Stefan Johansson: «Formel 1 verfeuert sinnlos Geld»

Von Mathias Brunner
​Der frühere Grand-Prix-Fahrer Stefan Johansson spricht darüber, wie Liberty Media die Formel 1 verändern könnte. Und wieso die völlig unsinnige Geldverbrennung munter weitergeht – ohne Mehrwert für die Fans.

Die Formel 1 bekommt einen neuen Mehrheitsbesitzer: Die Investmentfirma CVC geht, das US-Medienunternehmen Liberty Media kommt. Das ist eine Chance für die Königsklasse, der Stagnation zu entfliehen, wie auch der frühere Formel-1-Rennfahrer Stefan Johansson in seinem neuen Blog festhält.

Der 60jährige Schwede sagt in seinem Rennblog: «Grundsätzlich muss ich festhalten, dass ich nicht viel mehr weiss, als in den Medien über den Deal zu lesen war. Aber ich hoffe, dass Liberty das Geschäft ein wenig pragmatischer angeht, dass diese Firma ein wenig offener für Ideen ist.»

«Die Formel 1 bleibt weltweit ein unfassbar populärer Sport, aber sie könnte erheblich mehr Menschen erreichen. Wir leben in einer Welt, die sich sehr schnell wandelt. Die ganzen digitalen Plattformen und sozialen Netzwerke zeigen das täglich. Und mit ihnen lässt sich durchaus Gewinn erzielen. Wenn Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone behauptet, im Internet liesse sich kein Geld machen, dann hat er bislang mit den falschen Leuten gearbeitet. Schaue ich mir die offizielle Formel-1-Seite im Netz an, mit all diesen Links, die nicht funktionieren, mit ihrem eher plumpen Erscheinungsbild, dann sehe ich auf den ersten Blick, wie lieblos und ohne grosse Anstrengung die hergestellt wurde.»

Der 79fache GP-Teilnehmer (WM-Fünfter 1986) meint weiter: «NASCAR hat vorgemacht wie das heute geht. Sie sind digital auf der Höhe, und sie verdienen mit diesen Angeboten Geld.»

Geld ist für den früheren Ferrari- und McLaren-Fahrer ein Reizthema, denn Johansson erklärt: «Ich habe vor kurzem in Los Angeles einen Rennsimulator besucht. Dort stand ein zwei Jahre altes Williams-Chassis, das diese Firma gekauft hat, um ihn zu einem Simulator umzubauen. Ich konnte mir in Ruhe den Wagen anschauen. Wie etwa die Servo-Zahnstangenlenkung. Ein absolutes Kunstwerk! Ich kann mir gut vorstellen, dass vier Dutzend Fachleute dieses Teil entworfen und gebaut haben. Es ist ganz exquisit, aber ich frage mich – wozu?»

«Ich sehe nicht ein, wieso in der Formel 1 nicht eine einheitliche Lenkung verwendet wird. Das würde einen Bruchteil der Kosten erzeugen. Und die Lenkung ist nur eines von vielen Teilen, das die Fans gar nie zu Gesicht bekommen.»

«Der Wahnsinn geht weiter. Schaut euch nur mal die komplex geformten Lufteinlässe für die Bremsen an. Jedes Team arbeitet an Hochdruck an immer hochgestocheneren Ausführungen. Aber welcher Fan achtet schon darauf? Da könnten viele Millionen gespart werden.»

«IndyCar bietet tollen Sport mit standardisierten Teilen. Die besten Teams zerbrechen sich noch immer die Köpfe und arbeiten sich die Rücken buckelig, wie sie einen Vorteil gewinnen können. Ich finde nicht, dass die Formel 1 den Weg von IndyCar beschreiten sollte, denn dort wurde mit den vorgeschriebenen Teilen fast zu weit gegangen. Aber ich wäre dafür, dass teure Teile, welche mit der Show nichts zu tun haben, vereinheitlicht werden. Ich behaupte: Wenn ein Rennstall nicht eine Formel-1-Saison für 100 Millionen Dollar bestreiten kann, dann stimmt mit dem Sport fundamental etwas nicht.»

«Dass Liberty weiterhin mit Bernie Ecclestone arbeiten will, finde ich gut. Gewiss, einige schimpfen über den Formel-1-Promoter, aber die meisten lieben ihn. Er ist wie unser aller Grossvater. Jedem muss klar sein: Die Formel 1 wäre ohne ihn nie so weit gekommen. Er hat in mühevoller Arbeit Stein um Stein des Fundaments gesetzt. Die Leute sollten nicht über ihn meckern, sie sollten schätzen, was er für den ganzen Motorsport getan hat.»

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