Sauber mit schwedischen Investoren: Neuer Aufbau

Kolumne von Mathias Brunner
Formel 1
Tetra Pak rettet Sauber: Schützen, was gut ist

Tetra Pak rettet Sauber: Schützen, was gut ist

​Teamchefin Monisha Kaltenborn ist gelungen, was ihr viele nicht zugetraut hätten: Sauber ist gerettet. Die Weichen dazu hat jedoch ein anderer gestellt – der schwedische Rennfahrer Marcus Ericsson.

Sauber ist gerettet, und es scheint nur Gewinner zu geben: Der Standort Hinwil ist gesichert, das Schuldenloch (angeblich mindestens im hohen zweistelligen Bereich) wird zugeschüttet, die Mitarbeiter erkennen wieder eine Zukunft, der tapfere Firmengründer Peter Sauber sieht sein Lebenswerk gesichert, Teamchefin Monisha Kaltenborn ist gelungen, was viele Kritiker der gelernten Juristin nicht zugetraut hätten – Sauber zu erhalten.

Kritik war durchaus gestattet: Ein Millionen-Deal mit russischen Firmen löste sich in Rauch auf, Sauber rutschte in eine sportliche Baisse, dazu gab es anhaltende Querelen mit den Piloten. Mit dem unrühmlichen Höhepunkt Australien 2015, als der Niederländer Giedo van der Garde in Melbourne das Sauber-Material beschlagnahmen lassen wollte.

Der Grund für die rechtlichen Schritte von van der Garde: Er hatte für 2015 ein Abkommen als GP-Pilot für Sauber unterzeichnet. Aber Kaltenborn engagierte Marcus Ericsson und Felipe Nasr – deren Mitgift hielten Sauber mit der Nase eben mal so über Wasser.

Die Verpflichtung von Ericsson erwies sich für Peter Sauber und Monisha Kaltenborn als Glücksfall. Denn hier wurden die Weichen zur Rettung des Rennstalls gestellt.

Ericsson kann seit Jahren auf treue Mäzene zählen, die weitgehend im Hintergrund bleiben. So gut wie keiner erkennt sie, wenn sie mal an einer Rennstrecke auftauchen. Er selber spricht nicht über diese Männer.

Ericsson soll beispielsweise von Stefan Persson unterstützt werden, dem reichsten Schweden, Sohn von Erling Persson, dem Gründer des Textil-Unternehmens Hennes & Mauritz. H&M gehört mit rund 3000 Geschäften in 40 Ländern zu den grössten Textileinzelhändlern der Welt. Markenwert des Unternehmens: fast 14 Milliarden Dollar. Gewinn 2015: 2,2 Milliarden Dollar. Da wird ein Formel-1-Ticket für Ericsson beinahe aus der Kaffeekasse gelöst.

Aber H&M taucht nicht auf dem Renner auf, ebenso wenig wie Tetra Laval – der zweiten grossen Firma, die hinter der Karriere von Ericsson steht.

Tetra Laval ist dank des Getränkekartonsystems Tetra Pak zu einer Weltfirma geworden: Die Firma mit Sitz in Pully (Westschweiz) beschäftigt fast 23.500 Mitarbeiter und setzte 2014 13,5 Milliarden Euro um.

Tetra Laval wurde von Ruben Rausing gegründet, weltweit zum Erfolg geführt von seinen Söhnen Hans und Gad Rausing, heute ist die Firma in Besitz von Kirsten und Finn Rausing. Am Ruder steht CEO Denis Jönsson, und dessen Freude am Motorsport war der Grund, wieso vor Jahren auf den jungen Marcus Ericsson gesetzt wurde.

Tetra Laval steht hinter jener Finanzgesellschaft Longbow, die nun Sauber übernommen hat. Aber bei aller Erleichterung über die Sauber-Rettung bleibt die Frage: Was will Tetra Laval via Longbow eigentlich mit einem Formel-1-Rennstall?

Monisha Kaltenborn, die CEO und Teamchefin von Sauber bleibt: «Wir sind sehr zuversichtlich, dass Longbow Finance S.A. der perfekte Partner ist, um das Team in der Formel 1 wieder konkurrenzfähig und erfolgreich zu machen. Gleichzeitig erlaubt die neue Struktur auch, dass wir unser Drittkundengeschäft weiter ausbauen und in neue Bereiche vorstossen können. Diese Lösung ist in bestem Interesse für alle Mitarbeitenden, für die Partner des Teams, für unsere Lieferanten, für den Standort Hinwil und für den Schweizer Motorsport. Wir sind Longbow Finance S.A. sehr dankbar, dass sie an die Kompetenzen, die Fähigkeiten und die Effizienz der Sauber Gruppe glauben und uns diese Chance geben. Wir freuen uns auf eine spannende Zukunft.» Gegenüber den Kollegen der Tageszeitung Blick sagt sie: «Longbow sieht Sauber als Investition. Sie erkennen, dass Hinwil auch als Technologie-Standort eine Zukunft hat.»

Die Aktiengesellschaft Longbow Finance S.A. mit Sitz in Lutry (im Kanton Waadt, Westschweiz) wird gemäss Schweizer Handelsregister vom früheren Bankier Raymond J. Bär (57) als Verwaltungsrats-Präsident geführt, operativer Leiter ist der Italiener Pascal Picci (57). Das Unternehmen ist sein zwanzig Jahren in der Sparte Finanzinvestment tätig.

Sauber äussert sich zu Hintergründen des Kaufvertrags nicht. Von einer kurzen Stellungnahme von Pascal Picci abgesehen («Als Schweizer Unternehmen sind wir sehr erfreut, die Zukunft einer Schweizer Firma in einer hoch spezialisierten und innovativen Industrie zu sichern.») äussert sich auch Longbow zur Übernahme nicht.

Longbow ermöglicht Sauber einen Neustart. Monisha Kaltenborn nennt das – Vorwärtsstrategie statt Brände löschen.

Der Firmenslogan von Tetra Pak passt hervorragend zum Kauf von Sauber: Tetra Pak – schützt, was gut ist.

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