Formel 1: Ein selten kurioser Unfall

Tom Lüthi: Sein Ellbogen war völlig zertrümmert!

Von Günther Wiesinger
Tom Lüthi bei der Pressekonferenz

Tom Lüthi bei der Pressekonferenz

Tom Lüthi und sein Arzt Dr. Marc Mettler schilderten erstmals Einzelheiten zur Erstbehandlung nach dem Unfall.

«Die Situation von Tom war bedrohlich», erklärte der behandelnde Arzt Dr. Marc Mettler am Freitag bei einem ersten Pressegepräch sei Tom Lüthis Unfall und der unumgänglichen Operation. «Das war anfangs ein bisschen ein Chaos. Als ich am 24. Februar zu Mittag von seiner Freundin den Anruf bekam, wusste ich gleich, da ist etwas Schlimmes passiert. Die ersten Bilder, die ich per SMS bekam, haben meine Befürchtungen bestärkt. Ich habe Tom schon 14 Mal bei mir nach Stürzen in Behandlung gehabt. Aber eine so schwerwiegende Verletzung habe ich bei ihm noch nie behandeln müssen. Das rechte Ellbogengelenk wurde beim Sturz bis ins Gelenk hinein zerstört. Ich habe gleich gedacht, der Arm muss beim Sturz irgendwo eingeklemmt worden oder gehebelt worden sein. Da waren jedenfalls erhebliche Kräfte im Spiel.»

Dr. Mettler gab auch Details zur OP bekannt: «Wir haben den Ellbogen mit zwei Spezialplatten und neun Schrauben fixiert, die wir noch am Nachmittag nach dem Sturz sofort bestellt haben. Der Arm sah aus wie ein pralles, vollgepumptes Rohr. Es gab arge Durchblutungsstörungen. In solchen Fällen ist das Gewebe bedroht, auch die Muskulatur drohte dauerhaft in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Wir haben Tom am 15. Februar um 3 Uhr früh in Münsingen im Spital gehabt und ihn dann fünf Stunden lang operiert. Das rechte Ellbogengelenk war völlig zertrümmert. Wir mussten die Knochen wie bei einem Puzzle aufeinanderstellen und durch die Platten und Schrauben stabilisieren.»

Jetzt wird auch die Schulter operiert

Lüthis Arzt spricht von einer Genesungszeit von drei bis vier Monaten, denn am Montag muss jetzt auch noch die rechte Schulter operiert werden. «Zwischen Schultergelenksdach und Schlüsselbein sind die Bänder gerissen», erklärte Dr. Mettler. «Diese Verletzung bereitet Tom Schmerzen. Deshalb haben wir gestern entschieden, auch diese Verletzung operativ zu behandeln. Tom hatte links schon einmal eine ähnliche Verletzung. Diese haben wir damals nicht operiert, weil es mitten in der Saison war und Tom diese Verletzung muskulär gut kompensieren konnte. Die Schulter haben wir in der ersten Nacht nicht operiert, weil Tom in einem Zustand war, in dem wir ihm das nicht zumuten konnten.»

Im Fitnesszentrum «Aemmefit» in Lützelflüh im Emmental stellte sich der Schweizer Moto2-Pilot heute erstmals seit seinem Unfall in Valencia (14. Februar) den Fragen der Journalisten. Er wurde bei diesem Termin von Dr. Mettler begleitet, von seinem Physiotherapeuten Manuel Deucher und Roman Blaser, seinem Personal Trainer.

Der Schweizer Interwetten-Suter-Pilot hatte nach dem Abschuss durch den Thailänder Ratthapark Wilairot rechts Blessuren an der Schulter und einen komplizierten Ellbogenbruch erlitten. Danach war spekuliert worden, ob der 125-ccm-Weltmeister von 2005 bereits im Mai oder womöglich erst im Juli oder August in die Moto2-WM zurückkehren werde.

Jerez-GP bleibt das Comeback-Ziel

«Unser Ziel ist es, dass Tom am 5. Mai beim Jerez-GP wieder fahren kann», meinte Dr. med. Marc Mettler. «Bei einem durchtrainierten Sportler können Genesungszeiten oft stark verkürzt werden. Aber genaue Prognosen kann ich jetzt nicht machen. Ich kann auch kein Urteil abgeben, ob Tom wieder die volle Beweglichkeit am rechten Ellbogen erlangen wird. Es ist aber natürlich unser Ziel. Genaueres müsst ihr mich in einem Jahr fragen. Wenn ein Auto bei einem Unfall beschädigt wird, wird es vom Spengler auch wieder repariert. Trotzdem bleibt es ein Unfallwagen. Es wird nie mehr 100-prozentig in einem Zustand sein wie vorher. Und auch bei Toms Ellbogengelenk wird ein Unfallschaden zurückbleiben.»

«Ich habe eine schwere Zeit durchgemacht», erklärte Lüthi. «In der ersten Phase nach dem Unfall wollte ich gar nicht ans Motorradfahren denken. Zum ersten Mal in meiner Karriere wollte ich zuerst einmal gesund werden. Mir war bewusst, wie schwer es mich diesmal erwischt hatte. Aber inzwischen kann ich Rehabilition machen. Heute früh waren wir schon bei einer Wassertherapie, wir haben mit der Mobilisation des Gelenks begonnen. Und jetzt arbeite ich voll darauf hin, dass ich am Freitag beim ersten Training zum Jerez-GP wieder auf meinem Motorrad sitze. Aber ob das klappt, werden wir erst in ein paar Wochen wissen. Die nächsten Tests und die WM-Läufe in Katar und Texas habe ich abgehakt. Auch an den WM-Titel denke ich nicht mehr. Das ist jetzt weit weg.»

Wilairot wurde zwar neben Lüthi im Krankenwagen ins Streckenspital von Valencia gebracht. «Aber entschuldigt hat er sich bis heute nicht bei mir. Ich werde nicht auf ihn zugehen. Das müsste von ihm kommen...»

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