In letzter Minute

Von Vanessa Georgoulas
Formel 1
Paddy Lowe (r.) mit McLaren-CEO Ron Dennis

Paddy Lowe (r.) mit McLaren-CEO Ron Dennis

Paddy Lowe, Technischer Direktor des McLaren-Teams, blickt auf die ersten drei Grands Prix der Saison zurück.

Dass man in der Formel 1 auch als Titel- und Würdenträger nicht vor alltäglichen Tücken verschont bleibt, beweist die jüngste Kolumne von Paddy Lowe, seines Zeichens Technischer Direktor des britischen Vorzeige-Rennstalls McLaren.

«Um möglichst viel Zeit mit den Ingenieuren im Werk verbringen zu können reise ich so spät wie möglich zu den Formel-1-Rennen. Am Flughafen treffe ich meist jemanden von Red Bull Racing, der den gleichen Flug gebucht hat. Bei der Landung läuft dann ein stillschweigender Wettbewerb, wer die am meisten neue Teile, die in letzter Minute fertig gestellt wurden, mit an Bord hatte», verrät der Brite auf der Team-Webpage.

«Zum Grossen Preis von China reiste ich mit acht zusätzlichen Kisten an – alle randvoll mit Karbon-Teilen, die in der Teambox schon sehnsüchtig erwartet wurden. Dazu muss man vielleicht bemerken, dass es sich keineswegs um kleine Kisten handelt, die Grösste, die wir im Passagier-Flugzeug mitführen, ist die Kiste für den Frontflügel. Sie ist zwei Meter lang und ein ständiges Ärgernis, denn sie passt durch keine Tür am Flughafen. Bei jedem Durchgang muss ich sie vom Gepäckwagen hieven und seitlich durch die Tür bugsieren», beschwert sich der 49-Jährige weiter, und erinnert sich: «Mein persönlicher Rekord liegt bei 19 Kisten – das war 2007 –ich glaube, das ist auch der Team-Rekord. Das zeigt, wie ein Formel-1-Team funktioniert: Jedes Individuum, ungeachtet von Rang und Status, muss bereit sein, buchstäblich viel Last für das Wohl des Teams auf sich zu nehmen.»

Wie wichtig das perfekte Zusammenspiel der McLaren-Truppe ist, zeigte sich jüngst gleich zwei Mal. «Die Wintertests im Februar und März waren in Bezug auf die Zuverlässigkeit des Autos etwas vom Mühsamsten, das ich in den letzten 20 Jahren erlebt habe. Es waren anstrengende Wochen für jeden in Woking und Brixworth», gesteht Lowe. «Eigentlich hatten wir nicht viele Baustellen, aber wir erlebten ein ganzes Spektrum an Defekten mit unserem neuen Auspuff-System. Jeden Tag kamen wir an die Strecke, überzeugt davon, die Probleme vom Vortag in den Griff bekommen zu haben, nur um dann neue lösen zu müssen. Das waren schwierige Tage für das ganze Team.»

Schliesslich sahen die Briten ein, dass sie ihr Auspuff-System überarbeiten mussten: «Wir haben uns entschieden, es aufs erste Rennen in Australien hin neu zu entwerfen. Tatsächlich war das erste freie Training dann auch die Streckenpremiere für die neue Konfiguration. Gleichzeitig war das auch der erste Tag, an dem wir richtig viele Kilometer fahren konnten.»

Doch nicht nur der Saisonauftakt, auch das vergangene Rennwochenende in China lieferte ein gutes Beispiel für die perfekte Zusammenarbeit der McLaren-Leute. «Mit vereinten Kräften schafften wir es, Lewis’ Dienstwagen in letzter Minute an den Start zu rollen. Das war das Ergebnis unglaublich guter Zusammenarbeit: 20 Männer, alle über Funk miteinander verbunden, arbeiteten gleichzeitig am Auto», erklärt Lowe, und gerät ins Schwärmen: «In solchen Augenblicken gibt es keine Diskussionen, wer was zu machen hat. Nur wenige Anweisungen sind nötig, jeder weiss, was er zu tun hat. Das hat sich auf Makro-Ebene ein paar Wochen vor dem Australien-GP gezeigt, und auf Mikro-Ebene kurz vor dem China-GP.»

«Beim Saisonstart schafften wir das Unmögliche in zehn Tagen, in China sogar in sechs Minuten. In beiden Fällen gelang es dem Team, die Kräfte zu bündeln, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Ich werde heute noch ganz emotional, wenn ich daran zurückdenke.»

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