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Peugeot-Team: Es fehlt an Geld, Ungewissheit bleibt

Von Günther Wiesinger
Das deutsche Peugeot-Moto3-Werksteam blickt auf jämmerliche Ergebnisse, ärgert sich über Altlasten, nicht konkurrenzfähige Bikes und eine beträchtliche Finanzierungslücke.

Terrell Thien, der neue Manager des deutschen Peugeot MC Saxoprint Teams mit John McPhee und Alexis Masbou, macht seit Oktober schwierige Zeiten durch.

Es türmen sich immer neue Probleme vor ihm auf.

Sieben Grand Prix sind gelaufen, und der letztjährige Katar-Sieger Alexis Masbou steht noch ohne Punkte da. Der Schotte John McPhee hat erst zehn Punkte gesammelt, er liegt auf dem enttäuschenden 21. WM-Rang. Zur Erinnerung: Mit der Honda NSF 250RW startete McPhee im Vorjahr zweimal aus der Pole-Position.
Aber damals war das Racing Team Germany noch nicht in die Insolvenz geschlittert.

Doch im Herbst 2015 war ein Weitermachen mit Honda unmöglich, es drückte ein Schuldenberg von mehr als 750.000 Euro.

Auch bei Honda stand das RTG damals mit einem sechsstelligen Betrag in der Kreide.

Danach wurde die neue «SPRacing GmbH» gegründet. Mit Keller, Beierlein, Fischer und Heidolf tauchten vier alte RTG-Gesellschafter in der neuen Firma auf. Der bei der Teamvereinigung IRTA versprochene Neuanfang hatte also nur auf dem Papier stattgefunden.

Immerhin: Mit Teammanager Terrell Thien und dem willfährigen MC-Racing-Geschäftsführer Meinhardt Rudolph wurden zwei neue Personen ins Rampenlicht gestellt.

Doch dadurch wurden die Probleme nicht gelöst.

Denn die RTG-Pleite zieht auch den neuen Moto3-WM-Rennstall in Mitleidenschaft.

Insolvenzverwalter Marco Dittmann hat dem Peugeot-Team zum Beispiel nach dem Le-Mans-GP den Auflieger des MC-Saxoprint-Teams weggenommen, denn er gehört zur RTG-Konkursmasse und soll jetzt von den neuen Teambetreibern herausgekauft werden.

In Mugello und Barcelona marschierte die Peugeot-Mannschaft mit einem geliehenen Auflieger des ADAC-Sachsen-Leistungszentrums auf.

Dazu wird das Team von einer Finanzierungslücke von mindestens 150.000 Euro bedroht. Das Team hat Existenzängste.

Seit einigen Wochen werden neue Investoren gesucht. Ein Kandidat ist der Speditionsunternehmer Ingo Prüstel, der schon jetzt als Sponsor auftritt.

Prüstel kam zum Barcelona-GP, um sich einen Überblick zu verschaffen. Er findet einerseits ein traditionsreiches Team vor, dem immer wieder Einzelerfolge gelungen sind, zum Beispiel 2011 zwei Siege mit Cortese und 2012 ein Sieg mit Louis Rossi, 2015 einer mit Masbou. Dazu kamen zwei Moto3-GP-Erfolge 2014 mit Efren Vezquez und eine starke Honda-FTR-Saison von Jack Miller 2013.

Aber heute wirken die Fahrer Masbou und McPhee wegen der monatelangen Ungewissheit unmotiviert und ernüchtert, das Material ist nicht konkurrenzfähig. Nicht einmal beim Junioren-WM-Lauf letzte Woche kam John McPhee über den 11. Platz hinaus.

Peugeot hat als Materialpartner bereits 350.000 Euro an Mahindra für die Motorräder bezahlt, dazu die Kosten für Öhlins und die Motorrevisionen.

Aber für die Betriebskosten reicht das Budget nicht.

Und Sponsor Ingo Prüstel ist noch unschlüssig. Er will Zusagen, auch von Peugeot; mit den Franzosen besteht immerhin ein Zwei-Jahres-Vertrag. Peugeot, von 51-Prozent-Eigentümer Mahindra schwer enttäuscht, will jetzt die Entwicklung selbst in die Hand nehmen.

Bei Mahindra sieht die Entwicklung im eigenen Kompetenzzentrum in Baiocco folgendermassen aus: Als die Teams mit Streik drohten, weil die Getriebe monatelang Flausen machen und dauernd die Gänge raussprangen, was zu Stürzen und Ausfällen führte, wurde ein neues Getriebe entwickelt. Aber nicht in Baiocco unter dem umstrittenen Technical Direktor Davide Borghesi, sondern bei der renommierten britischen Firma Nova Racing Motorcycle Transmissions.

Inzwischen sucht Insolvenzverwalter Marco Dittmann nach Geld für die Gläubiger. Inzwischen wundern sich die neuen Teambetreiber, welch hohe Provisionen sich Dirk Heidolf als Teammanager eingesteckt hat und wie grosszügig die Teamsekretärin entschädigt wurde, der ein Naheverhältnis zu Teamteilhaber Heidolf nachgesagt wird.

Immerhin haben die alten Gesellschafter Keller, Beierlein, Fischer und Heidolf inzwischen den Verkauf ihrer Geschäftsanteile angeboten. Es wird aber für 1 Euro dafür geboten.

Ex-Rennfahrer Dirk Heidolf gilt inzwischen im Team als «unerwünschte Person»; er durfte in diesem Jahr noch bei keinem Grand Prix erscheinen. Trotzdem hält er sich mit Querschüssen nicht zurück. «Im Mai hat er mein Team angewiesen, nicht mehr mit mehr zu sprechen», wundert sich Teammanager Terrell Thien. «Da lebt jemand in einer anderen Welt.»

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