Schwerer Vorwurf an Renault in Japan: Auto illegal?

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Dieser Vorwurf ist so gewaltig, dass der Autoverband FIA nicht in Suzuka, sondern in aller Ruhe in der kommenden Woche urteilen will: Racing Point wirft Renault vor, mit einem illegalen Auto zu fahren!

Im Formel-1-Mittelfeld wird mit harten Bandagen gekämpft und nicht nur auf der Strecke: Der Rennstall Racing Point (vormals Force India) hat beim Autoverband FIA die Legalität des Formel-1-Renault in Frage gestellt und einen Protest deponiert. Racing Point wirft den Franzosen vor, gegen das Technik- und Sportgesetz verstossen zu haben. Es geht um die angebliche Verwendung einer voreingestellten Bremskraftverteilung. Der Vorwurf bedeutet nichts weniger, als dass die Franzosen ein illegales Auto einsetzen würden. Der Fall wird vom Autoverband FIA als so gravierend eingestuft, dass darüber nach ersten Anhörungen nicht am Sonntagabend in Japan geurteilt wurde, sondern die Angelegenheit in der kommenden Woche in aller Ruhe und Gründlichkeit untersucht wird.

Nachdem Racing Point gegen die Renault von Daniel Ricciardo (6.) und Nico Hülkenberg (10.) protestiert hatte, wurden Vertreter beider Rennställe zu den Rennkommissaren gebeten. Gerd Ennser (Deutschland), Dennis Dean (USA), Tom Kristensen (Dänemark) und Yasuhiro Yodono (Japan) hörten sich ab 18.30 Uhr Lokalzeit Aussagen der Team-Vertreter an.

Die Rennkommissare teilten daraufhin mit: «Der Protest erfüllt alle Anforderungen gemäss Artikel 13 des Sportkodex und wird daher zugelassen. Die FIA-Techniker sind angewiesen worden, elektronische Steuereinheiten sowie die Lenkräder der Fahrzeuge 3 (Ricciardo) und 27 (Hülkenberg) zu beschlagnahmen und zu versiegeln, um diese Teile gründlich zu erforschen. Die Untersuchung wird sich nicht nur auf die Hardware beschränken, auch Software und Daten werden unter die Lupe genommen. Sodann werden die technischen Delegierten der FIA einen detaillierten Bericht verfassen, mit einer Einschätzung, ob es sich hier potenziell um einen Regelverstoss handelt. Sein Bericht wird dem Chef-Rennkommissar vorgelegt.»

Renault teilt zu den Vorgängen mit: «Wir haben den Protest von Racing Point in Sachen Bremskraftverteilung zur Kenntnis genommen. Aufgrund der Komplexität des zwölfseitigen Dossiers, das Racing Point dazu vorbereitet hatte, wird die Angelegenheit später vertieft. Renault wird die Zeit bis dahin nutzen, eine ebenso umfangreiche Verteidigung vorzubereiten.»

Die FIA wollte nicht im Detail darauf eingehen, wie dieses Dossier von Racing Point aussieht. In Artikel 11.1.3 des technischen Reglements ist zu lesen, dass «jedes automatisierte System verboten ist, welches Konfiguration und Leistungsfähigkeit des Bremssystems verändert». Betroffen ist hier auch Artikel 27.1 aus dem Sportgesetz, wonach «der Fahrer ohne fremde Hilfe sein Auto bewegen muss».

Anders gesagt: Bremskraftverteilung, ja gerne, aber sie muss vom Piloten selber justiert werden. Ein System, welches die Verteilung selber einstellt, indem GPS-Daten gemessen werden, um den Zeitpunkt der Einstellung zu definieren und die Bremse selbstständig nachzuregeln, das hingegen wäre nicht gestattet.

Für Renault gilt die Unschuldsvermutung.

Bis zu einem Urteil bleibt das Rennergebnis von Suzuka provisorisch. Beim Kampf im Mittelfeld hinter dem alten und neuen Weltmeister Mercedes-Benz (612 Punkte), Ferrari (433) und Red Bull Racing-Honda (323) hat derzeit McLaren die Nase vorn, die Engländer liegen dank des fünften Platzes von Carlos Sainz in Suzuka auf dem vierten Zwischenrang (111). Es wird für Renault immer schwieriger, diesen vor der Saison anvisierten Platz zu erringen, die Franzosen stehen bei 77 Zählern, gefolgt von Toro Rosso (59) und Racing Point (54).

Würde Renault nur die Punkte von Japan verlieren, sähe es so aus: Renault 68, Toro Rosso 62 und Racing Point 58.

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