Ferrari: Erste sieglose Saison seit 21 Jahren?

Von Mathias Brunner
Formel 1
Jean Alesi 1993 in Monaco

Jean Alesi 1993 in Monaco

Das stolze Ferrari taucht trotz der Ausnahmekönner Fernando Alonso und Kimi Räikkönen in der Markenwertung nur auf Rang 4 auf. Mit etwas Pech geht es weiter nach hinten.

Ein Blick in die Zwischenwertung des Formel-1-Konstrukteurspokals sagt alles: Ferrari mit 116 Punkten auf dem vierten Rang, vor sich die stärkeren Mercedes (366), Red Bull Racing (188) und Williams (121), im Nacken die aufsässigen Briten von Force India (98) und McLaren (96). Beim zehnten WM-Lauf der Saison in Hockenheim haben wir keinen Grund zur Hoffnung erkannt, dass die stolze Marke mit dem Cavallino Rampante so bald auf die Siegerstrasse zurückkehrt.

Der letzte Sieg eines Ferrari geht auf Alonso in Spanien 2013 zurück, die letzte Pole-Position gar auf Hockenheim 2012, und so langsam müssen sich die treuen Tifosi mit dem Gedanken anfreunden, dass die Saison 2014 ohne einen Sieg abgeschlossen werden könnte, was Superstar Alonso bereits angekündigt hat – das wäre das erste Mal seit 1993! Damals mühten sich die Vollgastiere Gerhard Berger und Jean Alesi mit dem jämmerlichen Modell F93A ab.

Selbst der bärenstarke Alonso konnte mit dem Modell F14 T nur einmal aufs Podest gelangen (Dritte in China). Der Asturier lässt den Wagen besser aussehen als er ist, nur dank seines Talents liegt Ferrari noch auf dem vierten Zwischenrang.

Teamchef Marco Mattiacci hat seit seiner Berufung im April kein leichtes Leben: Der neue Technikchef James Allison kam zu spät zu Ferrari zurück, um aufs Design des F14 T Einfluss zu nehmen und muss nun damit leben, was der damalige Technikdirektor Pat Fry und Chefdesigner Nicolas Tombazis zu verantworten haben. Motorenchef Luca Marmorini wird aus den Sommerferien nicht nach Maranello zurückkehren (was die Italiener übrigens noch immer nicht bestätigt haben).

Der Wagen verwirrt mit unregelmässigem Handling seine Fahrer. Alonso kann damit besser leben als Ferrari-Rückkehrer Räikkönen. Der Wagen ist mit leerem und vollem Tank gleich schlecht. Er verschleisst mehr Reifen als die Rennwagen der Gegner: Wozu hat man eigentlich den früheren Bridgestone-Renndirektor Hirohide Hamashima geholt? Der Motor ist zu schwer, zu durstig, zu leistungsschwach.

Motorenchef Marmorini hat die 2015er Version des V6-Turbo aufgegleist, bevor er ging. Die Techniker für Chassis und Aerodynamik sind die gleichen wie zuvor. Ihre Entwicklungen für das laufende Jahr sind auch keine Volltreffer.

Intern ist die Saison 2014 längst abgehakt, aber viele Tifosi fürchten: Warum soll 2015 alles besser werden?

Marco Mattiacci stellt eifrig Weichen, auf dass alles besser werde, auch personell wird umgestellt und aufgestockt. Ferrari-Chef Luca Montezemolo glaubt fest an seinen früheren Ferrari-Nordamerika-Chef. Das Problem beider Spitzenmanager ist das Gleiche: die Änderungen greifen nicht von heute auf morgen.

Und Zeit ist in der Formel 1 der grösste Gegner.

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