Boxengasse-Unfall: Reaktion erst nach einem Toten?

Von Mathias Brunner
Formel 1
Martin Brundle und Christian Danner bei Zakspeed: Ohne Limit in der Boxengasse

Martin Brundle und Christian Danner bei Zakspeed: Ohne Limit in der Boxengasse

Sinnvoll und sinnlose Vorschläge für mehr Sicherheit in der Boxengasse: Ist der grüne Gedanke mehr wert als das Leben der Fachkräfte?

Der Unfall in der Boxengasse des Nürburgrings hat es einmal mehr verdeutlicht: die Formel 1 bleibt gefährlich. Als Konsequenz auf den niedergestreckten TV-Kameramann hat Christian Danner angeregt, dass es künftig ein Mindestlimit für Boxenhalte gibt, sagen wir vier oder fünf Sekunden. Die Logik dahinter: Wenn die Mechaniker unter weniger Zeitdruck arbeiten können, dann machen sie auch weniger Fehler. Das Tragen eines Helms, wie von einigen Teamchefs nach dem Rennen gefordert, dürfte wenig praktikabel sein für einen Kameramann. Sie nicht mehr zwischen den Autos herum marschieren zu lassen, ist hingegen gewiss ein guter Schritt. Nur: ein davonschiessendes Rad kann auch in Richtung Boxenmauer fliegen.

Danners früherer Zakspeed-Stallgefährte Martin Brundle vertieft: «Es ist so leicht, in der Boxengasse rasch auf die falsche Seite zu blicken oder wegen der Ohrstöpsel zu wenig zu hören. Es ist unvorstellbar, aber früher gab es in der Boxengasse kein Tempo-Limit, wir rauschten da mit 160 Sachen durch! Auch ich finde es gut, die Boxenhalte zu entschleunigen, aber wie soll das gemessen und von wem kontrolliert werden? Und vielleicht ist das Tragen von Helmen doch keine so schlechte Idee. Ich wurde unlängst in hohem Bogen aus der Boxengasse von Le Mans geworden, mit einer Bemerkung des Sicherheitsmannes «Das ist hier nichts für Touristen!» Das mag für einen früheren Le-Mans-Sieger ein wenig harsch sein, aber im Grunde hatte der Mann Recht. Die FIA täte gut daran, das Boxengasse-Prozedere unter die Lupe zu nehmen.»

FIA-Präsident Jean Todt will spätestens 2017 die Formel-1-Renner ausschliesslich mit elektrischem Antrieb durch die Boxengasse rollen lassen. Die Folge davon: Angesichts des Lärms draussen von der Strecke werden die Mechaniker ein solches Auto nicht mehr hören können. Das erzeugt im Formel-1-Fahrerlager nicht eben helle Begeisterung. Ein Teammanager stellt zur Diskussion: «Ist der grüne Gedanke mehr Wert als Menschenleben? Ich bin auch für den Einsatz neuer Technik, aber elektrischer Antrieb in der Boxengasse ist für mich gefährlich und vermittelt das falsche Bild sinnvoll eingesetzer grüner Energie.»

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