte er sich als Ferrari-Chef ins Gespräch.

Piero Ferrari sagt über Louis Camilleri: «Wir müssen ihm Zeit zum Arbeiten lassen, er ist erst seit kurzem bei Ferrari. Er hat zweifellos seinen eigenen Stil, und der ist anders als jener von Marchionne, denn Sergio war einzigartig und unnachahmlich.»

Das ist die passende Antwort von Piero Ferrari auf Gerüchte, wonach bei Ferrari die Rückkehr eines alten Bekannten kurz bevorstünde – von Ex-Teamchef Stefano Domenicali (heute CEO von Lamborghini).

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