Moto3-Qualifying: Kommt für 2018 rigorose Änderung?

Von Günther Wiesinger
Moto3
Moto3-WM in Spielberg: Wie läuft das Quali im nächsten Jahr?

Moto3-WM in Spielberg: Wie läuft das Quali im nächsten Jahr?

Weil es in den Moto3-Qualifyings jedes Wochenende 20 und mehr Strafen hagelt, soll der Quali-Modus umgestellt werden. Es wird über rigorose Maßnahmen diskutiert.

In der Moto3-Klassen hagelt es bei jedem Grand Prix Strafen, weil die Fahrer immer wieder in gewissen Sektoren zu langsam fahren, um auf einen schnellen Windschatten zu warten, weil man mit den 250-ccm-Einzylinder-Maschinen ohne «slipsteam» keine Topzeiten erreichen kann.

Doch die «grid penaltys», also die Rückversetzungen auf dem Startplatz um 1, 3 oder 5 Plätze (je nach Häufigkeit der Vergehen) haben an der Situation nichts geändert.

Allein beim Aragón GP wurde wieder massiv bestraft:

Folgende Penaltys wurden verhängt:

– Langsames Fahren in mehr als 3 Sektoren (über dem 110-%-Limit ihrer besten Sektorzeit): Migno, Dalla Porta, Darryn Binder, Masia. Diese vier Fahrer wurden am Grid zwölf Plätze nach hinten befördert.

– Langsames Fahrer auf der Rennstrecke und Warten auf schnelle Fahrer, die von hinten kommen: Ramirez und Di Giannantonio mussten je 500 Euro bezahlen, es war ihr zweiter diesbezüglicher Regelverstoß. (Die Penalty liegen zwischen 500 und 1500 Euro, je nach Häufigkeit der Vergehen).

– Langsames Fahrer auf der Rennstrecke und Warten auf schnelle Fahrer, die von hinten kommen: Toba, Sasaki, Rodrigo, Pulkkinen, Pagliani, Mir, Guevara, Bezzechi, Bendsneyder, Atiratphuvapat, Arenas, Arbolino und Antonelli. (Diese Fahrer müssen 1500 Euro bezahlen, weil sie dieses Vergehen in 12 Monaten schon dreimal oder öfter begangen haben).

Das heißt 19 der 32 Fahrer in Aragón wurden wegen ihres Fehlverhaltens bestraft. Und das war beileibe kein Einzelfall. In Misano wurden sogar 23 Fahrer bestraft!

Die Race Direction mit Mike Webb an der Spitze vergeudet bei jedem Grand Prix Stunden mit dem Studium der Videoaufzeichnungen, um die Übeltäter ausfindig zu machen und zu bestrafen.

Die Startaufstellung wird dann erst am Sonntag veröffentlicht. Und die Zuschauer an der Strecke und vor den Fernsehern wundern sich dann, warum das Ergebnis des Qualifyings mit der Startaufstellung nicht mehr viel zu tun hat.

In Misano wurden nicht weniger als 21 Fahrer bestraft. Und das war kein Einzelfall.

Jetzt wird für die Saison 2018 eine völlige Umstellung des Quali-Modus für die kleinste Klasse überlegt.

«Die Strafen haben nichts bewirkt. Es wird trotzdem dauernd zu langsam gefahren, es wird gebummelt, das spielt sich rund um die Strecke ab, es kann gar nicht alles auf bewegten Bildern festgehalten werden», ist sich Race Director Mike Webb im Klaren.

Die Idee einer Superpole wurde mehrmals überlegt, kommt aber wohl nicht in Frage, sie würde zu viel Zeitaufwand bedeuten. Ein Qualifying 1 und 2 wie in der MotoGP bringt auch nichts, weil in zweimal 15 Minuten wieder zu viele Fahrer unterwegs wären.

Jetzt wird eine ganz konträre und rigorose neue Strategie diskutiert und überprüft. Man könnte die 28 Stammfahrer nach dem FP3 in drei Gruppen zu je 9 oder 10 Piloten (je nach Anzahl der Wildcards) teilen und sie in kurzen 10- oder 12-Minuten-Qualifyings auf die Piste schicken. Und man könnte sogar das Windschattenfahren strikt verbieten – wie bei den Zeitfahren der Radrennen und Triathlons.

«Eine kleinere Anzahl von Fahrern ließe sich besser überwachen», ist Webb überzeugt. «Da die Fahrer heute im 40-Minuten-Qualifying sowieso die meiste Zeit spazieren fahren und nur 15 Minuten wirklich Gas geben, würden die Beschränkung auf 10 oder 12 Minuten bem Quali-Ergebnis nicht viel ändern.»

Denn bei so einem Konzept wären zumindest drei fliegende Runden machbar.

Auch das Problem von wechselhaften Witterungsbedingungen wäre lösbar. Schon in der Vergangenheit, als bis zu 55 Fahrer in der 125er-WM antraten, wurde das Feld im Training in zwei Gruppen geteilt. Und dann wurde der schnellste auf die Pole-Position gestellt, der Zweite aus der zweiten Gruppe auf Platz 2 und so weiter.

«Wir könnten die Fahrer dann im Quali auch in kurzen Abständen hintereinander losfahren lassen. Je weniger Zeit sie haben, desto weniger werden sie bummeln und langsame Sektorzeiten riskieren», mein Webb.

Und wenn das Windschattenfahren verboten ist, erübrigt sich das Waten auf einen schnellen Vordermann von vornherein.

Wichtig für den Zeitplan: Das Moto3-Quali darf nicht wesentlich mehr Zeit beanspruchen als bisher. Dreimal 10 oder 12 Minuten mit jeweils fünf Minuten Pause – so ein Konzept würde perfekt ins Programm passen.

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