Tirade von Bernie Ecclestone: Formel 1-Arzt entsetzt

Von Mathias Brunner
Formel 1
Der frühere Formel-1-Chefarzt Prof. Gary Hartstein

Der frühere Formel-1-Chefarzt Prof. Gary Hartstein

​Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone hat wieder mal tüchtig vom Leder gezogen über die angeblich so schlechte Formel 1. Das regt den früheren Formel-1-Arzt Prof. Gary Hartstein auf.

Im November 2012 wurde bekannt, dass der Automobil-Weltverband FIA ein Abkommen mit dem Formel-1-Rennarzt Prof. Gary Hartstein nicht verlängern würde. Seit 2013 leitet Dr. Ian Roberts das medizinische Notfallteam an den GP-Wochenenden. Vorgänger Hartstein musste nach insgesamt 16 Jahren seinen Hut nehmen. Der New Yorker hatte das Amt 2005 von Professor Sid Watkins übernommen und schon zuvor unter dem legendären Professor gedient.

Seit Hartstein in Ungnade gefallen ist, fällt er immer wieder durch schonungslose Kritik an Vorkommnissen in der Formel 1 auf. Der US-Amerikaner nimmt selten ein Blatt vor den Mund, ist erfrischend politisch unkorrekt und spricht vielen Grand-Prix-Fans aus dem Herzen, wenn er seinen Finger dorthin legt, wo es wehtut.

«Die Formel 1 ist so schlecht wie nie zuvor. Ich würde mein Geld nicht ausgeben, um mit meiner Familie ein Rennen anzusehen», wetterte nun Bernie Ecclestone im Interview mit der Daily Mail. Der Baumeister der modernen Formel 1 schimpfte über die Dominanz von Mercedes-Benz (über die jahrelange Dominanz von Michael Schumacher mit Ferrari regte er sich damals seltsamerweise nicht auf) und über den FIA-Präsidenten Jean Todt: «Unglücklicherweise ist Jean ein Diplomat geworden. Er möchte jeden glücklich machen. Das ist sehr nett von einem Präsidenten. Aber so funktioniert es nicht.»

Prof. Gary Hartstein twitterte daraufhin: «Mir ist schon klar, dass ich nie wieder einen Zugangspass ins Formel-1-Fahrerlager erhalte, aber das ist mir einerlei. Kleine Grussnote an Bernie – die Antriebseinheit von Mercedes erreicht inzwischen eine thermische Effizienz von 47 Prozent. Das ist eine unglaubliche Ingenieursleistung und sollte als solche propagiert werden.»

Mercedes-Motorenchef Andy Cowell sagt zu diesem Thema: «Die maximale Leistungsausbeute dieser V6-Turbos, wenn wir 100 Prozent thermische Effizienz erreichen würden, liegt bei 1630 PS, das wäre Perfektion! Niemand hält uns davon ab, nach Perfektion zu streben. Wie man einem solchen Ziel näherkommt? Mit viel harter Arbeit, innovativen Einfällen und Zeit.»

Thermische Effizienz, das bedeutet einfach gesagt die gewonnene Energie aus dem zur Verfügung stehenden Brennstoff. Die Formel 1 erlebte zur Saison 2014 mit dem Schritt in die neue Turbo-Ära eine der grössten Umstellungen bei den Motoren. Ein wichtiger Schlüsselfaktor in dieser neuen Formel 1-Ära ist die Energieeffizienz. Das Mercedes-Team und Mineralöl-Partner Petronas arbeiteten mehr als drei Jahre lang daran, um gemeinsam eine neue Palette an massgeschneiderten Kraft- und Schmierstoffen zu entwickeln, die einen Leistungsvorteil sorgen sollen.

