Lewis Hamilton: Eifersüchtig auf Sebastian Vettel?

Von Mathias Brunner
Formel 1
Lewis Hamilton und Sebastian Vettel

Lewis Hamilton und Sebastian Vettel

Der englische Weltmeister von 2008 gibt Rätsel auf – ganz besonders den Fachleuten in seiner Heimat.

Das war ein klassischer Waagrechtstart: Am ersten Testtag in Jerez kam Mercedes-Neuling Lewis Hamilton eben mal etwas mehr als ein Dutzend Runden weit, dann stand sein Silberpfeil im Kies – Bremsdefekt.

Der 28-Jährige stösst mit einer beneidenswerten Bilanz zu Mercedes: Innerhalb von 110 Grands Prix in Diensten von McLaren hat Hamilton 26 Mal die Pole-Position errungen (also fast jedes vierte Mal), 49 Mal auf dem Siegerpodest gestanden (bei fast jedem zweiten Rennen), 21 Mal gewonnen (fast jedes fünfte Mal), 12 beste Rennrunden gedreht und an die 1000 WM-Punkte erobert.

Höhepunkt seiner sechs Jahre in Chrom war der Formel-1-WM-Titel 2008, errungen im hochdramatischen Finale von Interlagos gegen Felipe Massa, mit der Entscheidung nicht etwa Runden, sondern nur wenige Kurven vor Schluss!

Genau dieser Erfolg für McLaren hat den Wechsel zu Mercedes für zahlreiche Insider schwer nachvollziehbar gemacht.

Tony Dodgins ist ein solcher Insider: Seit mehr als 30 Jahrem im Geschäft, intimer Kenner des Hauses McLaren.

Tony ist der Meinung: «Wer die tolle Bilanz von McLaren gegen jene von Mercedes abwägt, muss zum Schluss kommen – es waren keine sportlichen Gründe, die Hamilton in die Arme der Silbernen getrieben haben. Selbst wenn ganz offensichtlich bei Mercedes zahlreiche Weichen zu einer erfolgreicheren Zukunft gestellt worden sind. Nein, ich glaube, Lewis wird da stark von seinem Management getrieben. Er wird ja von  Simon Fuller betreut, einem Manager, der eigentlich aus der TV- und Musikbranche stammt. Von ihm stammt das «Idol»-Format, das weltweit Erfolg hat. (In Deutschland bekannt als «Deutschland sucht den Superstar», DSDS. M.B.) Fuller expandierte schon in den 90er Jahren in die Sportwelt, 2009 übernahm er das Management von Tennis-Star Andy Murray, 2011 jenes von Hamilton. Fuller ist ganz offenbar ein höchst erfolgreicher Manager, aber als Racer würde ich ihn nicht bezeichnen. Ich bin nicht mal sicher, ob ihn der Sport interessiert. Wieviele Male haben Sie ihn bei einem Grand Prix gesehen? Nein, dieses Management ist extrem Geld-orientiert. So wurden für Murray einst die Ziele ausgegeben, der Schotte solle pro Jahr 100 Mio Dollar an Sponsoren bekommen und den Schweizer Roger Federer überflügeln. Von sportlichen Zielen war da wenig zu hören. Vor diesem Hintergrund glaube ich: Fuller hat Hamilton stark zu Mercedes geraten, aus dem simplen Grund, weil man dort mehr Geld verdienen kann als bei McLaren.»

Es gibt aber noch eine andere Komponente, die wichtig ist.

Tony weiter: «Lewis hat sich emanzipiert. Er ist als kleiner Junge zu McLaren gekommen, schon zu Kart-Zeiten. Natürlich war er da froh um Unterstützung. Im Laufe der Jahre jedoch hat er sich erlaubt, eine eigene Meinung zu haben. In England herrscht der Eindruck, dass es mit Ron Dennis, dem langjährigen Teamchef und heutigen Vorstand der McLaren-Gruppe, deshalb zum Bruch kam, weil sich Hamilton nicht mehr kontrollieren lassen wollte. Es ist eine Art Abnabelungs-Prozess.»

Und dann gibt es noch einen verblüffenden Aspekt.

Dodgins schmunzelt: «Wer Hamilton so reden hört und auch seine Körpersprache studiert, der könnte zum Schluss kommen – Lewis ist eifersüchtig auf Sebastian Vettel! Schau: als Hamilton 2007 in die Formel 1 kam, war er der neue grosse Star, er hat in seiner ersten Saison gleich Chancen auf den Titel gehabt, das hatte es sehr lange nicht mehr gegeben. 2008 wurde er Weltmeister, alles schien nach Plan zu laufen. Aber dann trat dieser Junge aus Deutschland auf den Plan und steht ihm seither vor der Sonne. Das ist für mich auch der Grund, wieso Hamilton heute ständig Fernando Alonso über den Klee lobt, was für ein hervorragender Fahrer das sei, und wieso er die Leistungen von Vettel eher herunterspielt und auf die Qualitäten der Autos von Red Bull Racing hinweist.»

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