MotoE

MotoE-Premiere: Ladestationen mit Diesel-Generatoren

Von - 04.07.2019 23:09

Vor dem ersten MotoE-Weltcup sehen wir viele Fragezeichen. Die Bikes leisten 160 PS, sind aber langsamer als die 55 PS starken-Moto3-Maschinen. Von erneuerbarer Energie ist nichts zu sehen.

Am Sonntag um 10 Uhr findet auf dem Sachsenring die Premiere des Enel MotoGP-Weltcups statt. Diese hätte schon am 7. Mai in Jerez über die Bühne gehen sollen. Aber nach dem ersten Testtag Mitte März in Jerez zeigte sich, wie rasch Elektro-Bikes zu Verbrennern werden können. Die mehr als 20 Bikes brannten nach Mitternacht ab. Die insgesamt rund 1 Million Euro teuren Bikes waren nicht versichert, über die Kosten des Neuaufbaus der 23 Energica Ego-Rennmaschinen streiten Dorna und Seriensponsor Enel jetzt vor Gericht. Die zwölf Teams mit ihren 18 Bikes haben im Schnitt 40.000 bis 50.000 Euro in den Flammen verloren. Auch dieses Material (Werkzeug, Boxendekoration, Helme, Lederkombis, Computer etc.) war nicht versichert. Jetzt streiten Dorna und Enel um den Gesamtschaden von ca. 1,5 Millionen Euro. Die Kosten für die 23 neuen Motorräder von Energica hat vorläufig Enel übernommen.

In Jerez beim Test kam der Strom aus der Steckdose, von der zwei Jahre lang propagierten erneuerbaren Energie ist auch heute nichts zu sehen. Die Generatoren werden mit Diesel angetrieben. «Mit Biodiesel», beteuert MotoE-Direktor Nicolas Goubert. Übrigens: In Deutschland wird bei Biodiesel dem herkömmlichen Dieselkraftstoff 7 Prozent Biodiesel beigemischt. So kann man das grüne Gewissen nur geringfügig beruhigen...

Beim MotoE-März-Test in Jerez wusste nach dem ersten Tag um 21 Uhr noch kein Team, ob es der italienische Energieversorger Enel bis zum nächsten Tag schaffen würde, die 100 kg schweren Batterien der 18 Motorräder bis zum nächsten Tag aufzuladen. Es wurden Stromkabel duchs ganze Fahrerlager verlegt. Der Strom kam ganz klar aus der Steckdose.

Jetzt versichert Nicolas Goubert: «Die Ladezeit beträgt ca. eine Stunde. Die Ladezeit ist für uns kein Thema, zumindest nicht vom Motorrad her. Aber wir mussten von der Charging-Seite einige Änderungen vornehmen. Wir haben jetzt sechs Ladestationen. Das sind ‚fast charger‘, sie sind nichts Besonderes. Beim Jerez-Test hatten wir noch Probleme mit dem System. Ursprünglich wollten wir andere Ladesysteme für den Saisonstart nutzen. Aber dieses System ist bisher nicht startbereit. Deshalb nutzen wir hier und in Spielberg normale ‚charging stations‘, die modifiziert und adaptiert wurden. Es ist geplant, dass wir beim dritten Rennen in Misano neue, spezielle Ladestationen bekommen. Ab Misano möchten wir grüne Energie nutzen, wie wir von Beginn weg angekündigt haben. Dann verwenden wir keine Biodiesel-Generatoren mehr.»

Übrigens: 100 Meter von der Stelle entfernt, an der sich SPEEDWEEK.com mit Goubert unterhielt, waren zehn Ladestationen zu sehen, nicht sechs. Eine relativ hohe Anzahl, wenn das Laden der 18 Batterien wirklich nur eine Stunde pro Exemplar dauert.

Enel kauft für die Verbesserung der Ökobilanz Zertifikate für den CO2-Ausgleich. Für den ökologischen Fußabdruck soll entsprechend viel Regenwald angepflanzt werden.

Wie soll also die erneuerbare Energie in Misano zustande kommen? Goubert: «Wir werden einige Ladestationen mit Solarzellen betreiben. Aber auch am Grid werden wir grüne Energie haben, die Energica produzieren wird.»

Es darf nicht mehr brennen

Die Bemühungen der MotoE-Mannschaften werden argwöhnisch betrachtet. Die Angst vor einem weiteren Feuersbrunst ist allenthalben zu spüren. Nach dem Feuerinferno von Jerez wurde sogar ein Feuerwehrauto aus Spanien nach Hohenstein-Ernstthal kutschiert. «Der Motor lief die ganze Nacht, um 3 Uhr in der Nacht auf Donnerstag habe ich das mitbekommen», erklärte ein Paddock-Bewohner.

Dazu laufen von Freitag bis Sonntag sechs spezialisierte Feuerwehrmänner um das MotoE-Zelt. Ein Aufpasser stolpert sogar mit einer Wärmebildkamera durch die Gegend. Ein zweites Feuer muss unbedingt vermieden werden.

Den Teams werden die Energica-Einheitsmaschinen kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Dorna bezahlt den Teams 40.000 Euro pro Saison pro Fahrer. Es wurden immerhin Fahrer wie Sete Gibernau, Alex De Angelis, Hector Garzo, Bradley Smith, Nico Terol, Maria Herrera, Eric Granado, Niki Tuuli und Jesko Raffin angelockt.

Wegen der geringen Akku-Reichweite werden auf dem Sachsenring nur acht Rennrunden gedreht. Das entspricht einer Distanz von 28 km. «Bei so einer geringen Distanz darfst du dir einfach keinen einzigen Fehler leisten», sagt Favorit Bradley Smith, der für das Petronas-Team fährt.

«Das Ungewöhnlichste ist der Start», erzählte Jesko Raffin aus dem Intact-Team. «In der Moto2 drehst du an der Startlinie 14.000/min, es entsteht ein Hollenlärm. In der MotoE herrscht Totenstille. Du hörst die Gegner auch in den Kurven nicht.»

Die Maschinen wiegen 260 kg und leisten rund 160 PS. Wie das Getriebe funktioniert und die Kraftübertragung, bleibt ein Geheimnis von Energica. Auch die Drehzahlhöhe bleibt rätselhaft, Insider schätzen sie auf 25.000 bis 30.000/min. Die Renndistanzen werden so gewählt, dass die Maschinen mit bis 30 bis 40 Prozent Rest-Akku-Laufzeit ins Ziel kommen. «Wir können im Rennen von A bis Z mit voller Power fahren», meint Smith.

«Es soll in den Rennen ohne ‚Power Drop‘ gefahren werden», ist Raffin überzeugt. Der Zürcher ist der einzige deutschsprachige MotoE-Teilnehmer. Er hat ein klares Ziel: «Ich will auf dem Sachsenring aufs Podest fahren.»

Und welche Rundenzeiten sind zu erwarten? «Sie werden eine Sekunde über den Moto3-Zeiten liegen», rechnet sich Bradley Smith aus.

Der neue MotoE-Weltcup-Kalender 2019:

07. Juli: Sachsenring
11. August: Spielberg
14 und 15. September: Misano (2 Rennen)
16. und 17. November: Valencia (2 Rennen)

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Der MotoE-Paddock auf dem Sachsenring © Dorna Der MotoE-Paddock auf dem Sachsenring Nicolas Goubert © Dorna Nicolas Goubert Zehn Ladestationen haben wir gezählt, nicht sechs © Fitti Weisse Zehn Ladestationen haben wir gezählt, nicht sechs
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