Terrell Thien (RTG): «Brauchen einen Neuanfang»

Von Günther Wiesinger
Moto3
Terrell Thien (links), daneben sein Vorgänger Dirk Heidolf mit gequältem Lächeln

Terrell Thien (links), daneben sein Vorgänger Dirk Heidolf mit gequältem Lächeln

Nach langem Hin und Her darf das Racing Team Germany wieder zwei Moto3-WM-Fahrer einsetzen. Nach zwei Honda-Jahren soll das RTG künftig das Peugeot-Werksteam bilden.

Beim SaxoPrint Racing Team Germany sind inzwischen die Weichen für die Moto3-WM-Saison 2016 gestellt worden.

Das deutsche Team wird mit Peugeot fahren, das sind baugleiche Mahindra-MGP3O-Maschinen, als Fahrer steht Alexis Masbou fest.

«Wir waren seit einiger Zeit wesentlich näher bei Peugeot dran als bei Honda», teilte der neue Teammanager Terrell Thien mit.

Die Frage des zweiten Fahrers ist das RTG bisher noch offen. John McPhee hat einen Vertrag für 2016, aber sein Management und er pochen auf Honda-Motorräder.

Klar ist inzwischen, warum es zum Thema «commercial entry» lange Zeit unterschiedliche und widersprüchliche Aussagen gab.

Das RTG bekam tatsächlich für 2016 keinen vollen Moto3-Startplatz, das hat SPEEDWEEK.com bereits vor dem Misano-GP berichtet.

Doch als Terrell Thien statt Dirk Heidolf als neuer Teammanager ins Spiel gebracht wurde, bekam er persönlich für seine Firma TT Motion Events einen fixen Moto3-Platz – und brachte diesen unter das Dach des RTG. So entstand während des Australien-GP die Information, das RTG verfüge über einen fixen Startplatz und einen «commercial entry», also eine kommerzielle Nennung, die Mindereinnahmen (von Dorna und IRTA) in der Höhe von rund 220.000 Euro pro Fahrer bedeutet.

Saxoprint will als Hauptsponsor weitermachen, hier soll es um eine Grössenordnung von rund 500.000 Euro gehen. Rund 1,2 Millionen werden für ein 2-Fahrer-Team benötigt, rechnet Thien vor.
Thien: «Die kleinen Sponsoren von RTG haben signalisiert, dass sie dabei bleiben wollen. Ich selbst bringe auch zwei, drei Sponsoren mit, vielleicht auch Interwetten, das hängt von den Fahrern ab, die wir verpflichten. Aber ich muss zuerst einmal einen genauen Überblick haben, wie viele Gelder beim RTG überhaupt hereinkommen. Ich weiss inzwischen was rausgeht und welche Rechnungen noch offen sind. Eine Rate von 6000 Euro an Masbou wurde am Montag nach dem Australien-GP bezahlt, dazu eine Hospitality-Rechnung. Ich muss mich da noch mehr reinknien. Ich kann nicht von einem Tag auf den andern überblicken, was da beim Team abgeht.»

Dirk Heidolf 2016: Kein Paddock-Pass, keine Teamuniform

Terrell Thien stellte sich am Donnerstag in Sepang beim RTG vor. Er erzählte, der bisherige Teammanager Dirk Heidolf sei fürs Malaysia-GP-Weekend ins Hotel verbannt worden. «Er kam nur abends an die Strecke, weil ein paar Sponsoren hier waren, die er rumgeführt hat», schilderte Thien. «Aber im GP-Team macht er gar nichts mehr. Er darf auch von der RTG-Adresse keine E-Mails mehr verschicken. Das geht einfach nicht. Er hat die Auflage bekommen, dass er die E-Mail-Schreiberei lassen soll. Wenn das nicht aufhört und er immer hinter meinem Rücken rumpfuscht, kann ich meinen Job nicht erledigen. Nächstes Jahr soll Dirk Heidolf gar keinen permanenten GP-Pass mehr bekommen. Er soll auch keine Teamkleidung mehr tragen. Wir brauchen einen Neuanfang.»

