Miguel Oliveira: «Ich schrie in meinen Helm!»

Von Frank Aday
Moto3
Nachdem sich Miguel Oliveira in den zahlreichen Windschattenduellen in Mugello durchsetzte, ist er nun der erste portugiesische GP-Sieger in der Geschichte der Motorrad-WM.

Für die Saison 2015 wechselte Miguel Oliveira aus dem Mahindra-Werksteam zu Red Bull KTM Ajo. 2014 hatte Oliveira mit der Mahindra den zehnten WM-Rang erreicht. Im Team Red Bull KTM Ajo wollte er nun um den Moto3-Titel kämpfen. Durch seinen Sieg in Mugello rückte Portugiese zwar auf WM-Rang 4 nach vorne, doch er liegt bereits 58 Punkte hinter Honda-Star Danny Kent.

In Mugello feierte der 20-jährige Zahnmedizin-Student seinen ersten Grand-Prix- Sieg. Zudem ist er der erste Portugiese, der je einen Motorrad-Grand-Prix gewinnen konnte.

Wie fühlte sich dein erster Sieg in der Weltmeisterschaft nach diesem harten Rennen an?

Die Wahrheit ist, dass ich den Druck verspürte, meinen ersten WM-Sieg einzufahren. Er ist eine Quelle großer Zufriedenheit für mich. Ich bin sehr glücklich. Das wird mir sehr viel Selbstvertrauen für die nächsten Rennen geben. Doch wir müssen weiter arbeiten und unser Set-up verbessern. Man kann nie zu viel machen, denn es ist immer ein Fortschritt möglich.

An welche Einzelheiten des Rennens erinnerst du dich? War es deine Strategie, die letzte Kurve in Führung liegend zu nehmen?

Nein, überhaupt nicht. Ich musste improvisieren. In der Startaufstellung sagte ich zu meinem Crewchief Jordi Gallardo, dass ich in der letzten Kurve nicht Erster sein will. Doch am Ende, als die Runden verflogen, hielt ich es für die beste Lösung. Und so war es auch. Wenn ich als Zweiter oder Dritter in die letzte Kurve gegangen wäre, hätte ich blockiert werden können und hätte so die Chance auf den Sieg verloren. Als Erster riskierte ich ein ‹Fotofinish›, aber ich hätte es zumindest auf das Podest geschafft, was auch eine Belohnung gewesen wäre.

Erst warst du in der zweiten Gruppe, dann hast du das Rennen nach einigen Runden angeführt, zu Beginn der letzten Runde warst du Vierter. War es schwierig, die Situationen zu meistern?

Es war von Anfang an ein sehr hartes Rennen. Zu Beginn war ich in der zweiten Gruppe und sah, dass wir die Chance auf das Podest verlieren könnten. Wir schafften es dann, zur Führungsgruppe aufzuholen. Ich merkte, dass ich die nötige Pace hatte, also übernahm ich die Führung. In diesem Moment sah ich, dass ich nicht entkommen kann, aber ich war in Sektor 4 schneller und konnte den nötigen Abstand herausfahren, um als Erster die Ziellinie zu erreichen. Als ich am Anfang der Runde Vierter war, dachte ich, dass es ein Fehler war, so lange zu führen. Doch ich nahm ein großes Risiko auf mich und überholte drei Fahrer nach der ersten Kurve.

Wie war der Sprint zur Ziellinie für dich?

Man hat nicht viel Zeit, um nachzudenken. Es ist eine Explosion der Freude, die Tränen kamen mir, aber das hat niemand gesehen. Als ich die karierte Flagge sah, schrie ich in meinen Helm, damit mich keiner mehr überholte. Als würde mich das schneller machen. [lacht]

Hast du im Verlauf des Wochenendes schon vermutet, dass dies das Rennen für deinen ersten Sieg werden könnte?

Es war keines dieser Rennen, bei denen man sich sicher sein konnte, dass man dominiert. In Mugello sind die italienischen Fahrer immer sehr stark und geben alles. Glücklicherweise lag ich falsch und hatte ein großartiges Rennen. Die Trainings waren gut, aber im Qualifying hatte ich nicht dasselbe Gefühl, als ich auf Platz 11 landete. Wir wussten aber, dass wir in Sektor 4 sehr stark sind, das haben wir bewiesen.

War Mugello das beste Rennen, das du je bestritten hast?

Ja, ohne Zweifel. Ich habe schon großartige Comebacks geschafft und Podestplätze eingefahren, aber dieses Rennen war hart umkämpft. Wir haben den Sieg verdient.

Wie gehst du nun die übrigen Rennen der Saison an?

Es hat sechs Rennen gedauert, bis wir unseren ersten Sieg feiern konnten, aber wir haben ihn verdient. Wir haben hart dafür gearbeitet. Jetzt müssen wir Rennen für Rennen nehmen und nicht darüber hinaus denken. Wir müssen gewinnen, wann immer es möglich ist.

Nach deinem Wechsel von Mahindra zu KTM hat es nun sechs Rennen gedauert, bis du siegen konntest.

In diesem Jahr musste ich wieder bei Null anfangen. Ich wusste, dass ich das Team und die Maschine habe, um zu gewinnen. In dieser Saison begann ein neues Abenteuer für mich. Ohne die Vergangenheit zu vergessen, in der ich viel gelernt habe, ist dies nun ein neuer Abschnitt.

Du bist der erste Portugiese in der Geschichte der Motorradweltmeisterschaft, der einen Grand Prix gewinnen konnte.

Der Sonntag war ein historischer Tag für Portugal. Mein erster Sieg bringt viel Zufriedenheit mit sich, auch weil es der erste für mein Land ist. Ich hoffe, dass meine Fans das Rennen genossen haben, denn ohne sie wäre das alles nie möglich gewesen. Wir alle verdienen das.

Denkst du, dass dieser Sieg für mehr MotoGP-Fans in Portugal sorgen wird?

Mein Land hat in diesem Sport keine große Tradition. Es ist nicht wie in Spanien oder Italien. Es war nicht einfach für mich. Ich hoffe, dass dies nicht der letzte Sieg ist, damit der Motorradsport in Portugal wächst. Ich arbeite daran.

Wem widmest du den Sieg?

Meinem Team, KTM, Red Bull, allen Partnern, meiner Familie, meinen Fans, aber vor allem widme ich diesen Sieg meinem Vater. Ich weiß, was er investiert hat, um mich hierher zu bringen. Ich kann garantieren, dass das nicht einfach war. Das ist das beste Geschenk, das ich ihm machen kann.

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