Gary Hartstein weiter: «Formel-1-Racing ist laut und sexy und voller Drama. Wir wollen Rennsport, nicht Jammerei. Wir wollen keine Narren, welche Klassiker wie die Grands Prix von Deutschland, Italien oder Frankreich streichen. Kleine Grussnote an Bernie – du solltest wohl in der Lage sein, die Miete für den nächsten Monat zusammenkratzen zu können. Also hör damit auf, den Sport auszusaugen und lass ihn durchatmen. Hör auf die Fans! Die Formel 1 hat Erfolg trotz aller Dummheit, Habgier, Selbstverliebtheit und Gier jener, die am Ruder sitzen.»

Harte Kritik auch an der FIA

Immer wieder greift der inzwischen in Abu Dhabi als Arzt tätige US-Amerikaner die FIA und ihre führenden Offiziellen an. In einem Video erklärte Hartstein beispielsweise: «Ich glaube, meine Entlassung war teilweise aus persönlichen Gründen. Manchen Leuten passte meine Art nicht. Die Entscheidung fiel wohl vor dem Bahrain-GP, als ich eine zentrale Notfall-Nummer für die Mitarbeiter vor Ort einrichten wollte. Das macht jede Firma, die ihre Mitarbeiter um die Welt schickt, und ich hatte das nicht nur wegen Bahrain vorgeschlagen. Ein Leiter des technischen Teams fand das eine gute Idee und sagte, er spreche mit dem FIA-Präsidenten Jean Todt darüber. Eine halbe Stunde später kam der auf mich zugerannt und wetterte: Bahrain ist kein Kriegsgebiet! Ich glaube, das hat den Ausschlag für meine Entlassung gegeben.»

Hartstein spricht erstaunlich offen über das Macht-Gerangel hinter den Kulissen der Königsklasse und spart nie mit mit Kritik an den FIA-Entscheidungsträgern und deren Arbeit. Einige deuten das einfach als Verbitterung, weil sein Vertrag nicht verlängert worden ist. Andere sind froh, dass jemand ausspricht, was sie denken.

Der Arzt hat (erfolglos) von den Formel-1-Piloten verlangt, sich für die Entlassung des medizinischen Delegierten der FIA Jean-Charles Piette stark zu machen – weil der Franzose beim Japan-GP 2014die Rennleitung davon hätte überzeugen müssen, das Rennen abzubrechen.

Piette ist für Hartstein eine Reizfigur, und auch Gérard Saillant, der Leiter der medizinischen Kommission der FIA, kommt beim Amerikaner nicht gut weg. Hartstein wirft den Franzosen Ahnungslosigkeit vor, meint im gleichen Atemzug jedoch, alles, was er sage, basiere auf Fakten und sei als Kritik gemeint, nicht als Beleidigungen.

Hartstein kritisierte den Krankenwagen-Transport des am 5. Oktober 2014 in Suzuka schwer verunglückten Jules Bianchi, der am 17. Juli 2015 in Frankreich verstorben ist. Hartstein argumentiert bis heute, wenn zum Zeitpunkt von Bianchis Unfall aufgrund des misslichen Wetters der Rettungs-Hubschrauber nicht habe fliegen können, dann hätte auch kein Rennen durchgeführt werden dürfen.

Hartstein stellt zudem in den Raum, Piette habe zu wenig Erfahrung, was die besten Orte für Spezialisten von Traumapatienten angehe. Hartstein unterstellt FIA-Chef Todt, im Zentrum seines Interesses stünde nicht der Sport, sondern nur er selber. Alles starker Tobak.

Bei einigen seiner Tiraden auf Twitter oder Facebook hat Hartstein offenbar gewisse Grenzen überschritten. Der Beweis: Gewisse Vorwürfe musste Hartstein – mit grosser Wahrscheinlichkeit unter rechtlichem Druck – vom Netz nehmen. Entsprechende Twitter-Einträge wurden gelöscht, der Zugang zu bestimmten Facebook-Seiten gesperrt. Kopien seiner Tweets schwirren weiter im Internet umher.

