Barcelona: Ferrari 1., Mercedes verblüfft, Alonso out

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Mittagspause am letzten Tag des ersten Formel-1-Wintertests auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya: Bestzeit für Kimi Räikkönen, Mercedes schockiert, McLaren-Honda parkt.

Viele Fans haben sich an diesem Donnerstag nicht zum Circuit de Barcelona-Catalunya verirrt. Die meisten von ihnen sind enttäuscht: Ihr Held Fernando Alonso ist bislang nur für drei Installationsrunden auf der Piste zu sehen gewesen. Am McLaren-Honda forschen die Honda-Techniker nach einer Anomalie der Daten beim Wasserdruck. Ob es sich um einen Fehler eines Sensors oder um ein grösseres Problem handelt, haben die Spezialisten bislang nicht herausfinden können.

«Wir haben noch immer Probleme mit der Standfestigkeit», hat Yusuka Hasegawa im Interview hier am Circuit de Barcelona-Catalunya zugegeben. «Wir haben mit dem 2016er Motor auf den Prüfständen 4000 Kilometer Laufleistung erreicht, aber die Arbeit auf dem Prüfstand und im Rennwagen, das sind zwei verschiedene Paar Schuhe.»

Am erfreulichen Ende des Standfestigkeitsspektrums: Mercedes-Benz.

Der frühere Grand-Prix-Fahrer Martin Brundle twittert: «Die Zuverlässigkeit und der Speed von Mercedes mit harten Reifen muss für die anderen Teams verblüffend sein.»

Ungefähr so verblüffend wie die neue Fahrzeugnase: Ein Wunderwerk der Formel-1-Kunst. Der Anlenkpunkt ist so grazil gestaltet, dass im Fahrerlager der Witz kursiert: «Was ist die Steigerungsform davon? Dass der Flügel vor dem Auto schwebt? Von einem Magnetfeld gehalten?»

Wir wissen: Die neue Nase hat den Crash-Test des Autoverbands FIA bestanden. Sonst dürfte der Wagen hier nicht in dieser Konfiguration fahren. Was wir noch nicht wissen: Wie reagiert das Wunderteil auf den Belastungstest der FIA-Regelhüter, der jeweils an den GP-Wochenenden durchgeführt wird? Dabei wird der Flügel unter Zug und Druck gesetzt und darf sich nur in streng vorgegebenem Rahmen verwinden. Die Gegner hoffen, dass Mercedes-Benz durchfällt und für die ersten Rennen vielleicht nachbessern muss. Wir glauben: Wenn die Techniker aus Brackley von ihrer neuen Trumpfkarte nicht überzeugt wären, dann hätten sie sie auch nicht ins Spiel gebracht. Mehr über den neuen Wunderflügel lesen Sie in unserer Story

Nicht nur der neue Flügel von Mercedes macht den Gegnern Kopfweh: Lewis Hamilton spulte konstant wie eine Schweizer Uhr Runden herunter, ohne dabei seine Reifen übermässig mit Verschleiss zu behelligen.

Wie schnell flitzen die GP-Renner eigentlich über die Zielgeraden der spanischen Rennstrecke? Hier ein Vergleich von gestern (Felipe Nasr im 2015er Sauber haben wir absichtlich weg gelassen):

Lewis Hamilton (Mercedes) 337,5 km/h
Felipe Massa (Williams-Mercedes) 334,3
Nico Hülkenberg (Force India-Mercedes) 333,3
Rio Haryanto (Manor-Mercedes) 333,3
Kevin Magnussen (Renault) 332,3
Romain Grosjean (Haas-Ferrari) 331,2
Kimi Räikkönen (Ferrari) 331,2
Carlos Sainz (Toro Rosso-Ferrari) 327,2
Daniil Kvyat (Red Bull Racing-TAG Heuer) 322,3
Jenson Button (McLaren-Honda) 320,4

Ist Ihnen aufgefallen? Alle Mercedes-befeuerten Autos liegen vorne.
Der Däne Kevin Magnussen hielt lange die Bestzeit, sein Renault rollte dabei auf weichen Reifen. Kimi Räikkönen war im Ferrari fast gleich schnell, doch der rote Renner war mit mittelharten Walzen ausgerüstet. Max Verstappen im Toro Rosso-Ferrari fuhr auf die Tausendstelsekunde gleich schnell, ebenfalls auf mittelharten Reifen.

Als Kimi Räikkönen auf weichen Reifen ausrückte, änderte sich das Bild schlagartig: 1:24,460 min, neue Bestzeit. Dann liess der Formel-1-Weltmeister von 2007 die ultraweiche Mischung aufziehen – 1:23,477 min, drittschnellste Zeit des ganzen Tests (hinter Sebastian Vettels 1:22,810 min vom Dienstag und Nico Hülkenbergs 1:23,110 min vom Mittwoch).

Felipe Massa war die meiste Zeit über mit aerodynamischen Abgleichen für Williams beschäftigt. Das Team um Technikchef Pat Symonds bleibt stur bei der Vorgabe: Runden drehen, Daten sammeln, auf Zeitenjagd können wir in der kommenden Woche gehen.

Dann werden wir auch eine Vorstellung davon bekommen, was der neue Toro Rosso wirklich kann. Technikchef James Key hat ein grosses Update angekündigt.