Immer deutlicher zeichnet sich, dass Heidolf die restlichen Gesellschafter Frank Beierlein, Bernd Keller und Dr. Uwe Fischer jahrelang nur unzureichend oder falsch informiert hat. «Er hat sie manipuliert», seufzte ein Teammitglied. Zum Beispiel schenkte Heidolf den Teamteilhabern nicht einmal reinen Wein ein, als das RTG beim Silverstone-GP beide Startplätze für 2016 verlor.

Noch in Misano zwei Wochen später behauptete Heidolf gegenüber den Gesellschaftern, er habe nur einen Platz verloren. Thien kümmerte sich dann bei der IRTA und Dorna um zumindest einen Fixplatz, der ihm am 25. September erstmals in Aussicht gestellt wurde.

«Wenn wir am Schluss nur zwei 'commercial entries' gehabt hätten, könnte ich meinen Job nicht machen», gibt Thien zu. «Dann würden pro Fahrer 220.000 Euro im Budget fehlen. Das würde nicht funktionieren. Ich bringe jetzt praktisch meinen Platz ins RTG ein.»
Thien betrieb nämlich in der Saison 2015 noch das Schedl Racing Team mit Philipp Öttl. Inzwischen hat er diesen Platz inzwischen an Vater Peter Öttl für 2016 abgetreten...

«Ich habe jetzt den Moto3-Platz, der RTG weggenommen wurde», versichert Thien. «Dem RTG wurden ja beide Plätze weggenommen. Dann sagten IRTA und Dorna, wenn ich das Team künftig leite, bekommen wir einen 'full entry' und einen 'commercial entry'. Voraussetzung ist aber ganz klar, dass Heidolf keine Verantwortung mehr trägt.»

Thien hält jedoch fest: «Ich bin nur Berater bei dieser RTG-Geschichte. Es ist nicht mein Team. Es soll auch nicht mein Team sein.»

Wie beurteilt Thien die Chancen, dass RTG 2016 mit zwei Fahrern fährt? «Mit einem Fahrer sind wir ganz sicher dabei. Beim zweiten Fahrer sind wir dran. Zu 80 Prozent klappt es mit zwei Fahrern», meint Thien. «Peugeot bietet uns einen Vertrag über zwei bis drei Jahre an. Natürlich hätte jedes Team gerne Honda oder KTM. Aber wir müssen Ruhe reinbringen und Kontinuität. Peugeot/Mahindra sind langfristige Partner, deshalb ist mir ein Zwei-Jahres-Vertrag mit Peugeot lieber. Von Honda hätten wir am Ende nur ein Bike bekommen – und zwar für John McPhee. So eine NSF 250RW kostet pro Fahrer 220.000 Euro. Es gab anfangs die Überlegung, McPhee eine 2016-Maschine zu geben und dem zweiten Fahrer ein 2015-Modell. Aber wir dürften bei Honda nächstes Jahr kein 2015 Material benützen. Honda hat uns ursprünglich zwei Motorräder angeboten, eines sollte für McPhee sein, das zweite Bike war für Aron Canet vorgesehen. Aber er fährt jetzt bekanntlich 2016 bei Emilio Alzamora statt Quartararo.»

Die Mahinda-Bikes waren 2015 nicht sonderlich konkurrenzfähig: Bisher gab es in 17 Rennen nur einen Podestplatz (durch Bagnaia).

RTG-Teamchef Terrell Thien: «Wie gesagt, am Ende war bei Honda nur ein Bike für uns übrig. Eine 2015-Honda hätten wir für einen Fahrer nur einsetzen dürfen, wenn Honda alle zwölf Maschinen weggekriegt hätte. Wenn zum Beispiel Max Kappler als zweiter Fahrer gekommen wäre, hätte Honda für uns das 2015-Modell homologiert. Aber bisher hat Honda noch einige der zwölf 2016-Bikes übrig. Also müssen sie keine 2015-Modelle homologieren.»

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