Sauber gegen McLaren-Honda: Kommt kurze Nase zu spät?

Von Mathias Brunner
Formel 1
Die neue kurze Nase

Die neue kurze Nase

​Mit Aerodynamik-Neuheiten will Sauber ab dem Singapur-GP glänzen. Aber kommen die Verbesserungen wie die kurze Nase gegen McLaren-Honda und Toro Rosso zu spät?

Sauber steht mit dem Rücken zur Wand: die Schweizer haben aus den letzten drei Rennen zwar immer Punkte geholt, aber möglicherweise zu wenig, um WM-Rang 8 gegen McLaren-Honda erfolgreich zu verteidigen oder Toro Rosso den siebten Platz streitig zu machen. Marcus Ericsson wurde in Ungarn Zehnter, ebenso in Belgien, dann folgte Rang 9 in Monza, mit der Evo-Stufe des Ferrari-V6-Turbo, welche Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel bereits seit Kanada verwenden. Max Verstappen wurde in Ungarn hingegen Vierter, in Belgien Achter, und Fernando Alonso hat auf dem Hungaroring für McLaren-Honda einen tollen fünften Platz herausgefahren, von solchen Platzierungen kann Sauber nur träumen.

Nach eindrucksvollem Saisonbeginn (Felipe Nasr in Australien Fünfter, Ericsson Achter) ist Sauber in der WM-Zwischenwertung zurückgereicht worden: die anderen Teams haben einfach mehr Fortschritte gemacht oder mangelnde Standfestigkeit in den Griff bekommen. Sauber-Pilot Nasr hat seit Monaco im Mai (Rang 9) nicht mehr gepunktet, in den letzten fünf Rennen ist er drei Mal auf Rang 11 ins Ziel gekommen.

Toro Rosso liegt in der Markenwertung nun mit 35 Punkten auf Platz 7, vor Sauber (25) und McLaren-Honda (17). WM-Schlusslicht ist Manor-Marussia, ohne Punkte.

Aber beim Schweizer Sauber-Rennstall ist man überzeugt, dass Rang 8 erfolgreich verteidigt werden kann, dank eines neuen Aero-Pakets, das hier in Singapur debütiert.

In der Sauber-Box wird an den verbesserten Autos gearbeitet, die neue Stummelnase samt neuem Frontflügel sind noch unter Verschluss.

Die Arbeit mit der kurzen Nase ist sehr aufwändig, aber lohnenswert. Weil bei Sauber der Finanzgürtel eng gezogen ist, hat man das Projekt nicht so schnell auf die Bahn bringen können wie Toro Rosso, Red Bull Racing oder McLaren-Honda.

Die kurze Nase ist einer der Kniffe, wieso der Silberpfeil 2014 von Sieg zu Sieg eilte und auch 2015 das Mass der Dinge geblieben ist. Viele Formel-1-Fans glauben zwar: Mercedes dominiert dank Motorleistung. Aber so einfach ist das nicht. Ex-GP-Fahrer Martin Brundle weiss: «Mit Leistung allein wirst du nicht Weltmeister.

Entlang vieler Strecken habe ich gesehen, wie gut die Mercedes von Rosberg und Hamilton lagen. Man macht es sich zu einfach, wenn man die Überlegenheit von Mercedes auf die Antriebseinheit reduziert.»

Der Meinung ist auch Paddy Lowe, Technikchef bei Mercedes. «Es würde sehr viel von den Antriebseinheiten und der Mehrfach-Energierückgewinnung gesprochen», sagt der Engländer. «Aber ich bin nicht der Meinung, dass die Aerodynamik 2014 beim Schritt in die neue Turbo-Ära eine untergeordnete Rolle gespielt hat.»

Ein Meisterstück war dabei die extrem kurze Nase mit vorgelagertem Flügel. Ihr Vorteil: der Frontflügel wird ausgezeichnet angeströmt, die hufeisenförmige Öffnung erlaubt viel Luft unters Auto. Nachteil für die Konkurrenz: es dauerte eine ganze Weile, bis die Anlenkpunkte zwischen Flügel und Nase steif genug gestaltet waren, um den Mercedes-Trick kopieren zu können.

Toro-Rosso-Technikchef James Key bestätigte mir im Frühling: «Die kurze Nase hinzukriegen, war der kniffligste Teil meiner Arbeit fürs 2015er Auto.»

Selbst die vierfachen Formel-1-Weltmeister von Red Bull Racing mussten mehrfach zum Crash-Test antreten, bis die kurze Nase von den Regelhütern des Autoverbands FIA abgesegnet werden konnte. Teamchef Christian Horner: «Dass der Crashtest nicht auf Anhieb bestanden wurde, ist in einem solchen Fall ganz normal, denn das Team geht bei diesen Konstruktionen immer ans Limit. Das ist nichts Negatives, im Gegenteil. Die neue Nase ist ein ingenieurtechnisches Meisterstück.»

Auch McLaren-Honda musste mehrfach zum Crash-Test antreten, bis die Kurznase für gut befunden war. Auf der ultraschnellen Monza-Bahn blieb die Stummelnase in der Garage: McLaren trat wieder mit jener langen Front an, mit welcher das Auto im Winter debütiert hatte.

Singapur ist aber das Gegenteil von Monza: hier zählt nicht Topspeed, sondern Abtrieb. Also hatte Sauber beschlossen, das neue Aero-Paket erst für das Strassenrennen hier zu bringen, es ist die zweite grössere Evo-Stufe nach Barcelona.

Die Änderungen: kurze Nase, neuer Frontflügel, und weil das die komplette Umfliessung des Autos ändert, auch andere Luftleit-Elemente an den Seitenkästen, geänderte Heckpartie.

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