Teamchef-Gipfel: Egoistische Ideen, wenig Verstand

Von Mathias Brunner
Formel 1
Der Ungarn-GP war ein prachtvolles Spektakel

Der Ungarn-GP war ein prachtvolles Spektakel

Am Donnerstag kommt es in London zum Gipfeltreffen einiger Formel-1-Teamchefs mit FIA-Vertretern sowie Serienpromoter Bernie Ecclestone. Viel Vernünftiges ist dabei nicht zu erwarten.

Erwarten Sie nicht zu viel vom Formel-1-Gipfel am kommenden Donnerstag in London: denn entlang des Hungarorings zeichnet sich ab, dass die Entscheidungsträger im Grand-Prix-Sport nicht Willens sind, über ihren Schatten zu springen. Auf dem Tisch liegen Vorschläge, die sich vor allem zu Gunsten des Ideenspenders positiv auswirken würden, nicht zum Wohle des Sports.

Am Tisch sitzen sollen alle Teamchefs der so genannten Arbeitsgruppe Popularität (also Marco Mattiacci von Ferrari, Toto Wolff von Mercedes, Christian Horner von Red Bull Racing, Force-India-Mitbesitzer Vijay Mallya hat bereits abgesagt), Formel-1-Regelspezialist Charlie Whiting, Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone, auch Ferrari-Präsident Luca Montezemolo will vorbeischauen, und wenn nicht, wird er Mattiacci entsprechend instruiert haben. Ob FIA-Chef Jean Todt zur Sitzung kommt, ist ungewiss.

Ein Gerücht hat sich vorab erledigt: dass man den früheren Renault-Teamchef Flavio Briatore an den Tisch holen wolle, um Vorschläge zur Erhöhung der Show-Effekte in der Formel 1 zu erhalten. «Mr. Formula One» Bernie Ecclestone war nach dem spektakulären Ungarn-GP so hingerissen vom Rennen, dass auch ihm klar ist – an der Show gibt es wenig auszusetzen.

Ecclestone wünscht sich eine Fahrer-betonte WM, keine Weltmeisterschaft der cleversten Techniker, aber mit seiner Idee, den Spritkonsum freizugeben, wird er bei der FIA auf taube Ohren stossen: Ein Drittel weniger Kraftstoff zu verbrauchen, ist elementarer Bestandteil der neuen Hybrid-Formel 1, darauf sind die neuen Antriebseinheiten auch ausgelegt, darauf sind die 2015er Fahrzeuge längst in Sachen Spritkapazität entworfen. FIA-Chef Todt wird da nicht mitmachen.

Aus Italien erfahren wird: Luca Montezemolo will sich für mehr Freiheiten bei der Entwicklung sowie für die Rückkehr des freien Testens einsetzen.

Für die Gegner kommt das wenig überraschend: Ferrari fährt hinterher, natürlich möchte man da seine beiden Testbahnen Fiorano und Mugello wie zu Schumachers Zeiten Tag und Nacht nutzen können. Ferrari hat finanziell die Mittel, um solche Tests sowie mehr Entwicklung am Motor leicht zu stemmen. Die Konkurrenz will davon nichts hören, FIA-Chef Jean Todt auch nicht – der Franzose will den Sparkurs bei den Motoren beibehalten. Die Vorgehensweise beim Entwickeln ist längst festgelegt (mehr dazu finden Sier HIER) – daran wird nicht zu rütteln sein.

Zahlreiche Teamchefs einschliesslich Ecclestone sind der Ansicht, dass die Regeln viel zu kompliziert sind und von den Fans nicht mehr nachvollzogen werden können. Bei der Art und Weise zur Vereinfachung gehen die Meinungen dann aber weit auseinander, von Einigkeit keine Spur.

Ein Kurswechsel hingegen wird von allen begrüsst: Schon auf dem Hockenheimring war den Piloten bei ihren Zweikämpfen eine längere Leine gelassen worden, diese Linie wurde beim Ungarn-GP konsequent weitergeführt. Ergebnis: packende Zweikämpfe im ganzen Feld, keine einzige kleinliche Strafe.

Immerhin etwas ist verstanden worden.

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