Sebastian Vettel: «Ich sagte mir – tu das nicht!»

Von Mathias Brunner
Sebastian Vettel

Sebastian Vettel

​Endlich ist die Durststrecke von Sebastian Vettel zu Ende: Erster GP-Triumph seit Belgien 2018. Der Heppenheimer sagt: «Ich war selber überrascht, dass ich nach meinem. Stopp so vorrücken konnte.»

Natürlich haben auch die Tifosi noch lange darüber gefachsimpelt: Wurde Sebastian Vettel in der langen Nacht von Singapur dieser Sieg auf dem Silbertablett serviert? Ex-Formel-1-Fahrer Martin Brundle wundert sich: «Normalerweise hat der führende Fahrer Vorrang, was die Strategie angeht. Ferrari holte Vettel zuerst herein, also nicht den auf Rang 1 fahrenden Leclerc, und das war für Sebastian ein Steilpass, den er gewissermassen zum Tor umsetzte. Doch an der Stelle von Charles Leclerc kann ich mir den Unmut schon erklären. Er muss sich vorkommen, als hätte man ihm die Chance auf den Sieg weggenommen.»

Vettel kann das alles einerlei sein: Er hat nach mehr als einem Jahr seine sieglose Zeit beendet, wobei er bis heute davon überzeugt ist, dass er den Grossen Preis von Kanada gewonnen habe, ungeachtet der fragwürdigen, kontroversen Strafe, die ihn auf Rang 2 hinter Hamilton warf.

Vettel in Singapur: «Es tut natürlich gut, dass endlich alles geklappt hat. Es war gewiss kein einfaches Rennen, gerade mit den Safety-Car-Phasen zum Schluss. Es war auch zu Beginn des Grand Prix knifflig. Wenn du in solch einem Bummelzug eher weiter hinten liegst, dann ist es ein hartes Stück Arbeit, mit den Reifen hauszuhalten. Aber insgesamt hat es ganz gut geklappt. Zu Beginn des Rennens versuchte ich alles, um mich an Lewis vorbeizupressen, aber das hat nicht geklappt, also mussten wir uns etwas Anderes einfallen lassen.»

«Klar hat uns dann die Strategie in die Hände gespielt. Ich habe auf meiner ersten Runde nach dem Reifenwechsel alles gegeben und war selber erstaunt, welchen Boden ich gutmachen konnte. Ich war verblüfft, wie viel mehr Haftung die frischen Reifen erlaubten. Ich hatte so meine Zweifel, was die Aufwärmphase anging, aber das erwies sich nicht als Problem.»

Aber noch immer fragen sich die Menschen, wie Vettel als Erster zum Reifenwechsel gebeten werden konnte, wo doch sein Stallgefährte Leclerc als Führender eigentlich Vorrang hätte haben müssen. Vettel: «Ich wurde sehr spät hereingerufen, vielleicht war das doch eher eine spontane Entscheidung. Danach wäre es riskant gewesen, etwas an der Reihenfolge zu ändern, denn aufgrund unserer Berechnungen lag Lewis noch vorne. Wir mussten also beide Gas geben.»

«Mercedes hat in der Folge etwas ganz Anderes getan und Lewis sehr lange auf der Bahn gelassen. Ihre Denke war wohl, dass Charles und ich im Verkehr hängenbleiben würden. Ich meinerseits wollte ein Zeichen setzen und ging sehr entschlossen vor, ich hoffte, dass ich mich ein wenig freischwimmen kann. Das hat gut geklappt, ich hoffte auf fünf, sechs Sekunden Vorsprung, aber dann kam das Safety-Car und damit war der Vorsprung weg. Zum Glück hat letztlich alles geklappt.»

Sebastian Vettel musste sich in den vergangenen Monaten viel Kritik anhören. Umso tröstlicher fand der Heppenheimer, wie ihm die Fans zur Seite geeilt sind. «Wenn du wenig Unterstützung bekommst, dann ist es umso schöner, wenn dir die Fans Mut zusprechen. Das hat mich sehr überrascht. Ich habe zwar nicht an mir gezweifelt, es ist ja nicht das erste Mal, dass ich in der Kritik stand, und es war wohl auch nicht das letzte Mal. Ich habe an mich selber den Anspruch, eine Top-Leistung zu bringen. Und wenn ich das nicht schaffe, dann ist es nur gut und recht, wenn kritisiert werde.»

Hat Vettel Verständnis dafür, dass Charles Leclerc mit den Rennausgang unglücklich war. Vettel meint: «Vielleicht war ich in Monza auch nicht ganz zufrieden.» (Als der Monegasse in der Quali Vettel den geplanten Windschatten verweigerte.) «Aber wenn ich den Befehl bekomme, an die Box zu fahren, dann hinterfrage ich das nicht. Wir mussten gegen Mercedes etwas unternehmen.»

«Gerade hier in Singapur zu gewinnen, das freut mich, weil es eines der schwierigsten Rennen des Jahres ist. Ich konnte mir die Kräfte gut einteilen, auch weil der erste Teil des Grand Prix eher gemächlich verlief. Neu ist das nicht, das haben wir hier schon ein paar Mal erlebt. Mit dem Reifenwechsel hat dann das Rennen gewissermassen richtig begonnen. Ich wusste: Die paar Runden müssen entscheiden, und die konnte ich abliefern. Dann war es wichtig, bis zum Schluss des Grand Prix aufmerksam zu bleiben.»

«An einem gewissen Punkt begann ich, die Runden herunter zu zählen, aber dann sagte ich mir – tu das nicht, bleib konzentriert! Es ist so einfach, hier einen kleinen Fehler zu machen, der grosse Auswirkungen hat.»

Bei aller Freude bleibt Vettel auf dem Teppich: «In diesem Jahr wird es schwierig, Mercedes noch vom Thron zu schubsen. Dennoch werden wir alles tun, um am Ball zu bleiben. Denn alles, was wir mit diesem Auto noch lernen, das hilft uns auch nächstes Jahr, weil das Reglement stabil bleibt. Daher auch ein grosser Dank ans Team. Ich hätte nicht erwartet, dass wir hier so konkurrenzfähig sein würden.»

«Aber leicht hätte alles ganz anders kommen können. Lewis Hamilton konnte auf den gebrauchten Reifen sehr flotte Runden fahren. Und wenn sie das strategisch anders angegangen wären, dann hätte es heute leicht einen anderen Sieger geben können.»

«Dieser Sieg ist ein schöner Erfolg, und ich bin sehr glücklich. Ich weiss aber auch, was ich besser machen kann und muss. Und daran werde ich arbeiten.»

Kleine Randnotiz: Erstmals seit elf Jahren konnte Ferrari nun drei Mal in Serie gewinnen, damals triumphierten die Italiener von Malaysia bis Istanbul, mit sogar vier Siegen für Kimi Räikkönen in Sepang, Felipe Massa in Bahrain, Kimi in Spanien und Massa in der Türkei.


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