Sauber und die Russen: Kann der Deal noch scheitern?

Von Mathias Brunner
Formel 1
Eine Nation atmet auf und 600 Direktbetroffene ganz besonders: Geld aus Russland rettet das Sauber-Team. Wir suchen Antworten auf die heissesten acht noch offenen Fragen.

Am vergangenen Montag war es so weit: Aus Hinwil wurde erleichtert vermeldet, dass drei Partner gefunden sind – der russische «Investment Cooperation International Fonds», der staatliche «Fonds zur Entwicklung der Nord-Westlichen Russischen Föderation» und das «Nationale Institut für Luftfahrt und Technologie» (NIAT). Es gibt jedoch noch viele Fragen um die Rettung des Schweizer Nationalrennstalls.

Auf der Strasse, auf Leserbrief-Seiten und in Internet-Foren ist oft zu hören: Wieso musste die Rettung aus Russland kommen? Gibt es keine Schweizer Firma von entsprechender finanzieller Kraft?

Firmengründer Peter Sauber hat immer wieder betont, wie schwierig es ist, in der Heimat Partner zu finden. Versucht wurde es trotzdem immer wieder, jahrelang, und ganz besonders in den vergangenen Monaten. Zu den Kontaktierten gehören Michael Pieper, CEO und Inhaber der auf Küchentechnik spezialisierten Franke-Gruppe, Andy Rihs (Gründer der Gehörgeräte-Firma Phonak) oder Philipp Gaydoul (Erbe der Lebensmittel-Detailhandelskette Denner, Besitzer der Schuhmarke Navyboot, die jahrelang Michael Schumacher unterstützten). Die Antwort ist in der Regel bei den meisten Schweizer Firmen aus zwei Gründen negativ: viele schrecken vor den hohen Beträgen zurück, bei anderen passt die Formel 1 einfach nicht ins Marketing-Konzept.

Wie konnte der Sauber-Rennstall überhaupt in finanzielle Schräglage geraten?

Sauber äussert sich grundsätzlich nicht über finanzielle Hintergründe. Der Formel-1-Rennstall lebt jedoch vorrangig von drei Einnahmequellen: Erlös aus der Nutzung des Windkanals, Anteil am TV-Rechte-Erlös sowie am Preisgeld der Firma «Formula One Management» (FOM) sowie Sponsoren-Einnahmen. Der Windkanal ist gut ausgelastet, dieser Geldfluss stimmt. Die Gelder der FOM treffen ebenfalls immer pünktlich ein. Das kann nur zu einem Schluss führen: In Sachen Sponsoren ist das Ziel nicht erreicht worden (im Falle Sauber sprechen wir von rund 40 Mio Euro) – weder bei der Suche nach neuen Geldgebern noch bei der Erfüllung bestehender Verträge.

Wie hoch ist die Schuldenlast?

Noch einmal: Sauber äussert sich grundsätzlich nicht über finanzielle Hintergründe. Nach Recherchen der «Schweiz am Sonntag» beträgt die Schuld auf Ende 2012 rund 80 Mio Euro.

Wer genau stellte die Weichen zum Russen-Deal?

Der Ostschweizer Unternehmer Urs Peter Koller, ein gelernter Architekt. Er baute die Firma «HRS Real Estate» auf, an welcher er 2008 die Mehrheit verkaufte. HRS steht beispielsweise hinter dem FIFA-Hauptsitz in Zürich oder der AFG-Arena von St. Gallen. Koller führte seit 1986 auch die Remi Finanz- und Verwaltungs AG (Solar-Energie, Diamantengeschäft, Hotellerie, Aviatik, Baugewerbe). Die Remi AG wiederum ist mit einem Anteil von 25 Prozent an der Refca-Gruppe beteiligt, der «Russian-European Finance & Consulting Agency» (Sitz in Maribor/Slowenien). Haupt-Aktionär der Refca ist einer der drei Investoren bei Sauber – der staatliche Fonds für Entwicklung der Nord-Westlichen Russischen Föderation!

2012 suchte Koller für eine österreichische Flugambulanz nach Partnern und kam so mit russischen Investoren in Kontakt, wodurch er auch Jurij Pinter, einen ehemaligen Berater des Autozulieferers Magna, kennenlernte. Pinter hatte nach eigenen Aussagen im Auftrag von Moskau ein Konzept erstellt, wie sein Land zu einer Grösse in der Formel 1 werden könnte. Im Januar 2013 sprach Koller zum ersten Mal mit Peter Sauber.

Wieviel Geld ist der Deal mit den Russen wert?

Angeblich 380 Mio Euro.

Die drei Investoren haben angekündigt, erst später Details zum Abkommen verlauten zu lassen. Bedeutet dies, dass der Deal noch platzen kann?

Sauber-Teamchefin und -Teilhaberin Monisha Kaltenborn hat wiederholt betont, wie gründlich man die finanzielle Basis der Zusammenarbeit geprüft habe. Ein Sprecher des Staatsfonds ICIF hat erklärt, es gehe nur noch um die Ausformulierung von Details, platzen könne der Deal nicht mehr. Diese Detailfragen sind bis Ende Juli geklärt.

Fährt der junge Sergey Sirotkin 2014 tatsächlich für Sauber?

Das ist der Wunsch der russischen Partner. Aber bis dahin ist noch ein weiter Weg. Sirotkin wird am 25. August 18 Jahre alt. Sollte er im März darauf beim WM-Beginn in Melbourne (Australien) am Start stehen, würde der Moskauer zum jüngsten Formel-1-Piloten (das ist derzeit der Spanier Jaime Alguersuari, mit 19 Jahren und 125 Tagen, beim Ungarn-GP 2009). Wegbegleiter des jungen Sirotkin glauben: die Formel 1 kommt für den zweifellos talentierten Teenager zu früh (siehe Links unten). Plan B von Sauber: In einem der beiden Wagen sitzt ein anderer Russe. Aufgrund seiner Erfahrung müsste das Vitaly Petrov sein. Gleichzeitig würde Sirotkin als Freitags-Testfahrer eingesetzt, bis zum ersten Russland-GP in Sotschi möglicherweise als Stammfahrer.

Welche russischen Firmen werden auf dem Wagen zu sehen sein?

Angestrebt wird eine Zusammenarbeit mit dem Unternehmens-Riesen Rostec (siehe Link unten).

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