Grand Prix von Brasilien: Interlagos gegen Rio 1:0

Von Mathias Brunner
Formel 1
Das Autódromo José Carlos Pace in Interlagos/São Paulo

Das Autódromo José Carlos Pace in Interlagos/São Paulo

​Der Stadtrat von São Paulo hat sich gegen eine Privatisierung der Formel-1-Rennstrecke Autódromo José Carlos Pace in Interlagos ausgesprochen – ein wichtiger Schritt, um das Rennen nicht an Rio zu verlieren.

Vielleicht waren sie ein wenig voreilig, die ganzen Geschichten, wonach der Formel-1-GP von Brasilien nach Rio zurückkehren werde. Denn abgesehen von einigen ziemlich hohen Hürden hat nun der Stadtrat von São Paulo einen wichtigen Schritte getan, um den WM-Lauf auf der Traditionsrennstrecke Autódromo José Carlos Pace in Interlagos zu behalten. Der Plan ist vom Tisch, die Rennstrecke zu privatisieren. Noch muss allerdings Bürgermeister Bruno Covas zustimmen.

Das scheint nur noch eine Formalität zu sein, wenn wir den Worten des Politikers Glauben schenken wollen. «Es gibt keinen Zweifel daran, dass die Stadt São Paulo auch weiterhin Gastgeber für die Formel 1 sein kann. Wir haben das Know-how in Sachen Organisation, wir arbeiten jedes Jahr am Fahrerlager, den Boxen und der Strecke.»

Der brasilianische Staats-Chef Jair Bolsonaro hatte zuvor herumposaunt, dass der Brasilien-GP mit Ausgabe 2020 auf einem noch zu errichtenden GP-Kurs im Deodoro-Bezirk von Rio de Janeiro über die Bühne gehen solle. Offenbar ist der Spitzenpolitiker mit bestehenden Verträgen nicht ganz auf dem Laufenden.

Die GP-Organisatoren von São Paulo verfügen über einen Vertrag, der ein Rennen in Rio schwer vorstellbar macht. João Doria, Gouverneur des Bundesstaates São Paulo: «Wir haben einen Vertrag mit der Formel-1-Führung, der bis und mit 2020 läuft. Und dieses Abkommen sieht harte Strafen vor, wenn ein der beiden Parteien vertragsbrüchig wird.»

Die Verlängerung des Vertrags über 2020 hinaus wurde in Frage gestellt, weil in São Paulo Stimmung laut wurden, die forderten: Keine öffentlichen Gelder mehr für die Luxusveranstaltung Formel 1, das Geld lieber ins Wohl der Bevölkerung stecken, das Rennen müsse aus privater Hand finanziert werden.

Wollte sich Präsident Bolsonaro nur schlagzeilenträchtig wichtigmachen, ohne Hausaufgaben zu erledigen? Schliesslich müsste ein neuer Rio-Rundkurs erst gebaut werden – der alte Kurs von Jacarepaguá war abgerissen worden, um Anlagen für die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio zu bauen. Wer Baukosten von geschätzten knapp 200 Millionen Euro tragen soll, ist auch nicht bekannt. Oder wer die jährliche Antrittsgebühr für die Formel 1 bezahlen würde.

Der geplante Ort für eine neue Strecke auf einem Militärgelände von Deodoro wirft zusätzliche Fragen auf: Keine Infrastruktur, hohe Kriminalität, die Traumstände wie Ipanema sind 45 Minuten entfernt. Von Glamour ist in Deodoro wenig zu spüren.

Der Brasilien-GP findet im Rahmen der Formel-1-WM seit 1973 statt, die ersten fünf Läufe sowie die Rennen von 1979 und 1980 wurden auf dem alten Kurs von Interlagos gefahren, bevor der GP-Zirkus für 1978 und von 1981 bis 1989 ins Autódromo Internacional Nelson Piquet in Jacarepaguá/Rio de Janeiro umzog. 1990 kehrte der GP-Tross nach Interlagos zurück, wo bis heute gefahren wird.

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