Jonas Folger (Intact): «Bin kein perfekter Fahrer»

Von Günther Wiesinger
Moto2

Jonas Folger will 2016 im Intact-Team zwei Schwachstellen ausmerzen. «Ich muss bei der Konstanz und im Qualifying besser werden», sagt er. Die deutsche Sprache soll dabei helfen.

In Doha und Jerez gelangen Jonas Folger 2015 in seiner zweiten Moto2-Saison bei AGR zwei grossartige Siege. Aber es dauerte dann bis Japan in Oktober, ehe ihm bei wechselhaftem Wetter wieder ein Podestplatz gelang – Platz 2 vor seinem neuen Teamkollegen Sandro Cortese.

Und diesen Mangel an Konstanz, der auch nach den zwei dritten Plätzen 2014 in Jerez und Mugello zum Vorschein gekommen war, will und muss Jonas Folger in dieser Saison beseitigen; an dieser Schwäche wird gearbeitet.

Wenn er konstanter wird, wird Folger beim Fight um den Moto2-WM-Titel 2016 mithalten können.

Denn am Talent, am Speed und am Fahrkönnen hat es dem 22-jährigen Bayern noch nie gemangelt.

Erstmals seit 2007, als er in der spanischen CEV Repsol-Meisterschaft in einem Honda-Team mit Sepp Schlögl und Adi Stadler auftrat und als Mitglied der «Red Bull MotoGP Academy» in Barcelona mit 13 Jahren einen 125-ccm-IDM-Lauf auf dem Salzburgring gewann, fährt Folger in einem Team, in dem Deutsch gesprochen wird.

Der vierfache GP-Sieger (zweimal Moto3, zweimal Moto2) hält diese Tatsache für einen grossen Vorteil.

Ab Mittwoch steht für das Dynavolt Intact GP-Team mit Folger und Cortese die erste grosse Bewährungsprobe bevor – beim dreitägigen IRTA-Test in Jerez. Dort wird zwar noch nicht mit den offiziellen Moto2-Motoen gefahren, die werden erst beim IRTA-Test in Katar Mitte März herausgerückt. Aber erstmals besteht Startpflicht für alle WM-Teilnehmer, erstmals in der Saison 2016 wird dort mit offizieller WM-Zeitnahme gefahren.

Jonas, ihr habt im November zwei Tage in Valencia getestet, jetzt im Februar wieder zwei Tage in Valencia und einen Tag in Jerez. Dein erstes Resümee nach dem Kennenlernen des Intact-Teams? Wie ist dein Eindruck? Bist du froh, dass du endlich in einem deutschsprachigen Team bist?

Ich war in der Weltmeisterschaft noch nie einem einem deutschsprachigen Team, ja, das kann man so sagen. Bei MZ war ich in der Moto3-Zeit vor der Saison 2012 mal kurz, aber nur in der Winterpause...
Ich muss sagen, ich habe mich gut eingelebt. Das ist alles ziemlich schnell gegangen. Wir verstehen uns auch super. Es hat von Anfang an gut gepasst, auch mit meinem Crew-Chief Patrick Mellauner und mit Technikchef Jürgen Lingg. Das ist super easy.  Und es geht richtig was vorwärts.

Patrick Mellauner kennst du aus der Saison 2011?

Ja, er war damals im Ajo-Team in der 125er-WM mein Mechaniker.
Es ist einfach schön, wenn man sich kennt und dann miteinander arbeiten kann. Man merkt einfach, dass nicht nur ich mich freue, sondern sich auch alle andern freuen.
Das macht natürlich alles einfacher.

Nach dem famosen Saisonstart 2015 warst du vorübergehend sogar Titelanwärter. Aber es fehlte die Beständigkeit. Woran lag das? Jürgen Lingg meint, das AGR-Team sei nicht schlechter als die Dynavolt-Intact-Truppe.

Dass AGR als Team schlechter wäre als Intact, das hätte ich auch nie behauptet. Es war für mich persönlich einfach die Entscheidung, rein vom Bauchgefühl her, dass ich nach diesen zwei Jahren etwas anderes brauche, um einfach zu wissen, was noch geht und was ich leisten kann.
Ich bin zwei Jahre bei AGR gefahren. Das erste Jahr war okay, wir haben zwei kleine Highlights gehabt.
Letztes Jahr hat es ganz gut angefangen mit den Siegen in Katar und Jerez, dann habe ich wieder so einen leichten Hänger gehabt. Also habe ich mir gedacht: Ich will und muss was anderes probieren. Vielleicht klappt es dann mit der Konstanz.

Beim Ausdruck «leichter Hänger» schmunzle ich leicht, denn der Hänger vom Jerez-Sieg bis zum nächsten Podestplatz hat elf Rennen gedauert, von Mai bis Oktober.

Ja.

Und 2014 war es fast schlimmer. Damals hast du nach Platz 3 in Mugello bei acht Rennen nur einen Punkt kassiert. Du bist deshalb am Schluss nur auf dem 15. Gesamtrang gelandet.

Richtig. Ja, ja.

Hast du einmal analysiert, woran diese Durchhänger lagen?

Da kann man jetzt viele Gründen nennen, woran es gelegen hätte oder liegen kann. Ich gebe jedes Mal mein Bestes.
Das Allererste ist jetzt, dass wir uns bei Intact alle deutschsprachig verständigen können. Das ist bei mir und Patrick ganz wichtig. Er kommt aus Südtirol. Ich kann mit ihm reden, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Ich rede mit ihm Bayerisch, so kommen wir sofort auf den Punkt und haben die Sache gleich in Ordnung gebracht. Da geht besser was vorwärts.
In einem spanischen Team versteht man sich vielleicht falsch, besonders im Zeitdruck eines GP-Trainings. Ich finde, es ist ein grosser Pluspunkt bei Intact, wenn man in einer schwierigen Situation steckt, wenn man gerade mit dem Bike nicht zurechtkommt oder mit der Rennstrecke an sich. Wenn man sich auf Deutsch unterhalten kann, kommt man ziemlich schnell aus dieser Situation raus. Das ist ein Riesenvorteil. So können wir schneller eine Lösung finden.

Du bringst in den Rennen fast immer bessere Leistungen als im Training. Woran liegt das? Verkrampfst du im Qualifying, wenn es richtig um die Wurst geht? Fehlt da die nötige Lockerheit? Das Selbstvertrauen? Wenn du konstant aufs Podest fahren willst, darfst du nicht dauernd vom 14. Startplatz losfahren?

Nein, nein, das stimmt. Das kann vielleicht einmal funktionieren, aber natürlich macht so ein Startplatz alles schwieriger.
Um ehrlich zu sein: Es ist wichtig, einfach schnell zu sein, egal wann. Vom ersten Training weg bin ich eigentlich immer ganz gut. Aber im Qualifying hapert es meistens immer. Das muss ich in den Griff kriegen. Das ist neben der Kontanz ein Punkt, wo ich mich verbessern will und verbessern muss.
Ich bin kein perfekter Fahrer. Keiner ist perfekt.
Die Sachen, die ich verbessern muss, an denen arbeiten wir. Ich muss 2016 in einigen Bereichen besser werden. Ich habe die Hoffnung, dass uns das gelingt. Bis jetzt schaut es ganz gut aus.

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