Ungarn-Training: Hamilton vorne, Ferrari liegt zurück

Von Mathias Brunner
Formel 1
​Erstes freie Training zum Grossen Preis von Ungarn auf dem Hungaroring: Gewohntes Bild – beide Mercedes-Renner vorne. Ferrari liegt zurück. Der neue Asphalt auf dem Hungaroring stellt Rätsel.

Nach schweren Gewittern in der Nacht auf Freitag begann das erste freie Training zum Grossen Preis von Ungarn auf feuchter Bahn – und damit mit vielen Intermediate-bereiften Autos. Die grün gekennzeichneten Reifen für Mischverhältnisse waren eine weise Idee: Zunächst lagen auf dem Hungaroring viele Pfützen.

Die Fahrer gingen mit vielen Fragezeichen auf die Bahn, denn die ungarische Rennstrecke ist zur Ausgabe 2016 hin komplett frisch asphaltiert worden. Ferrari-Star Kimi Räikkönen: «Keiner kann sagen, wie sich das auf das Krafteverhältnis im Feld auswirken wird. Wenn überhaupt.»

Zahlreiche Randsteine rund um die Traditionsbahn sind zudem neu geformt worden. Pirelli-Rennchef Paul Hembery: «Ich erwarte aufgrund des neuen Asphalts und wegen der geänderten Kerbs deutlich schnellere Rundenzeiten.» Die Randsteine wurden übrigens in den ungarischen Landesfarben bemalt (rot, weiss, grün).

Grosses Thema im Fahrerlager: Der neue Zweijahresvertrag für Nico Rosberg bei Mercedes-Benz. Paul di Resta, früherer Formel-1-Fahrer bei Force India und heute Mitarbeiter der britischen Sky: «Das gibt Mercedes in zwei Jahren alle Möglichkeiten.» Denkbar ist, einen jungen Piloten nachzuziehen (Pascal Wehrlein oder Esteban Ocon) und aus Gründen der Kontinuität einen Star zu behalten.

Apropos Paul di Resta: Verblüffenderweise ist der Schotte der vorderhand letzte Force-India-Fahrer, der auf dem Hungaroring gepunktet hat – und das war vor fünf Jahren!

Anderer Aufreger: Wird das Getriebe von Nico Rosberg in Ungarn das ganze Wochenende über einsatzfähig sein? Der WM-Leader ging mit jener Kraftübertraung ins Training, welche in Silverstone im siebten Gang steckenblieb. Nach dem freien Training soll herausgefunden werden, ob das Getriebe weiterverwendet werden kann.

Sorgen mit den Reifen

Die Williams-Fahrer Felipe Massa und Valtteri Bottas wagten sich als als erste Piloten mit profillosen Slickreifen auf die Bahn. Mit der gelb markierten weichen Mischung. Da die Strecke mit dem neuen Belag noch kaum befahren worden ist, rutschen die Wagen sehr stark. Die Gefahr dabei: Dass die Reifen zu körnen beginnen. Beim gefürchteten «graining» bilden sich auf der Reifenoberfläche kleine Gummikügelchen – weil der Reifen sich nicht optimal mit der Fahrbahn verbindet (haftet), sondern der Gummi zu stark auf dem Asphalt schmirgelt. Reifen, die so reagieren, erholen sich nicht immer. Für den Fahrer fühlt sich das im Extremfall an, als fahre er auf Eis.

Das Ferrari-Duo rückte als erste Fahrerkombination mit dem superweichen Reifen aus (rot markiert), die Italiener haben für Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen je neun Sätze der superweichen Walzen bereitlegen lassen.

Reihenfolge nach einer halben Stunde: Rosberg acht Zehntelsekunden vor Räikkönen, gefolgt von Bottas, Ricciardo und Hamilton. Kurz darauf legte Weltmeister Lewis Hamilton eine 1:23,8 min in die Bahn – schon 1,3 Sekunden schneller als die Bestzeit im ersten freien Ungarn-Training vor einem Jahr.

Abstimmungsprobleme bei Jenson Button: Sein McLaren-Honda setzte beim Anbremsen der ersten Kurve mit dem Unterboden auf. Paul di Resta weiss: «Dort war früher ein hässlicher Buckel. Ich schätze, das sollte mit einem neuen Belag eigentlich erledigt sein. Aber vielleicht ist der McLaren ein wenig zu tief gelegt. Das kann bei den Abstimmungsarbeiten an einem Freitagmorgen schon mal passieren.»

Zahlreiche Dreher

Fernando Alonso hatte andere Sorgen: Dreher in der letzten Kurve vor Start und Ziel – selbst der zweifache Weltmeister konnte, leicht abseits der Ideallinie, den ausbrechenden Wagen nicht abfangen.

Manor-Fahrer Pascal Wehrlein brachte seinen Renner nach nur einer Runde zurück an die Box: Der Sigmaringer konnte den Pit-Limiter nicht ausschalten, der eigentlich dazu da ist, das Tempo in der Boxengasse auf 80 km/h einzuschränken.

Ferrari und Williams erprobten weiter ihre neuen Flügel: Die Italiener fahren mit einem Heckflügel mit frisch geformten Seitenplatten. Die Briten haben einen Frontflügel dabei, der mehr Anpressdruck erzeugen soll, ohne zu viele Kompromisse bei der Windschlüpfigkeit eingehen zu müssen.

Gewohntes Bild nach einer Stunde: Beide Silberpfeile vorne, Hamilton gut zwei Zehntelsekunden vor Rosberg. Rückstand von Sebastian Vettel zu diesem Zeitpunkt: satte 1,6 Sekunden. Natürlich entspricht das nicht dem wahren Kräfteverhältnis, aber bislang wirkt Ferrari nicht wie ein Team, das den Ungarn-GP gewinnen wird.

Zur gleichen Zeit kreiselte wie zuvor Fernando Alonso auch Sebastian Vettel, der Deutsche allerdings in Kurve 12, weil der Heppenheimer am Scheitelpunkt der Kurve den Randstein etwas optimisch in seine Ideallinie eingeplant hatte.

Wenig später war die Reihe an Jenson Button: Dreher in Kurve 5.

Ein anderer Brummkreisel: Ferrari-Zögling Charles Leclerc im Haas-Renner. Auch für den Monegassen ging der Dreher glimpflich aus.

Jolyon Palmer hat einmal mehr Sorgen mit seinem Renault: Schwierigkeiten mit einer Benzinpumpe. Der GP2-Meister von 2014 konnte nur ein halbes Dutzend Runden drehen.

Viel sollten wir von Renault in der zweiten Saisonhälfte sowieso nicht erwarten: Die Franzosen haben bestätigt, dass sie die Entwicklung des 2016er Wagens einstellen und sich ganz auf 2017 konzentrieren werden.

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