Allan McNish: «Erstes Rennen wird ein Würfelspiel»

Von Gerhard Kuntschik
Formel E
Allan McNish

Allan McNish

Den Start der fünften Saison der Formel E am Samstag in Ad Dirijah am Rande der saudischen Hauptstadt Riad sehen alle Teamchefs und Fahrer als bisher größte Herausforderung.

So auch der Chef des Titelverteidigers der Konstrukteure, Audi-Rennboss Allan McNish. «Bei so vielen Änderungen, vom Auto über die Batterien bis zum Reglement, das neue Strategien erfordert, ist eine Vorhersage eigentlich unmöglich.» Auch die Champions von Audi müssen neu beginnen: «Der Titel 2018 ist nur noch eine schöne Erinnerung, jetzt geht es an neue Aufgaben, und alle wollen gerade uns schlagen», erklärte der schottische Le-Mans-Sieger am Freitag.

McNish ist optimistisch, auf «den sehr guten Antriebsstrang von letzter Saison aufbauen zu können. Aber wir steckten auch viel Arbeit in die Entwicklung des neuen.»

Und er möchte tunlichst «die kleinen Probleme am Beginn der vergangenen Saison», auf die er angesprochen wurde, vermeiden: «Danke für diese schmeichelhafte Formulierung», meinte er gut gelaunt. Für die neuen Strategien aufgrund der Einführung des Angriffsmodus hat Audi «keinen generellen Plan. Wir müssen herausfinden, wo die Vor-und Nachteile liegen, welches Timing richtig ist. Dazu müssen wir die freien Trainings für die Simulationen nützen.» Fazit des Schotten: «Bei so viel Neuem in dieser Saison ist das erste Rennen wie ein Würfelspiel. Vor allem auf dieser Strecke.»

Ähnlich sieht es auch DS Techeetah-Boss Mark Preston: «45 Minuten durchzufahren und dazu der Attack Mode und die Ungewissheit über die Haltbarkeit der Reifen machen die Sache wirklich spannend. Da wird es viele unterschiedliche Strategien geben.»

Für seine Mannschaft, die mit Jean-Eric Vergne den Fahrertitel verteidigt, ist die Unterstützung durch einen Hersteller ein großer Vorteil: «Als Werkteam hatten wir eine sehr solide Vorbereitung. Fast wie damals in den alten Tagen der Formel 1», meinte der Australier mit langer McLaren-Vergangenheit. Doch auch er schränkt ein: «Du weißt nie, was die anderen versuchen oder schaffen werden.»

Positiv sieht Preston die Entwicklung von André Lotterer in der zweiten Hälfte der vorigen Saison, «da reifte er zum Spitzenfahrer. Er ist nun gleichauf mit Jean-Eric. Ich hoffe, er macht so weiter.»

Im Gegensatz zu einigen weiblichen Teammitgliedern verzichtete Venturi-Chefin Susie Wolff auf eine Abaya (langes dunkles Überkleid) und tritt hier in der regulären Teamkleidung auf. «Die neue Saison verspricht vor allem Aufregung und Ungewissheit», sagt die Schottin, die erst knapp vor dem Juli-Finale der Saison vier die Führung von Venturi übernahm.

«Wir haben eine Vision für die Zukunft von Venturi, und die beginnen wir jetzt umzusetzen.» Sie sei stolz auf die Fahrerpaarung mit dem routinierten Stadtkurs-Spezialisten Edoardo Mortara und dem «Rookie» Felipe Massa: «Ich bin sicher, Felipe wird trotz seiner jahrelangen F1-Erfahrung die Formel E und das hohe Niveau der Konkurrenten nicht unterschätzen. Beide Fahrer sind gut für regelmäßige Punkteplätze.»

Wolff sieht die limitierte Zeit in den Trainings als größte Herausforderung in der optimalen Vorbereitung. Auch der Attack Mode ist eine Unbekannte: «Wir testeten das System in Valencia, aber ich bin mir nicht sicher, wie wir es hier umsetzen werden. Die Simulationen waren die Theorie, jetzt erwartet uns die Praxis.»


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