Barcelona-Testzeiten, 1. Tag

1. Sebastian Vettel (D), Ferrari SF16-H, 1:24,939 (69 Runden)
2. Lewis Hamilton (GB), Mercedes F1 W07 Hybrid, 1:25,409 (155)
3. Daniel Ricciardo (AUS), Red Bull Racing RB12-TAG Heuer, 1:26,044 (86)
4. Valtteri Bottas (FIN), Williams FW38-Mercedes, 1:26,091 (80)
5. Alfonso Celis (MEX), Force India VJM09-Mercedes, 1:26,298 (57)
6. Jenson Button (GB), McLaren MP4-31-Honda, 1:26,860 (83)
7. Carlos Sainz (E), Toro Rosso STR11-Ferrari, 1:27,180 (55)
8. Marcus Ericsson (S), Sauber C34-Ferrari, 1:27,555 (88)
9. Pascal Wehrlein (D), Manor MRT05-Mercedes, 1:28,292 (54)
10. Romain Grosjean (F), Haas VF-16-Ferrari, 1:28,399 (31)
11. Jolyon Palmer (GB), Renault RS16, 1:29,356 (36)

Die wichtigsten Termine

Präsentationen/Roll-out
29. Februar: Präsentation Toro Rosso (Circuit de Barcelona-Catalunya)
1. März: Präsentation Sauber (Circuit de Barcelona-Catalunya)

Formel-1-Wintertests
22.–25. Februar: Spanien (Barcelona)
1.–4. März: Spanien (Barcelona)

1. Barcelona-Test: So wird gefahren
Mercedes
Dienstag 23. Nico Rosberg
Mittwoch 24. Lewis Hamilton
Donnerstag 25. Nico Rosberg
Ferrari
Dienstag Sebastian Vettel
Mittwoch und Donnerstag Kimi Räikkönen
Williams
Dienstag Valtteri Bottas
Mittwoch und Donnerstag Felipe Massa
Red Bull Racing
Dienstag Daniel Ricciardo
Mittwoch und Donnerstag Daniil Kvyat
Force India
Dienstag Sergio Pérez
Mittwoch Nico Hülkenberg
Donnerstag Alfonso Celis
Toro Rosso
Dienstag und Donnerstag: Max Verstappen
Mittwoch: Carlos Sainz
Sauber (mit 2015er Auto in neuer Lackierung)
Dienstag Marcus Ericsson
Mittwoch und Donnerstag Felipe Nasr
McLaren-Honda
Dienstag und Donnerstag Fernando Alonso
Mittwoch Jenson Button
Manor Racing
Dienstag Pascal Wehrlein
Mittwoch und Donnerstag Rio Haryanto
Renault
Dienstag Jolyon Palmer
Mittwoch und Donnerstag Kevin Magnussen
Haas F1
Dienstag und Donnerstag Esteban Gutiérrez
Mittwoch Romain Grosjean

Formel-1-WM
20. März: Australien (Melbourne)
3. April: Bahrain (Sakhir)
17. April: China (Shanghai)
1. Mai: Russland (Sotschi)
15. Mai: Spanien (Barcelona)
29. Mai: Monaco (Monte Carlo)
12. Juni: Kanada (Montreal)
19. Juni: Aserbaidschan (Baku) *
3. Juli: Österreich (Spielberg)
10. Juli: Grossbritannien (Silverstone)
24. Juli: Ungarn (Budapest)
31. Juli: Deutschland (Hockenheim)
28. August: Belgien (Spa-Francorchamps)
4. September: Italien (Monza)
18. September: Singapur
2. Oktober: Malaysia (Sepang)
9. Oktober: Suzuka (Japan)
23. Oktober: USA (Austin) **
30. Oktober: Mexiko (Mexiko-Stadt)
13. November: Brasilien (Sao Paulo)
27. November: Abu Dhabi (Insel Yas)
* Strecke noch nicht homologiert
** Finanzierung noch nicht gesichert

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