Alonso, Vettel, Sirotkin: Jugendwahn in der Formel 1?

Von Joe Saward
Formel 1
Sergey Sirotkin vor seiner Demofahrt in Sotschi

Sergey Sirotkin vor seiner Demofahrt in Sotschi

Sergey Sirotkin soll also im März 2014 mit 18 Jahren Formel 1 fahren. Das finden nicht alle gut. Leidet die Formel 1 an galoppierendem Jugendwahn? Antwort gibt die Historie.

Wenn Sergey Sirotkin den Formel-1-Fahrschein namens Superlizenz erhalten sollte, dann steht er im kommenden März in Melbourne am Start zum Melbourne-GP. Er würde damit den früheren Toro-Rosso-Fahrer Jaime Alguersuari ablösen, der Spanier war bei seinem Debüt in Ungarn 2009 19 Jahre und vier Monate alt. Werden die Formel-1-Piloten immer jünger? Und ist das vor dem Hintergrund der gewaltigen Anforderungen an einen Grand-Prix-Piloten eine gefährliche Entwicklung?

Alguersuari schlug 2009 den Rekord von Mike Thackwell. Der Neuseeländer nahm am Kanada-GP 1980 teil, musste jedoch den Tyrrell nach einem Startunfall an seinen Teamgefährten Jean-Pierre Jarier abgeben. Thackwell war 19 Jahre und sechs Monate alt, gut einen Monat jünger als Ricardo Rodriguez 1961 in Monza. Auch Fernando Alonso, Esteban Tuero und Chris Amon haben als 19-Jährige ihr Formel-1-Debüt gegeben. Daniil Kvyat wird im nächsten März mit Toro Rosso diesen exklusiven Klub bereichern.

Jugend muss nicht unbedingt bedeuten, dass der Einstand zu früh kommt. Chris Amon und Fernando Alonso wurden Weltklassepiloten (selbst wenn der unglückliche Amon nie einen Formel-1-WM-Lauf gewinnen konnte), Alonso eroberte zwei WM-Titel. Thackwell hatte nie gute Autos zur Verfügung, Rodgriguez starb zu früh, um sein Potential umzusetzen, nur Tuero wirkte aus dieser Gruppe wirklich überfordert.

Aber stimmt die Unterstellung, dass die Fahrer immer jünger werden? Blättern wir in Zehnjahresschritten zurück.

Vor zehn Jahren war der jüngste Pilot am Start ein gewisser Alonso. Er war damals 21. Der älteste Fahrer im Feld war der Franzose Olivier Panis, mit 36. Heute ist Esteban Gutiérrez der Jüngste (mit 21) und Mark Webber der Älteste (mit 36).

Der Unterschied der beiden Startfelder ergibt sich aus dem Schnitt: 27 Jahre und neun Monate 2003, jetzt knapp über 26 Jahre.

Wie war es vor 20 Jahren? Von jenen knapp zwei Dutzend Piloten, welche die meisten Grands Prix bestritten (insgesamt hatten wir in der WM 1993 35 Fahrer!), war der Jüngste Rubens Barrichello, mit – wer hätte das gedacht? – 21 Jahren, dazu hatten wir vier 38-Jährige. Der Schnitt lag knapp über 30 Jahre.

1983 war der Senior Jacques Laffite mit 39, der Jüngste war Corrado Fabi mit – so ein Zufall – 21 Jahren. Der Schnitt damals: 29 einhalb.

Fazit: Im Schnitt sind die Piloten jünger geworden, aber das Grundschema hat sich kaum verändert. Der Vorwurf des Jugendwahns ist ungerechtfertigt.

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