Mika Häkkinen: «Jules Bianchi – unglaubliches Pech»

Von Rob La Salle
Formel 1
Mika Häkkinen

Mika Häkkinen

Der zweifache Formel-1-Champion Mika Häkkinen (1998/1999) im Interview für den Logistikunternehmer Hermes über die beiden WM-Läufe in Japan und Russland.

Mika, welche Gedanken bewegten Sie angesichts des tragischen Unfalls von Jules Bianchi?

Das war ein mehr als bedauerlicher Unfall. Jules hatte unglaubliches Pech, dass das Bergungsfahrzeug gerade dort stand, wohin sein Wagen schlitterte. Die gesamte grosse Formel-1-Gemeinschaft ist davon emotional berührt. Man sollte aber auch bedenken, dass es bei Formel-1-Rennen schon seit mehr als 20 Jahren keine Todesfälle mehr gegeben hat. Das ist eine lange Zeit.

Sie verfügen über grosse Erfahrungen mit Rennen in Suzuka. Wie fährt es sich dort bei Regen?

Suzuka ist eine sehr schwierige Strecke. Auch bei trockenem Wetter ist die Wahl der Fahrlinien entscheidend, um einen ordentlichen Rhythmus zu finden. Wenn man in Suzuka in die Kurve hinein fährt, muss man alles richtig machen, sonst ist der Fahrfluss komplett verloren. Bei Regenwetter wie am Sonntag birgt das Fahren über die Innenrandbegrenzung hinaus seine eigenen Risiken in sich. Die Rennstrecke von Suzuka ist auch schon ziemlich alt. Da sind im Laufe der Zeit Unebenheiten entstanden, Neigungen haben sich verstärkt und an vielen Stellen sammelt sich Wasser.

Welche Umstände haben Ihrer Meinung nach bei dem Unfall von Bianchi eine Rolle gespielt?

Es wurde langsam dunkel und die Stärke des Regens änderte sich ständig. Für die Fahrer war es dann ziemlich schwierig einzuschätzen, wie sie unter solchen Umständen fahren sollten. Da das Rennen schon dem Ende zuging, waren einige Fahrer vielleicht auch schon recht erschöpft. An der Unfallstelle von Bianchi wurden doppelte gelbe Warnflaggen gezeigt. Wenn ein Fahrer eine solche gelbe Flagge sieht, dann weiss er, dass er aufpassen muss, weil dort vor ihm irgendwas passiert ist. Bei einer doppelten Warnflagge sollte man auf alles gefasst sein. Da kann ein Wagen mitten auf der Fahrbahn liegen geblieben sein. Dann muss man wirklich Tempo rausnehmen. Klar ist aber auch, dass, wenn ein Formel-1-Wagen mit hoher Geschwindigkeit in ein Aquaplaning gerät, der Fahrer praktisch nichts mehr machen kann.

Am Japan-Wochenende sorgte auch die Ankündigung von Sebastian Vettels Ausscheiden bei Red Bull für grosse Diskussionen. Verstehen Sie die Entscheidung von Vettel, den Rennstall zu wechseln?

Ich verstehe gut, dass er sich in dieser Phase neuen Herausforderungen stellen will. Vettel ist bei Red Bull Racing schon viermal Weltmeister geworden. Das ist ein wahnsinnig toller Erfolg.

Glauben Sie, dass Vettels Entscheidung auch von der Tatsache beeinflusst wurde, dass er in dieser Saison oft gegen seinen Teamkollegen Daniel Ricciardo verloren hat?

Das hat sicher auch eine Rolle gespielt. Ricciardo hat Vettel dieses Jahr wirklich mehrfach geschlagen. Das hat in Vettels Denken sicher verschiedene Theorien zu der Frage entstehen lassen, warum dies so gekommen ist. Ich bin neugierig, wie Vettels Karriere in der nächsten Saison und darüber hinaus weitergeht.

Von Suzuka ging es direkt weiter nach Russland. Wie fanden Sie die neue Strecke in Sotschi?

Mindestens aus der Sicht eines Rennfahrers machen die Bahn und das Umfeld von Sotschi einen sehr guten Gesamteindruck.

Dennoch war der Wettbewerb ziemlich langweilig. War das durch das Profil der Bahn bedingt?

Meiner Meinung nach lag das mehr an den Reifen als am Profil der Bahn. Nico Rosberg hat gezeigt, dass man mit einem Reifensatz das ganze Rennen hätte fahren können, wenn die Regeln das zugelassen hätten. Die Reifen hielten wirklich sehr gut, so dass für die Anwendung verschiedener Taktiken nicht so viel Raum wie sonst vorhanden war.

Hat Lewis Hamilton jetzt in der Weltmeisterschaft schon den entscheidenden Vorsprung gegenüber Nico Rosberg?

Ich sehe die Situation noch nicht als klar entschieden an. Man muss weiterhin bedenken, dass es im letzten Rennen um die doppelte Zahl von Punkten geht. Ein Vorsprung von 49 Punkten reicht dafür noch nicht unbedingt aus. Diesmal war es an Nico, für einen kleinen Fehler zu bezahlen. Der Bremsweg war jedoch auch nicht einfach einzuschätzen, wenn man mit hoher Kraftstofflast und auf der schmutzigeren Seite, wo der Grip deutlich schlechter ist, in die erste enge Kurve fährt. Das hat aber nicht dazu geführt, dass Lewis plötzlich einen Vorsprung gegenüber Nico bekommen hätte. Ich glaube, dass die Spannung in der Weltmeisterschaft bis zum letzten Rennen bestehen bleibt.

Wie wird sich Fernando Alonsos Abschied von Ferrari auf die Situation von Kimi Räikkönen auswirken?

Wenn ein Fahrer in einer Situation ist, wie es für Kimi in dieser Saison der Fall war, dann wird er nachdenken und analysieren, wie es dazu gekommen ist, dass es an Tempo mangelte. Das geht man ständig erneut durch. Meiner Meinung nach war das Ausscheiden Alonsos bei Ferrari aus Kimis Sicht weder positiv noch negativ. Für viele Fans war es bestimmt schwer mit anzusehen, wie Kimi gegenüber seinem Teamkollegen ständig verlor. Aber Kimis Probleme werden nicht dadurch gelöst, dass Alonso geht.

McLaren hat sich in Sotschi recht gut geschlagen. Glauben Sie, dass McLaren mit Honda schon im nächsten Jahr wieder zu einem Siegerrennstall werden kann? Wenn das japanische Unternehmen als Partner für die Motoren zurückkehrt ...

Unter der Führung von Ron Dennis hat die Entwicklungsarbeit von McLaren wieder die richtige Richtung eingeschlagen. Während meiner eigenen Formel-1-Karriere habe ich mit vielen Motorenherstellern zusammengearbeitet. Wir waren nach einem Wechsel der Motormarke jedoch nie gleich im ersten Jahr zufrieden. Aufgrund meiner eigenen Erfahrung würde ich das für ein kleines Wunder halten, wenn Honda gleich wieder an die Spitze gelangen würde, obwohl sie dort natürlich auch über sehr grosse Erfahrungen mit dem Motorsport verfügen.

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