Autos 2015: Wer kopiert Mercedes und Red Bull Racing?

Von Mathias Brunner
Formel 1

Wer nicht so erfolgreich ist, orientiert sich üblicherweise technisch an den Klassenbesten – das waren 2014 Mercedes und Red Bull Racing. Aber Kopieren kann gefährlich sein.

Es ist in der Formel 1 nichts Unehrenhaftes zu kopieren: selbst die Techniker von Top-Teams wie Mercedes (Weltmeister 2014) und Red Bull Racing (Champion 2010 bis 2013) sind sich nicht zu schade, einen guten Kniff der Konkurrenz mindestens am Windkanalmodell mal auszuprobieren. Die jüngere GP-Historie hat bewiesen: die Gegner orientieren sich meist an den erfolgreichsten Teams.

Nur Mercedes und Red Bull Racing haben 2014 Formel-1-WM-Läufe gewinnen können, also sollten wir uns wenig wundern, bald einige Kopien zu Gesicht zu bekommen.

Im vergangenen Jahr galt die Faustregel: Mercedes dominiert dank Motorleistung, der Red Bull Racing-Renault hält dank hervorragender Aerodynamik ordentlich mit. Aber so einfach ist das nicht. Ex-GP-Fahrer Martin Brundle weiss: «Mit Leistung allein wirst du nicht Weltmeister. Entlang vieler Strecken habe ich gesehen, wie gut die Mercedes von Rosberg und Hamilton lagen. Man macht es sich zu einfach, wenn man die Überlegenheit von Mercedes auf die Antriebseinheit reduziert.»

Der Meinung ist auch Paddy Lowe, Technikchef bei Mercedes. «Es würde sehr viel von den Antriebseinheiten und der Mehrfach-Energierückgewinnung gesprochen», sagt der Engländer gegenüber ESPN. «Aber ich bin nicht der Meinung, dass die Aerodynamik 2014 beim Schritt in die neue Turbo-Ära eine untergeordnete Rolle gespielt hat.»

Zwei Kniffe von Mercedes, welche Schule machen könnten: die extrem kurze Nase mit vorgelagertem Flügel. Ihr Vorteil: der Frontflügel wird ausgezeichnet angeströmt, die hufeisenförmige Öffnung erlaubt viel Luft unters Auto.

Mit Kopieren alleine ist es aber auch nicht getan: Lotus probierte in Texas eine Mercedes-Nase aus, packte sie jedoch bald wieder in die Ersatzteilkiste – sie passte nicht zur Aerodynamik des schwarzen Renners von Grosjean und Maldonado.

Nachteil für die Konkurrenz: es dauerte eine ganze Weile, bis die Anlenkpunkte zwischen Flügel und Nase steif genug gestaltet waren. Und daran könnte auch für den einen oder anderen Gegner der Plan scheitern, den cleveren unteren Querlenker der Mercedes-Vorderradaufhängung nachzubauen – der eine Zweitfunktion als Luftleit-Element erhalten hat, um die komplexe Strömung im Bereich des Vorderrads und zu den Seitenkästen hin zu optimieren.

Paddy Lowe weiter: «Der sehr kompakte, gabelförmige untere Querlenker ist ein wesentlicher Bestandteil unserer guten Aerodynamik. Es hat ziemlich lange gedauert, das Teil strukturell widerstandsfähig genug zu machen. Die Arbeit daran begann schon im Juni 2013.»

Angeblich soll Ferrari mit einer Aufhängung à la Mercedes aufkreuzen wollen, wird jedoch gleichzeitig an der eigenwilligen Zugstreben-Lösung festhalten.

Von Red Bull Racing werden wir (Gerüchten zufolge auch am Ferrari) die Knubbelnase wiederfinden. Auch diese Lösung erlaubt es, viel Luft unters Auto zu leiten.

Die Kühlung bleibt ein heisses Thema. Denn hier geraten jeweils Motorentechniker und Aerodynamiker tüchtig aneinander. Die einen wollen möglichst viel Kühlung, die anderen eine möglichst kompakte. Das beisst sich. Paddy Lowe weiss: «Kühleffizienz war auch bei uns ein Leitthema. Wir haben versucht, die Effizienz Schritt um Schritt zu verbessern. Am Anfang standen wir alle vor der Aufgabe und dachten: Wie um alles in der Welt sollen wir das nur auf so geringem Raum hinkriegen? Als wir aber den Wagen zum ersten Rennen brachten, waren wir von der reinen Kühlerfläche nicht mehr weit weg von den Werten aus dem Vorjahr. Und das ist eine gewaltige Leistung der verantwortlichen Spezialisten.»

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