Peugeot-Team wird von Ingo Prüstel übernommen

Von Günther Wiesinger
In Barcelona: Ingo Prüstel und Peugeot-Chef Enrico Pellegrino

In Barcelona: Ingo Prüstel und Peugeot-Chef Enrico Pellegrino

Das leidgeprüfte Peugeot-Moto3-Team wird endlich finanziell auf eine professionelle Basis gestellt. Speditionsunternehmer Ingo Prüstel übernimmt jetzt 100 Prozent des Rennstalls.

Jetzt wird ein endgültiger Schlussstrich unter das düstere Kapitel Racing Team Germany gezogen und der seit September 2015 propagierte Neuanfang beim deutschen Peugeot-Moto3-Rennstall endlich in die Tat umgesetzt.

In einem ersten Schritt überliessen die vier alten RTG-Gesellschafter Dirk Heidolf, Frank Beierlein, Bernd Keller und Dr. Jörg-Uwe Fischer ihre Geschäftsanteile an der neuen SP Racing GmbH dem neuen Geschäftsführer Meinhardt Rudolph – für einen Euro, wie zu hören ist.

Und jetzt übernimmt Transportunternehmer Ingo Prüstel, schon bisher Sponsor des Peugeot Saxoprint Moto3-Teams mit Alexis Masbou und John McPhee, die Geschäftsanteile des SP-Teams zu 100 Prozent.

Dieser Neuanfang ist nötig, weil im laufenden Budget mindestens 150.000 Euro fehlen, um die Betriebskosten bis zum Saisonende bezahlen zu können.

Ingo Prüstel führte zuletzt beim Catalunya-GP viele Gespräche mit den Fahrern des Teams, mit den Technikern und mit Peugeot-Chef Enrico Pellegrino sowie mit McPhee-Manager Peter Ball von der Racing Steps Foundation.

«Ich war mit Terrell Thien viel unterwegs und habe Informationen gesammelt», erzählt Ingo Prüstel. «Ich habe auch meinen Sohn Florian überall vorgestellt, der seit Jahren mit mir an die Rennstrecken kommt, seit ich Sponsor bin. Bisher hat uns der Rennsport immer Spass gemacht, aber jetzt ist es kein Spass mehr, jetzt wird es Ernst. Ich habe wochenlang überlegt, ob ich beim neuen Peugeot-Team als Investor einsteigen soll. Für mich ist wichtig, dass das Team und ich nicht in ein schlechtes Licht gerückt werden. Wir planen jetzt einen echten Neubeginn, unser Rennstall hat mit dem RTG absolut nichts mehr zu tun.»

Ingo Prüstel will das Peugeot-Team bis zum GP von Deutschland am 17. Juli zu 100 Prozent übernehmen und diesen Deal dann öffentlich kundtun.

Als Eigentümer der Prüstel Spedition GmbH und RTG-Sponsor wunderte sich Ingo Prüstel fast zwei Jahre lang über die negativen Schlagzeilen und ergriff jetzt die Initiative. «Ich habe mich im Mai mit Teammanager Terrell Thien getroffen und habe mit ihm über die finanzielle Situation gesprochen. Dann habe ich überlegt, wie man das anpacken kann. Es kommt viel Arbeit auf mich zu. Aber ich wünsche mir, dass wir das sportlich und finanziell hinkriegen. Wir müssen alles tun, um die vorhandenen Sponsoren bei der Stange zu halten, damit sie dabei bleiben. Das heisst: Wir brauchen positive Schlagzeilen, mit den negativen muss Schluss sein.»

Auch sportlich muss ein Umschwung erfolgen: McPhee liegt nach sieben Rennen mit zehn Punkten auf dem 21. WM-Rang, Masbou hat bisher keinen Punkt errungen.

Ingo Prüstel nimmt deutlich Abstand zu den alten RTG-Gesellschaftern, wie es GP-Promoter Dorna und die Teamvereinigung IRTA verlangen. Vielleicht wird die SP Racing GmbH sogar umbenannt, um alle Erinnerungen an alte Zeiten aus der Welt zu schaffen.

Der neue Teambesitzer Ingo Prüstel ist seit 25 Jahren im Speditionsgeschäft erfolgreich. Das Unternehmen ist international tätig, nicht nur auf dem Heimmarkt Deutschland, sondern auch in der Schweiz, in Frankreich, Spanien und Osteuropa. Mit 150 Lkw wird ein Gesamtumsatz von 26 Millionen Euro erwirtschaftet, die Firma beschäftigt in Callenberg 200 Mitarbeitende.

Das RTG hatte dort in der Lichtensteiner Strasse 18a sogar Büroräumlichkeiten angemietet. «Ich konnte schon nicht mehr zugucken, was da beim RTG abgelaufen ist. Es hätte mir leid getan, wenn dieses traditionsreiche sächsische Team aus der Weltmeisterschaft verschwunden wäre», sagt Prüstel. «Also sagte ich: Ich kann als Gesellschafter für die finanzielle Sicherheit sorgen. Es ist geplant, dass mein Sohn Florian die Geschäftsführung übernimmt. Wir sind traditionell ein Familienunternehmen. Das werden wir im Motorsport genau so machen.»

Momentan besteht ein Zwei-Jahres-Vertrag mit Peugeot, der auch die Saison 2017 einschliesst. Die bei Mahindra Racing gebauten Bikes sind jedoch nicht konkurrenzfähig. Aber dem Peugeot MX Saxoprint Team sind die Hände gebunden, zumal Peugeot die Kosten für das Material in der Höhe von 350.000 Euro bezahlt hat und auch 2017 bezahlen wird.

In den nächsten Wochen muss deshalb geklärt werden, wie die Moto3-Maschinen künftig weiterentwickelt werden sollen. Dass im Mahindra-Hauptquartier in Besozzo nicht genug Kompetenz vorhanden ist, wurde inzwischen ausreichend bewiesen.

Bei Peugeot wird bereits überlegt, die Weiterentwicklung mit eigenen Ingenieuren in die Hand zu nehmen. Denn in diesem Jahr wurde schon mehrmals bewiesen, dass das Mahindra-Werksteam von Martinez (mit Bagnaia, Marti und Arenas) klar bevorzugt wird.
Zur Erinnerung: Mahindra besitzt 51 Prozent von Peugeot Motocycles.

Ingo Prüstel wird nicht zum Assen-GP kommen. «Ich bin eher medienscheu, mich werden sie nicht gross vor Mikrofonen und vor TV-Kameras sehen», kündigte Ingo Prüstel im Gespräch mit SPEEDWEEK.com an.

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