Sebastian Vettel: Ferrari als zweite Kraft etablieren

Von Andreas Reiners
Der viermalige Weltmeister über die Unterschiede zwischen Red Bull Racing und Ferrari, realistische Ziele in der neuen Saison und den Namen für seinen Boliden.

Der Saisonauftakt in der Formel rückt näher. Gut zehn Tage vor dem ersten Rennen in Melbourne stand der viermalige Weltmeister Sebastian Vettel bei einem Sponsor-Termin in Mönchengladbach Rede und Antwort. SPEEDWEEK.com war dabei und hat die Antworten des Ferrari-Piloten aufgezeichnet. Sebastian Vettel über:

 die realistischen Ziele beim Saisonauftakt:

Unschlagbar ist keiner. Mercedes hat natürlich einen sehr, sehr großen Vorsprung gehabt im letzten Jahr. Es wäre eine Überraschung, wenn der auf einmal weg wäre. Deswegen ist es zu erwarten, dass Mercedes auch am Anfang der neuen Saison sehr stark sein wird. Die Favoritenrolle ist also vergeben. Aber alle anderen haben ein bisschen aufschließen können. Wie sehr, das wird sich zeigen. Wir hoffen, dass wir als Team deutlich besser da stehen als letztes Jahr. Die Vorzeichen stehen gut, das Auto fühlt sich gut an und die Rundenzeiten waren so weit in Ordnung. Der Rest wird sich in zehn Tagen zeigen.

die Unterschiede zwischen Red Bull und Ferrari:

Es wird bei Ferrari viel mit den Händen gesprochen. Nein, jedes Team hat seine eigene Arbeitsweise und jedes Team funktioniert für sich. Natürlich gibt es Dinge, die anders sind. Manche sind besser, manche sind vielleicht noch nicht so gut und können optimiert werden. Vom Grundprinzip ist es ein funktionierendes Team. Es ist über den Winter sehr viel passiert, sehr viele Leute sind gegangen, haben die Position gewechselt oder sind wie ich neu dazu gekommen. Deswegen gibt es viel Neues und das geht an einem Team nicht spurlos vorbei. Bis jetzt ist die Stimmung sehr gut, die Entwicklung ist gut und wir wissen, wo wir hin wollen. Wir wissen aber auch, dass es noch ein weiter Weg ist. Das geht nur Schritt für Schritt, man kann nicht von Anfang an Bäume ausreißen. Der Stolz der Marke Ferrari ist spürbar, und es ist auch etwas ganz Besonderes. Der größte Unterschied: Bei Ferrari passiert alles unter einem Dach. In Maranello wird nicht nur das Auto gebaut, sondern auch der Motor. Das hat viele Vorteile.

seine Kladde, die er bei den Tests bei sich trug:

Notizen machen kennt ja jeder aus dem Alltag. Man wurde schon in der Schule aufgefordert, Dinge mitzuschreiben. Da man sich nicht alles merken kann im Leben, macht es Sinn, dass man sich das eine oder andere aufschreibt, bevor man es vergisst. Vielleicht bin ich auch nicht clever genug und brauche diese Hilfe.

die noch zu erledigenden Aufgaben:

Wenn wir auf der Strecke fahren und Daten sammeln, müssen wir diese Daten auswerten. Das sind die Hausaufgaben. Dinge gehen kaputt, das passiert. Es ist dann gut, wenn es vor der Saison passiert, denn während der Saison hätte das Konsequenzen. Das ist ganz normal, da über den Winter ein komplett neues Auto gebaut wird. Es sind viele Komponenten gleich oder ähnlich, aber die Anordnung ist neu. Und dann tauchen Fehler auf oder Probleme, die gelöst werden müssen. Und das sind dann die Hausaufgaben, von denen man spricht. Man möchte zuverlässig sein im ersten Rennen. Ansonsten möchte man die Daten so auswerten, dass man möglichst viel Performance mitnimmt, die Leistung maximal gesteigert wird und im ersten Rennen so schnell ist, wie man maximal sein kann.

