Mattia Binotto: Ferrari nicht im IndyCar-Sport

Von Mathias Brunner
Formel 1
​Im Frühling 2020 bestätigte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto, dass ein IndyCar-Programm geprüft werde. IndyCar-Chef Roger Penske bestätigte Verhandlungen. Aber diese Pläne sind nun in der Schublade verschwunden.

Diese Aussage versetzte im Mai 2020 die italienischen Medien in helle Aufregung: Teamchef Mattia Binotto bestätigte, dass ein Engagement im IndyCar-Sport geprüft werde. «Ja, wir schauen uns das gegenwärtig an.»

Hintergrund: der Kostendeckel der Formel 1. Die Budgetobergrenze wird 2021 bei 145 Millionen Dollar pro Jahr liegen, mit Senkung auf 140 Millionen im Jahr 2022 und auf 135 im Jahr darauf. Binotto: «Diese Grenze kann nicht erreicht werden, ohne erhebliche Opfer zu erbringen, vor allem beim Personal. Wir kommen in eine Position, an welcher wir uns überlegen müssen, ob wir unsere Renn-DNA nicht auch in anderen Serien einbringen sollen.»

Schnell kursierte: Diese andere Serie könnte der IndyCar-Sport sein. Mattia Binotto damals in der italienischen Sky: «Wir tragen für unsere Angestellten die Verantwortung, und wir wollen sicherstellen, dass jeder von ihnen auch künftig einen Arbeitsplatz hat. Aus diesem Grund haben wir begonnen, andere Rennprogramme unter die Lupe zu nehmen. Wir schauen uns IndyCar gegenwärtig an. Auch der Langstreckensport ist ein Thema.»

IndyCar-Serienbesitzer Roger Penske meinte dazu: «Natürlich versuchen wir, weitere Hersteller in den IndyCar-Sport zu bringen. Wir reden mit Ferrari. Wir werden 2022 ein neues Motorreglement erhalten, und es wäre eine enorme Bereicherung, wenn wir einen dritten Hersteller begrüssen könnten.»

Aber dieser Hersteller wird nicht Ferrari heissen, denn inzwischen sagt Mattia Binotto: «Nach unseren Gesprächen kamen wir zum Schluss, dass wir so bald nicht in den IndyCar-Sport einsteigen. Mittel- und langfristig wäre das vielleicht möglich. Aber heute wollen wir unsere Investitionen auf das Formel-1-Engagement konzentrieren.»

Mitte der 80er Jahre ging es in der Formel 1 um ein neues Motorreglement und darum, dass Ferrari nach Ablauf der ersten Turbo-Ära wieder Zwölfzylindermotoren einsetzen kann. Als Zeichen dafür, dass es ihm durchaus ernst war, liess Enzo Ferrari den IndyCar-Ferrari 637 bauen. Um mehr über CART-Renner zu erfahren, reiste Truesports-Star Bobby Rahal samt eines March 85C-Cosworth nach Italien, wo der Amerikaner in Fiorano auf die Bahn ging. Auch Ferrari-Pilot Michele Alboreto bewegte den March.

Der elegante Ferrari 637 aus der Feder von Gustav Brunner wurde sogar der Presse vorgestellt, aber es kam nie zu einem Renneinsatz. Inzwischen hatten sich die Wogen mit den Formel-1-Regelhütern geglättet, zudem sprach sich der neue Ferrari-Technikchef John Barnard gegen ein Indy-Programm aus.

Ganz umsonst war das Projekt nicht: Der Ferrari-Indy-Motor vom Typ 034 wurde weiterentwickelt und erhielt später die Aufschrift Alfa-Romeo – Alfa engagierte sich von 1989 bis 1991 mit einem March-Chassis im CART-Sport, hatte aber wenig Erfolg. 1991 wurde Danny Sullivan beim Meisterschaftsauftakt in Surfers Paradise (Australien) Vierter und am Ende Gesamtelfter.

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