Neue Moto3-Ära ab 2028: MotoGP-Technikdirektor nennt die Gründe
MotoGP-Technikdirektor Corrado Cecchinelli erklärt, warum die Moto3-WM ab der Saison 2028 größere Motoren bekommt und die Prototypen-Ära in der kleinsten Klasse endet.
Die Moto3-Kategorie steht vor einem grundlegenden Wandel. Nach 16 Jahren mit 250er-Viertakt-Prototypen plant MotoGP-Promoter Dorna, das technische Konzept der kleinsten WM-Klasse neu auszurichten. Künftig sollen hubraumstärkere Motorräder eingesetzt und die heutige Herstellerkonkurrenz beendet werden.
MotoGP-Technikdirektor Corrado Cecchinelli nennt dafür zwei zentrale Gründe: die körperliche Entwicklung der jungen Fahrer und die ausufernden Kosten in der kleinsten Grand-Prix-Kategorie.
Warum die Moto3-WM reformiert werden muss
«Es gibt mehr als einen Grund», erklärte Cecchinelli im Gespräch mit Crash.net. «Der erste ist, etwas zu haben, das besser zu den [größeren] Körpermassen der jungen Generation passt, was durch die Erhöhung des Mindestalters durch die FIM in den letzten Jahren noch verstärkt wurde.»
Die heutigen Moto3-Maschinen seien für viele Talente schlicht zu zierlich geworden. «Die aktuellen Moto3-Bikes scheinen zu klein und nicht leistungsstark genug für schwerere und größere Fahrer. Das steht auch im Widerspruch zur Idee, diese Fahrer auf einen idealen Weg bis in die MotoGP vorzubereiten», so Cecchinelli. Deshalb wolle man «keine Kategorie, in der nur kleine Körper erfolgreich sein können».
Neben dem sportlichen Aspekt spielt der finanzielle Druck eine immer größere Rolle. Trotz bestehender Preisobergrenzen für Motoren, Getriebe und weitere Komponenten ist die Moto3 weiterhin eine Prototypenklasse mit konkurrierenden Herstellern – derzeit KTM und Honda. Genau diese Konkurrenz treibt die Kosten nach oben.
«Die Moto3 ist viel teurer geworden, als wir es uns vorgestellt haben», stellte Cecchinelli klar. «Es gibt zwar Preisobergrenzen, aber der Wettbewerb zwischen den Herstellern treibt die Kosten hoch, und das wollen sie nicht mehr tragen.»
Um sich Vorteile zu verschaffen, investieren die Hersteller oft mehr als erlaubt und kompensieren dies durch sportlichen Erfolg. Das zwingt die Konkurrenz zum Nachziehen – ein Kreislauf, der die Ausgaben weiter steigen lässt. «Wir müssen die Moto3 dauerhaft bezahlbar machen», betonte Cecchinelli. «Das bedeutet nicht nur, an der Preisobergrenze festzuhalten, sondern vor allem, den Wettbewerb zwischen verschiedenen Herstellern zu beenden.»
Moto3-WM in Zukunft nur noch halb so teuer?
Der geplante Schritt hin zu einer Einheitsklasse mit Yamaha-Einheitsmotoren soll die Kostenkontrolle erstmals wirklich wirksam machen. «Wenn man nur einen einzigen Anbieter hat, ist man sicher, dass niemand über diese Obergrenze hinausgeht», erklärte der Italiener.
Gleichzeitig sollen die Preisobergrenzen deutlich gesenkt werden: «Vielleicht werden wir die Zahlen noch anpassen, aber man kann sich etwa die Hälfte der heutigen Kosten vorstellen.» Für die Teams hätte das massive Auswirkungen.
«Die Kosten für den Endnutzer, also das Team, werden viel niedriger sein als jetzt. Der Rennsport wird deutlich erschwinglicheres», versprach Cecchinelli. Entscheidend sei dabei nicht nur eine festgelegte Grenze, sondern deren tatsächliche Durchsetzung: «Eine Sache ist, eine Preisobergrenze zu haben. Eine andere ist, dass sie auch effektiv ist. Man muss an beiden Punkten arbeiten.»
Mit der Abkehr vom reinen Prototypenprinzip würde sich die Moto3 stärker am Moto2-Modell orientieren, das mit Einheitsmotoren und offenem Chassis-Wettbewerb arbeitet. Für Cecchinelli ist klar: Größere Motoren, ein einheitlicher Lieferant und niedrigere Kosten sollen die Nachwuchsklasse wieder näher an ihren eigentlichen Zweck führen – junge Talente fair und realistisch auf den Weg in Richtung MotoGP vorzubereiten.
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