Heiss, Heisser, Salzburg

Kolumne von Esther Babel
IDM Superbike
Babel (D) und Veneman (NL): keiner feierte den WM-Titel

Babel (D) und Veneman (NL): keiner feierte den WM-Titel

Von Attentaten, Killer-Mücken und Fussball-Fieber

Die gute Nachricht zuerst (alles Ansichtssache). Das von Yamaha Motor Deutschland am Sonntagabend nach dem Rennen auf dem Salzburgring auf der Autobahn verübte Attentat gegen mich, ist fehlgeschlagen. Da kommt man nichtsahnend zu später Stunde auf der A99, Ost-Umfahrung München, um die Ecke gepfiffen, da liegt plötzlich ein grosses, schwarzes Ungetüm mitten auf der mittleren Spur. Die nach einem Platzer übrig gebliebenen Reifen-Reste des Yamaha-Trucks.

Jungs, wenn ihr Probleme mit meiner Berichterstattung in SPEEDWEEK habt, man kann über alles reden. Nach eingehender Recherche ist klar, alle Beteiligten sind gut zu Hause angekommen.

Angefangen hatten die Versuche, mich aus dem Weg zu räumen, bereits am Freitag bei meiner Fahrt zum IDM-Wochenende auf dem Salzburgring. Kaum hatte ich die deutsch-österreichische Grenze überquert, war ich dem Angriff eines österreichischen Killer-Insekts ausgesetzt. Die mutierte Monster-Mücke stach mich in die Wade. Überlebt hat das Vieh die Attacke nicht. Auch ich habe Killer-Instinkte. Hohn und Spott waren mir aufgrund meiner handtellergrossen und feuerroten Beule den Rest des Wochenendes sicher. Keine Hilfe waren die Auskünfte von «Dr.» Manuel Strell, seines Zeichen KTM-Mechaniker von Stefan Nebel. Der hatte nämlich im Vorjahr, ebenfalls in Salzburg, nach einem Wespenstich eine Blutvergiftung davon getragen. «Sprüh Bremsenreiniger drauf», lautete sein Rat. Der Versuch, den österreichischen Supersport-Piloten Michi Ranseder zur Rechenschaft zu ziehen, scheiterte. Er meinte, das wäre eine Mücke aus dem benachbarten Tschechien. Mücken aus Österreich würden so was nicht tun. An lange Hosen zur Tarnung war bei über 30 Grad nicht zu denken. Auch nicht an einen Hauch von Mitleid. Und nein, eine rote Warnleuchte, damit ich in der Boxengasse nicht überfahren werde, war’s auch nicht.

Pünktlich zum WM-Fussball-Spiel Niederlande gegen Brasilien versammelte man sich am Freitagnachmittag in den halbwegs kühlen Räumen der Fahrerlager-Gaststätte. Wie nicht anders zu erwarten waren die Fans der Niederlande in der Überzahl. Mitten drin der niederländische Superbike-Pilot der Barry Veneman. Mit dem hatte ich am Sachsenring schon das Vorrunden-Spiel der Niederlande angeschaut und weiss seitdem, dass er an WM-Spieltagen seiner Mannschaft Unterhosen in Nationalfarben trägt. Um allen Gerüchten vorzubeugen. Der 10-Sekunden-Strip fand damals in aller Öffentlichkeit statt. Doch gleiches Recht für alle. Da es mein Kollege Ivo Schützbach immer schafft, bei den Berichten über die Superbike-WM-Rennen in der entsprechenden Print-Ausgabe von SPEEDWEEK das Foto einer vollbusige Schönheit mit einem Hauch von Nichts am wohl gebräunten Leib, abzudrucken, schau ich mich eben um, was es im IDM-Fahrerlager Ansehnliches gibt.

Am Samstagmorgen forderte die unerträgliche Hitze ihren Tribut im Presse-Zentrum. Jeder war auf Krawall gebürstet. Die Zeitenmonitore waren tot. Ein Ring-Mitarbeiter erzählte, der entsprechende TV-Sachbearbeiter käme um 11 Uhr. Ein allgemeiner Aufschrei der Entrüstung. Bei nochmaliger Nachfrage stellte sich heraus, der TV-Mensch hatte lediglich die telefonische Durchwahl-Nummer 11 und war bereits auf dem Weg. Die drohende Lynch-Justiz des tobenden Presse-Mobs konnte gerade noch abgewendet werden. Dann die Ansage: Fussball gucken verboten. Um 16 Uhr sollte der Anstoss zum Viertelfinal-Spiel Deutschland:Argentinien sein. Zeitgleich mit dem Start der IDM-Supersport. Das Thema Lynch-Justiz kam wieder auf. Doch auch das wurde geklärt. Lediglich in der Race-Control war Fernsehschauen aus gutem Grund untersagt.

Nachmittag der pure Stress. Das Salzburger Pressebüro ist eingebettet zwischen die Start- und Zielgerade und der langen Bergauf-Passage. Bei geschlossenen Fenstern drohte man am Mief und an der Hitze zu ersticken. Bei geöffneten Fenstern lief man Gefahr, einen Hörschaden davon zu tragen. Dann mit einem Auge auf dem Zeitenmonitor des Supersport-Rennens, mit dem anderen beim Fussball-Spiel, alle zehn Minuten enthusiastisch «TOOOOR» brüllen und neben mir Superbike-Pilot Matej Smrz, der lieber umschalten und das Tennis-Spiel aus Wimbledon sehen wollte. Ich sage nur Lynch-Justiz. Doch zu seinem eigenen Besten bekam er die Fernbedienung nicht in die Finger.

Doch alles wurde gut. Das Internet hat erstmals in meiner Laufbahn auf dem Salzburgring nahezu perfekt funktioniert. Ich habe mit Unterstützung von Thomas Berghammer (Sieger des IOEM-Supersport-Rennens) zum guten Schluss noch das österreichische Punktesystem verstanden und bin heil nach Hause gekommen.

Man sieht sich. Anfang August in Schleiz.

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