Sauber: Monisha Kaltenborn – Retterin, dann Opfer?

Von Rob La Salle
Formel 1
Monisha Kaltenborn und Peter Sauber

Monisha Kaltenborn und Peter Sauber

Ungeheuerlicher Verdacht in der Schweizer «SonntagsZeitung»: Muss Monisha Kaltenborn, die sich für den Deal mit den Russen so eingesetzt hatte, als CEO gehen?

Es ist kein Geheimnis, dass die weltoffene Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn eine der treibenden Kräfte hinter dem Deal mit den russischen Investoren gewesen ist. Am vergangenen Montag wurde aus Hinwil erleichtert vermeldet, dass drei russische Partner sich beteiligen werden, zwei Staatsfonds und das Nationale Institut für Technologie und Luftfahrt. Fragen, die bislang unbeantwortet bleiben: Wie knapp stand Sauber vor einem Kollaps und wie geht es personell weiter? Zahlen nennt der Rennstall prinzipiell keine, und in Sachen Management gehe es wie bisher weiter, hiess es. Gemäss der Schweizer «SonntagsZeitung» ist das nicht sicher.

Wie die «SonntagsZeitung» in ihrer heutigen Ausgabe berichtet, investieren die russischen Partner 380 Millionen Euro in den Rennstall. Damit könne Peter Sauber seine Schulden (angeblich im dreistelligen Millionenbetrag, bei Banken wie der Thurgauer Kantonalbank, der grössten Gläubigerin, aber auch beim ehemaligen Sponsor Credit Suisse) abtragen. Nach Angaben der Zeitung waren es eben jene Banken, die auf einen Abschluss mit den Russen gedrängt haben.

Unglaublich: Teil des Deals sei gemäss der «SonntagsZeitung», dass die Russen in der Geschäftsleitung Platz nehmen und Monisha Kaltenborn als CEO abgelöst werde! Ausgerechnet die österreichische Team-Chefin mit indischen Wurzeln, die sich für den Deal so stark gemacht hatte ...

Die «SonntagsZeitung» beschreibt die lange Verhandlungsgeschichte so: Mittelsmann des Deals sei der Ostschweizer Unternehmer Urs Peter Koller, der die Schweizer Generalunternehmung HRS aufgebaut und 25 Jahre lang geleitet hat, bis er Ende 2008 seine Aktienmehrheit verkaufte. Kurz darauf stieg er bei der Lions Air aus, zu der auch die Alpine Air Ambulance (AAA) gehört. Heute ist Koller im Immobilien- und Aviatikgeschäft tätig und sponsert die Nachwuchstennisspielerin Belinda Bencic.

2012 suchte Koller für eine österreichische Flugambulanz nach Partnern und kam so mit russischen Investoren in Kontakt, wodurch er auch Jurij Pinter, einen ehemaligen Berater des Autozulieferers Magna, kennenlernte. Pinter hatte nach eigenen Aussagen ein Konzept erstellt, wie sein Land zu einer Grösse in der Formel 1 werden könnte. Im Januar 2013 sprach Koller zum ersten Mal mit Peter Sauber, der verhalten reagiert haben soll.

Monisha Kaltenborn war offener. «Sie hat sich gegen alle internen Widerstände für die russische Lösung starkgemacht», wird Urs Peter Koller zitiert. Eigentlich hätte der Deal dann im März über die Bühne gehen sollen, aber die russische Regierung verschärfte die Bedingungen für Kapitaltransfers ins Ausland (basierend auf dem bekannt gewordenen Geldabfluss aus Russland Richtung Zypern). Nur wenn Russland profitierte, dürfte Geld künftig das Land verlassen. Der Mai verlief in Sachen Verhandlungen wenig fruchtbare wegen russischer Feiertage.

«Bis unsere Ansprechpartner in Moskau wieder greifbar waren, vergingen fast drei Wochen», sagt Koller, und Ende Juni reiste Peter Sauber persönlich nach Moskau, um die letzten offenen Fragen zu klären. Auf Druck der Banken sei dann der Deal mit den Russen eingegangen worden.

Bis das grosse Geld in die leeren Kassen nach Hinwil kommt, muss Peter Sauber vielleicht bis Ende August warten. «Bei so grossen Organisationen mahlen die Mühlen langsam», weiss Pinter. Auf Intervention höchster Stellen kann das aber auch markant schneller gehen.

Ein Deal nur unter höchstem Druck von Banken? Ein Deal, der Frau Kaltenborn den Posten des CEO kostet? Ist das die Wahrheit?

Seitens Sauber wird betont, dass «Verhandlungen, Gespräche oder mögliche Strategien grundsätzlich nicht in der Öffentlichkeit kommentiert werden». Zur Schuldenlast oder zu internen Abläufen in Bezug auf die russischen Partner werden die Behauptungen der «SonntagsZeitung» als «falsch und rufschädigend» bezeichnet.

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