Charles und Arthur Leclerc: Die nächsten GP-Brüder?

Von Mathias Brunner
Formel 1
​So wie Charles Leclerc 2015 ist nun auch sein Bruder Arthur Mitglied der Fahrer-Akademie geworden. Werden die beiden Monegassen zu den nächsten Brüdern, die gleichzeitig Grands Prix fahren?

Unser Leser Erich Dettholm aus Kassel hat den Bericht über Charles Leclerc gelesen. Dazu ist ihm eine Frage eingefallen: «Ich frage mich, ob er und der jüngere Arthur die nächsten GP-Brüder werden. Dabei würde mich interessieren, wie viele Brüder wir überhaupt in der Formel 1 hatten.»

Tatsächlich wurde der 19jährige Arthur Leclerc im Januar 2020 ins Nachwuchsprogramm von Ferrari aufgenommen, in die so genannte Fahrer-Akademie. Fünf Jahre zuvor war dies seinem drei Jahre älteren Bruder Charles gelungen.

«Wir messen uns immer, wer der Beste ist», sagt Arthur über
Charles. Der ältere Leclerc sollte 2020 in seine dritte volle GP-Saison gehen, als Sieger der 2019er Rennen in Spa-Francorchamps und Monza. Charles wurde im vergangenen Jahr in seiner ersten Saison als Ferrari-Fahrer WM-Vierter, einen Rang vor dem vierfachen Weltmeister Sebastian Vetztel.

Arthur hingegen steht noch ganz am Anfang. Er bestritt 2018 seine erste Formelsport-Meisterschaft, in der französischen Formel 4, und zeigte von Anfang an, was in ihm steckte: Gleich sein zweites Rennen in Nogaro krönte er mit dem Sieg, dieses Kunststück wiederholte der Teenager später in Magny-Cours. Mit diesen zwei Siegen und insgesamt acht Podesträngen wurde er am Ende Meisterschafts-Fünfter.

2019 absolvierte er mit dem Meisterteam US Racing CHRS ein Jahr in der deutschen Formel 4, holte dort einen Sieg (Hockenheim) und sieben weitere Podestplätze. Am Ende belegte er den dritten Gesamtrang hinter dem Franzosen Theo Pourchaire und dem Red-Bull-Junioren Dennis Hauger aus Norwegen.

2020 sollte Arthur in der Formula Regional antreten, als Stallgefährte des Brasilianers Gianluca Petecof für Prema, auch Petocof ist Ferrari-Zögling. 

Arthur über seine Aussichten: «Es ist ein langer Weg, ein guter Fahrer zu werden, dessen bin ich mir bewusst. Es ist viel harte Arbeit. Ich sehe ja, wie Charles unermüdlich arbeitet und immer versucht, sich zu verbessern.»

Ob die beiden eines Tages im gleichen Formel-1-Feld antreten, das weiss niemand. Dafür wissen wir, welche Brüder wir im GP-Sport schon erlebt haben.

Niemand hatte im GP-Sport so viele Erfolg wie Michael und Ralf Schumacher. Blut ist dicker als Wasser, aber bei der Rivalität auf der Rennbahn hatte das schnell ein Ende: Das haben wir bei einigen Duellen auf der Piste erlebt, die nicht selten anschliessend zu hitzigen Diskussionen führten, ganz besonders dann, wenn Latino-Blut hinzukam wie bei Ricardo und Pedro Rodríguez. Auch Michael Schumacher war bekannt dafür, dass er seinen kleinen Bruder Ralf nicht höflich vorbeiwinkt.

Im Rahmen der Formel-1-WM sind mehr Brüder angetreten als die meisten Fans wissen, meist waren ihre Rollen klar verteilt – Jimmy Stewart hatte einige Unfälle und hörte auf, bevor der Aufstieg seines jüngeren Bruders Jackie begann.

Jacques Villeneuve senior (Onkel des späteren Formel-1-Champions gleichen Namens) stand immer im Schatten seines Bruders Gilles.

Ian Scheckter konnte international nicht an die Leistungen seines Bruders Jody herankommen, ebenso wenig wie Wilson Fittipaldi an die Erfolge von Emerson.

Hier die Formel-1-Brüder in der Übersicht:

David und Gary Brabham
Tino und Vittorio Brambilla
Corrado und Teo Fabi
Emerson und Wilson Fittipaldi
Pedro und Ricardo Rodríguez
Ian und Jody Scheckter
Michael und Ralf Schumacher
Jackie und Jimmy Stewart
Gilles und Jacques Villeneuve
Graham und Peter Whitehead
Joachim und Manfred Winkelhock

Fünf Bruderpaare gingen gemeinsam an den Start. Ralf und Michael Schumacher von 1997 bis 2006 sogar 157 Mal, Emerson und Wilson Fittipaldi von 1972 bis 1975 immerhin 35 Mal. Ian und Jody Scheckter von 1974 bis 1977 18 Mal, Graham und Peter Whitehead in England 1952 lediglich ein Mal.

Nur die Brüder Schumacher und Fittipaldi schafften es, im gleichen Rennen zu punkten: Die Deutschen bei stattlichen 66 Rennen, die Brasilianer zwei Mal (in Argentinien und Deutschland 1973).

Nur die Schumi-Brüder standen gemeinsam auf dem Podest: 16 Mal. Erstmals in Monza 1998, letztmals in Ungarn 2005. Fünf Mal war es ein Doppelsieg, hier steht es 4:1 für Michael.

Michael und Ralf Schumacher sind auch die einzigen Formel-1-Brüder, die gemeinsam aus der ersten Startreihe ins Rennen gingen (acht Mal).

Eine witzige Fussnote: Kurioserweise gab es in der Formel-1-WM in den 50er und 60er Jahren gleich fünf Piloten des Namens Taylor – Michael Taylor (2017 verstorben), Henry Taylor (2013 verstorben), John Taylor (1966 tödlich verunglückt), Dennis Taylor sowie Trevor Taylor, der Erfolgreichste unter den Vieren, als WM-Zehnter 1962, er ist 2010 verstorben. Zum britischen Grand-Prix-Wochenende 1959 traten gleich vier Taylor an: Dennis, Michael, Henry und Trevor. Aber Dennis und Trevor stolperten über die Qualifikation. Dennis Taylor kam 1962 in Monaco bei einem Formel-Junior-Rennen ums Leben. Keiner der Taylor war mit einem anderen verwandt.

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