die Zukunft des Deutschland-GP:

Hoffnung gibt es immer. Wie genau der Stand ist, weiß ich gar nicht. Da habe ich mit Bernie noch nicht drüber gesprochen. Er ist ein Geschäftsmann, da muss man einfach so sehen. Aktuell ist ein sehr präsentes Thema, was die Geldverteilung in der Formel 1 angeht. Natürlich ist es eine Art und Weise, Geld wieder in die Kasse zu bringen und die Teams mit am Leben zu halten. Ich denke, er lässt da nicht so sehr mit sich verhandeln. Ich kann ihm da glaube ich sagen, was ich will. An den Voraussetzungen scheint es im Moment zu scheitern. Was nicht nur für die deutschen Fahrers schade ist. Mercedes ist sehr erfolgreich im Moment, und dann wäre es schön, wenn man das auf deutschem Boden feiern könnte.

die Aussagen von Präsident Sergio Marchionne, 2018 den WM-Titel zu holen und den Erwartungsdruck:

Ich will natürlich vorher Weltmeister werden. Deswegen mache ich mir den größten Druck selbst. Das war schon immer so, dass der eigene Antrieb größer war als das, was die Leute von einem fordern. Ich glaube absolut daran, sonst hätte ich den Schritt nicht gewagt. Wenn ich davon überzeugt gewesen wäre, dass es nichts wird, dann hätte ich es nicht gemacht. Das, was ich bisher gesehen habe, stimmt mich sehr zuversichtlich. Aber: Mit den vielen Umstellungen braucht es etwas Zeit. Aber je früher, desto besser.

den Namen für seinen Ferrari:

Der Name wird erst nächste Woche diskutiert und entschieden. Es ist naheliegend, dass es ein italienischer Name sein wird. Bis jetzt gibt es aber noch keinen Favoriten.

den Unfall von Fernando Alonso und die Theorien dazu:

Das Wichtigste ist, dass es ihm gut geht. Natürlich ist es schade, dass er nicht fahren kann. Ich glaube aber, dass Spekulationen da nicht helfen. Er hat eine Gehirnerschütterung erlitten und es ist ganz normal, dass man jegliches Risiko vermeidet. Meiner Meinung nach ist es die richtige Entscheidung, «Stopp» zu sagen. Was genau passiert ist: Ich war dahinter, war aber zu weit weg um genau sehen zu können, wie der Unfall entstanden ist. Ich habe nur das letzte Stück davon sehen können. Der Aufprall an sich sah nicht so dramatisch aus. Es war natürlich ein Schock zu hören, dass er im ersten Moment bewusstlos war.

seinen Teamkollegen Kimi Räikkönen:

Schwierig ist er eigentlich nicht, sperrig auch nicht. Ich kenne ihn schon länger. Und er war einer wenigen, die mich von Anfang an mit sehr viel Respekt behandelt haben. Das weiß ich zu schätzen, und unser Umgang ist sehr respektvoll. Er redet nicht so viel. Das ist teilweise eine finnische Eigenschaft, die ticken einfach ein bisschen anders. Er ist sehr ehrlich und ich erwarte keine Schwierigkeiten. Selbst wenn wir mal aneinander geraten, sind wie erwachsen genug, um das Thema aus der Welt zu schaffen.

Siege in dieser Saison:

Nach jetzigem Stand ist das schwer zu sagen. Es kommt drauf an, wie stark Mercedes in die Saison starten wird. Sie werden wohl sehr stark sein, davon ist auszugehen. Was das Feld dahinter angeht, wird es sehr, sehr spannend. Da hoffen wir, aufschließen zu können und uns mittel- bis langfristig in diesem Jahr als zweite Kraft etablieren können. Das wäre ein großer Schritt.

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