4. Testtag Barcelona – Mittagszeiten

1. Kimi Räikkönen (FIN), Ferrari SF16-H, 1:23,477 (58 Runden)
2. Kevin Magnussen (DK), Renault RS16, 1:25,263 (67)
3. Max Verstappen (NL), Toro Rosso STR11-Ferrari, 1:25,393 (75)
4. Daniil Kvyat (RU), Red Bull Racing RB12-TAG Heuer, 1:25,900 (57)
5. Felipe Nasr (BR), Sauber C34-Ferrari, 1:26,053 (50)
6. Lewis Hamilton (GB), Mercedes F1 W07 Hybrid, 1:26,295 (99)
7. Alfonso Celis (MEX), Force India VJM09-Mercedes, 1:26,875 (36)
8. Rio Haryanto (RI), Manor MRT05-Mercedes, 1:28,266 (43)
8. Felipe Massa (BR), Williams FW38-Mercedes, 1:28,684 (33)
9. Esteban Gutiérrez (MEX), Haas VF-16-Ferrari, 1:29,088 (26)
11. Fernando Alonso (E), McLaren MP4-31-Honda, keine Zeit (3)

Barcelona-Testzeiten, 3. Tag

1. Nico Hülkenberg (D), Force India VJM09-Mercedes, 1:23,110 (92)
2. Romain Grosjean (F), Haas VF-16-Ferrari, 1:25,874 (73)
3. Kimi Räikkönen (FIN), Ferrari SF16-H, 1:25,977 (58)
4. Kevin Magnussen (DK), Renault RS16, 1:26,014 (103)
5. Nico Rosberg (D), Mercedes F1 W07 Hybrid, 1:26,084 (74)
6. Carlos Sainz (E), Toro Rosso STR11-Ferrari, 1:26,239 (152)
7. Felipe Nasr (BR), Sauber C34-Ferrari, 1:26,392 (112)
8. Lewis Hamilton (GB), Mercedes F1 W07 Hybrid, 1:26,421 (77)
9. Daniil Kvyat (RU), Red Bull Racing RB12-TAG Heuer, 1:26,497 (74)
10. Felipe Massa (BR), Williams FW38-Mercedes, 1:26,712 (109)
11. Jenson Button (GB), McLaren MP4-31-Honda, 1:26,919 (51)
12. Rio Haryanto (RI), Manor MRT05-Mercedes, 1:29,808 (72)

Barcelona-Testzeiten, 2. Tag

1. Sebastian Vettel (D), Ferrari SF16-H, 1:22,810 (125)
2. Daniel Ricciardo (AUS), Red Bull Racing RB12-TAG Heuer, 1:23,525 (112)
3. Sergio Pérez (MEX), Force India VJM09-Mercedes, 1:23,650 (101)
4. Nico Rosberg (D), Mercedes F1 W07 Hybrid, 1:24,867 (172)
5. Marcus Ericsson (S), Sauber C34-Ferrari, 1:25,237 (108)
6. Esteban Gutiérrez (MEX), Haas VF-16-Ferrari, 1:25,524 (78)
7. Valtteri Bottas (FIN), Williams FW38-Mercedes, 1:25,648 (134)
8. Pascal Wehrlein (D), Manor MRT05-Mercedes, 1:25,925 (71)
9. Fernando Alonso (E), McLaren MP4-31-Honda, 1:26,082 (119)
10. Jolyon Palmer (GB), Renault RS16, 1:26,189 (42)
11. Max Verstappen (NL), Toro Rosso STR11-Ferrari, 1:26,539 (121)

Barcelona-Testzeiten, 1. Tag

1. Sebastian Vettel (D), Ferrari SF16-H, 1:24,939 (69 Runden)
2. Lewis Hamilton (GB), Mercedes F1 W07 Hybrid, 1:25,409 (155)
3. Daniel Ricciardo (AUS), Red Bull Racing RB12-TAG Heuer, 1:26,044 (86)
4. Valtteri Bottas (FIN), Williams FW38-Mercedes, 1:26,091 (80)
5. Alfonso Celis (MEX), Force India VJM09-Mercedes, 1:26,298 (57)
6. Jenson Button (GB), McLaren MP4-31-Honda, 1:26,860 (83)
7. Carlos Sainz (E), Toro Rosso STR11-Ferrari, 1:27,180 (55)
8. Marcus Ericsson (S), Sauber C34-Ferrari, 1:27,555 (88)
9. Pascal Wehrlein (D), Manor MRT05-Mercedes, 1:28,292 (54)
10. Romain Grosjean (F), Haas VF-16-Ferrari, 1:28,399 (31)
11. Jolyon Palmer (GB), Renault RS16, 1:29,356 (37)

Die wichtigsten Termine

Präsentationen/Roll-out
1. März: Präsentation Sauber (Circuit de Barcelona-Catalunya)
1. März: Präsentation Toro Rosso (Circuit de Barcelona-Catalunya)

Formel-1-Wintertests
22.–25. Februar: Spanien (Barcelona)
1.–4. März: Spanien (Barcelona)

Formel-1-WM
20. März: Australien (Melbourne)
3. April: Bahrain (Sakhir)
17. April: China (Shanghai)
1. Mai: Russland (Sotschi)
15. Mai: Spanien (Barcelona)
29. Mai: Monaco (Monte Carlo)
12. Juni: Kanada (Montreal)
19. Juni: Aserbaidschan (Baku) *
3. Juli: Österreich (Spielberg)
10. Juli: Grossbritannien (Silverstone)
24. Juli: Ungarn (Budapest)
31. Juli: Deutschland (Hockenheim)
28. August: Belgien (Spa-Francorchamps)
4. September: Italien (Monza)
18. September: Singapur
2. Oktober: Malaysia (Sepang)
9. Oktober: Suzuka (Japan)
23. Oktober: USA (Austin) **
30. Oktober: Mexiko (Mexiko-Stadt)
13. November: Brasilien (Sao Paulo)
27. November: Abu Dhabi (Insel Yas)
* Strecke noch nicht homologiert
** Finanzierung noch nicht gesichert

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