Brad Binder (KTM): Vom Rookies Cup in die MotoGP-WM

Von Mario Furli
Moto2
Brad Binder hat seinen Platz in der MotoGP-WM 2020 fix. Der Moto3-Weltmeister von 2016 und zehnfache GP-Sieger bestreitet aktuell seine fünfte Saison mit dem Team Red Bull KTM Ajo.

Weil ein Großteil der MotoGP-Asse über gültige Verträge bis zum Ende der Saison 2020 verfügen, ging es auf dem Fahrermarkt entsprechend ruhig zu. Die Vertragsverlängerung von Ducati-Werksfahrer Danilo Petrucci war spätestens nach dessen Mugello-Sieg nur mehr Formsache und ist seit dem Sachsenring-GP offiziell. Damit ist auch ein Verbleib von Jack Miller beim Kundenteam Pramac Ducati mehr als wahrscheinlich.

Der bisher einzige Moto2-Fahrer, der einen MotoGP-Vertrag für die kommende Saison ergattern konnte, ist Brad Binder (24). Der treue KTM-Pilot wird den Platz von Hafizh Syahrin bei Red Bull KTM Tech3 einnehmen, wie SPEEDWEEK.com-Leser bereits am 1. Juli exklusiv erfahren hatten. Noch offen ist, ob bei Avinita Ducati 2020 ein weiterer MotoGP-Neuling unterkommen wird.

«Danke an Red Bull KTM, dass ihr an mich glaubt, nicht nur in der kommenden Saison sondern in all den gemeinsamen Jahren. Es ist ein wahrgewordener Traum und ich kann den Leuten, die mir in meiner Karriere bis zu diesem Punkt geholfen haben, gar nicht genug danken», kommentierte Binder seinen Aufstieg in die Königsklasse.

Der in Potchefstroom (Südafrika) geborene Binder holte seine zehn GP-Siege allesamt auf KTM. Seine internationale Karriere startete er ebenfalls auf der österreichischen Marke – 2009 im Red Bull Rookies Cup.

2010 stand er in der Nachwuchsserie drei Mal auf dem Podium, in der Cup-Wertung landete er am Ende des Jahres auf Rang 5. 2011 folgte sein erster Rookies-Cup-Sieg in Estoril – und sein Debüt in der 125er-Klasse der Motorrad-WM: In Indianapolis ersetzte er den verletzten Luis Salom bei RW Racing GP (Aprilia). In den fünf Grand Prix, die er 2011 bestritt, blieb er zwar punktlos, das Team bot ihm für die darauffolgende Saison aber einen Platz in der neugeschaffenen Moto3-Klasse an: Auf der Kalex-KTM verpasst er das Podest als Vierter in Valencia 2012 denkbar knapp.

2013 und 2014 trat der Südafrikaner für das Team Ambrogio Racing an, in seinem zweiten Jahr auf Mahindra stand er als Zweiter auf dem Sachsenring erstmals in seiner GP-Karriere auf dem Podium. Ein weiterer Podestplatz in Japan sowie der Wechsel in das Red Bull KTM Ajo Team sollten folgen.

2015 sammelte Binder vier Podestplätze, damit beendete er die Moto3-WM auf Gesamtrang 6. In seinem fünften und letzten Jahr in der kleinsten Klasse der Motorrad-WM fuhr er unaufhaltsam dem WM-Titel entgegen: Seinen ersten GP-Sieg holte er in Jerez, obwohl er nach einer Strafversetzung das Feld vom 35. und letzten Startplatz aus aufrollen musste. Es war der erste GP-Erfolg eines Südafrikaners seit Jon Ekerold in Monza 1981.

Insgesamt 14 Podestplätze und 7 Siege sammelte der KTM-Pilot auf seinem Weg zur Moto3-Krone. Übrigens: Binder ist nach Kork Ballington (Doppelweltmeister in den Klassen 350 und 250 ccm 1978 und 1979) und Jon Ekelrold (1980 in der Klasse 350 ccm) erst der dritte Motorrad-Weltmeister aus Südafrika.

Nach seinem Titelgewinn wechselte Binder 2017 in die Moto2-WM, er blieb dabei dem Team Ajo Motorsports und KTM treu. Zum Abschluss seiner Rookie-Saison in der zweithöchsten Klasse der Motorrad-WM stand er in Australien, Malaysia und Valencia dreimal auf dem Podium.

Im Vorjahr legte er drei Siege (Sachsenring, Aragón und Phillip Island) nach. Hinter Weltmeister Francesco Bagnaia (Kalex) und seinem Teamkollegen Miguel Oliveira, die beide in die MotoGP-Klasse wechseln sollten, beendete er die Moto2-WM 2018 auf Rang 3 – und war somit einer der großen Favoriten für die laufende Saison, in der erstmals 765-ccm-Dreizylinder-Motoren von Triumph zum Einsatz kommen.

Sein fünftes Jahr im Red Bull KTM Ajo Team erwies sich aber als Herausforderung, denn die Konkurrenz von Kalex hatte in der neuen Triumph-Ära eindeutig die Nase vorne. Vor der Sommerpause tankte Binder mit zwei zweiten Plätzen in Assen und auf dem Sachsenring aber wieder Selbstvertrauen. Mit dem MotoGP-Vertrag in der Tasche will er den Titelkampf trotz 52 Punkten Rückstand auf WM-Leader Alex Márquez noch nicht aufgeben. Immerhin plant KTM in Brünn (2. bis 4. August) auch ein neues Chassis einzusetzen.

Moto2-WM-Stand nach 9 von 19 Rennen: 1. Alex Márquez 136. 2. Lüthi 128. 3. Fernandez 102. 4. Baldassarri 97. 5. Navarro 97. 6. Schrötter 97. 7. Marini 90. 8. Binder 84. Ferner: 19. Aegerter 12. 28. Tulovic 3. 30. Raffin 3.

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