James Hinchcliffe: Wie lange dauert das Märchen an?

Von Gerhard Kuntschik
Indy Car
Es ist die Story, die die Amerikaner besonders lieben: Knapp am Tod vorbei und auferstanden wie der Phönix aus der Asche… Die aktuelle Folge dieses Märchens schreibt der Kanadier James Hinchcliffe (29).

Vor einem Jahr war James Hinchcliffe an gleicher Stelle in Lebensgefahr und jetzt Pole-Setter für die 100. 500 Meilen von Indianapolis am Sonntag. Dass sein Teamchef noch dazu im Rollstuhl sitzt, ist ein weiteres Detail für die besondere Geschichte.

Seit 2011 fährt der aus Oakville,Ontario stammende Hinchcliffe bei den Indycars, ausser einigen Einsätzen in A1-GP-Rennen trat er erstaunlicherweise nie in Europa an. 2012 stand er als Dritter in einem Andretti-Auto in Long Beach erstmals auf dem Podest, 2013 feierte er in St. Petersburg, Sao Paulo und Iowa gleich drei Siege auf dem Weg zum achten Meisterschaftsrang.

Ein vierter Sieg folgte, nun für Schmidt-Peterson, 2015 in Louisiana. Dann kam Indy – Hinchcliffe prallte im Training in die Mauer, ein Aufhängungsteil bohrte sich in seinen Körper und liess ihn fast verbluten. Der Kanadier überlebte, die Saison war aber zu Ende – noch vor dem Qualifying in Indy für sein 75. Rennen in dieser Serie.

Indy 2016: Vor zwei Wochen fuhr Hinchcliffe im GP von Indianapolis (auf dem infield-Kurs) mit Platz 3 erstmals seit dem Sieg in Louisiana aufs Podest. Und holte eine Woche später mit 230,76 Meilen Schnitt seine erste Indycar-Pole.

Teamchef Sam Schmidt war selbst Indycar-Pilot, bis er beim Training auf dem Disney-Trioval in Orlando im Januar 2000 in der Mauer einschlug und lebensgefährlich verletzt wurde. Zwei gebrochene Wirbel bedeuteten Querschnittlähmung, fünf Wochen wurde Schmidt künstlich beatmet. Und formierte 2001, 14 Monate nach dem Unfall, sein neues Team.

Keine Angst vor einem grausamen Schicksal oder dem Tod, James? «Nein. Wir akzeptieren das Risiko, weil unsere Leidenschaft für den Motorsport so gross ist», erklärt er. Und fügt an: «Ein Surfer, der von einem Hai angebissen wird, surft auch weiter.» Für Hinchcliffe geht es um die Frage: «Wie sehr liebe ich den Sport und wie viel Risiko bin ich bereit auf mich zu nehmen.»

Für den Kanadier ist Gefahr auch eine Frage der Perspektive: «Wir alle sind überzeugt, dass der Sport noch nie so sicher war wie heute. Sicherer als vor zehn, 20, 40 Jahren. Die Kerle der 1980er oder 1970er-Jahre sagten das wohl auch über frühere Jahre.»

Teamchef Schmidt weiss am besten, wie hoch Hinchcliffes Leistung einzuschätzen ist: «Er kam nach dem Unfall zurück. Was er jetzt leistete, war enorm. Vorher wusste er nicht, wie es laufen würde. Er trat aufs Gas und schaffte es.» Schmidt fährt in Indy übrigens Demo-Runden mit einer speziell ausgestatteten Chevy Corvette, die er mit Kopfbewegungen steuert.

Da passt auch in die Geschichte, dass Hinchcliffe – der sich in sozialen Netzwerken als imaginärer Bürgermeister der imaginären Gemeinde Hinchtown gibt – seinen Landsmann Greg Moore als sein Idol bezeichnet, dem er als Bub begeistert folgte und der ihn zum Rennsport «trieb».

Die Geschichte Moores, des Indy Lights-Meisters 1995 und zwischen 1996 und 1999 fünffachen Siegers in der Vorgängerserie CART (alle in einem Forsythe-Mercedes), endete nicht wie in einem Märchen. Sondern tödlich. Moore starb erst 24-jährig im Saisonfinale 1999 auf dem California Speedway.

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