Formel 1

Nico Rosberg: Dank Pirelli Vorteil gegen Hamilton?

Von Mathias Brunner - 08.12.2015 00:08

​Pirelli will den Rennställen und den Piloten im kommenden Jahr mehr strategische Möglichkeiten schenken. Ist das im Duell der Silberpfeil-Stars ein Vorteil für den Deutschen?

Pirelli hat von Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone einen klaren Auftrag erhalten: 2016 soll das Element der Unwägbarkeit zurückkehren. Bis vor zwei Jahren garantierten die Mailänder mit stark abbauenden Reifen für einen GP-Krimi nach dem anderen. Aber dann wurden die Rennen wieder berechenbarer. Das liegt nicht nur daran, dass Mercedes beim Schritt in die neue Turbo-Ära dominiert hat und seit anfangs 2014 die Konkurrenz in Grund und Boden fährt.

Pirelli ging – ohne exakte Daten der Teams – vorsichtig ans Werk. Das ist verständlich. Das führte aber leider zu eher konservativen Reifenmischungen. Zudem gewöhnten sich die Ingenieure und Piloten besser an den Umgang mit dem italienischen Gummi. Doch damit ist bald Schluss.

Generell führt Pirelli 2016 eine fünfte Trockenreifenmischung ein, den so genannten ultraweichen Reifen (gemäss einer Internet-Umfrage unter den Fans nach ihrer erklärten Lieblingsfarbe violett markiert). Die Farben für die anderen Mischungen bleiben: Rot für extraweich, gelb für weich, weiss für mittelhart, orange für hart. Dazu gibt es natürlich immer noch die Schlechtwetterreifen, den Intermediate (grün) und den Regenreifen (blau).

Pirelli hat versprochen, dass die Reifen wieder stärker abbauen, damit sind mehr Reifenwechsel programmiert. Pirelli-Rennchef Paul Hembery spricht von zwei bis drei Stopps pro Rennen.

Die fünfte Mischung schenkt mehr strategische Möglichkeiten. Vor allem jedoch wird es nicht mehr so sein, dass die Mailänder den Teams zwei Mischungen für ein bestimmtes Rennen vorschreiben. Teams und Fahrer erhalten mehr Mitspracherecht und Strategiespielraum.

Denn Pirelli wählt nicht mehr zwei Mischungen aus, sondern nur noch eine. Die anderen beiden Mischungen wählt das Team. Das Team kann mit seinen zwei Piloten auch zwei unterschiedliche Wege gehen, was die Auswahl der Reifenmischungen betrifft. Damit ist Wirbel programmiert, wenn sich dann im Rennen der eine Reifen als passender herausstellen sollte.

Vor allem aber: Die Bewerber werden erst zwei Wochen vor dem Rennen wissen, was die Konkurrenz gewählt hat. Die Rennställe melden ihre Wahl zunächst der FIA, die leitet den Wunsch an Pirelli weiter. Genügend Vorlaufzeit ist notwendig, um den Reifenherstellern die Möglichkeit zu geben, die ganzen Reifen rechtzeitig herzustellen. Verpasst ein Team diese Frist, wählt Pirelli die Reifen aus.

Zwei Wochen vor dem Rennen wird dann enthüllt, zu welchen Reifen sind Teams und Fahrer entschlossen haben. Danach werden die Walzen vor Ort wie bisher aus dem Pirelli-Kontingent der betreffenden Mischung ausgelost – mittels eines Strich-Code-Systems.

Sky-Formel-1-Experte Marc Surer sagt: «Beim Duell der Silberpfeilfahrer ist für mich Nico Rosberg immer jener Fahrer, der mit akribischer Arbeit mehr aus dem Wagen herausholt. Weil er die Fähigkeit hat, sein Auto perfekt abzustimmen, schlug er vor einem Jahr überraschend Lewis Hamilton, was die Quali-Duelle anging. Das hätten ihm viele nicht zugetraut. Und er konnte die WM bis zum Finale von Abu Dhabi offen halten. Im letzten Teil der WM 2015 schien Lewis Hamilton mehr Mühe mit seinem Auto zu haben, bei Nico war wieder das alte Fahrgefühl zurück – prompt zeigte er sechs Pole-Positions in Serie und drei Siege hintereinander. Lewis ist eher der Instinktfahrer als Rosberg.»

Würde das bedeuten, mehr strategische Spielmöglichkeiten erhöhen die Chancen von Rosberg auf seinen ersten WM-Titel 2016? Nico dementiert das nicht: «Ich halte das Ganze für durchdacht. Eine weitere Variable macht den Sport noch komplexer und interessanter, das gefällt mir gut. Die Reifen sind ein wichtiger Faktor, um unseren Sport aufregend zu machen.»

Nico Rosberg vor Lewis Hamilton – geht das 2016 so weiter? © LAT Nico Rosberg vor Lewis Hamilton – geht das 2016 so weiter?

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