Das Schweizer Dilemma: Motocross statt Schoggitaler

Kolumne von Rolf Lüthi
Motocross
Bislang dachte ich, der Verkauf des Schoggitalers diene gemeinnützigen Zwecken. Nun bin ich nicht mehr so sicher. Wird dieses Geld eingesetzt, um den MXGP Switzerland zu verhindern?

Nächsten Herbst werde ich in ein mühsames Dilemma geraten. Und ich bin mir bewusst, liebe Leser aus der Schweiz, dass die folgenden Zeilen etliche von ihnen ebenfalls in eine gleiche Zwickmühle bringen könnten. Es geht um den Schoggitaler.

Da wissen die Leser aus anderen Ländern nicht, um was es geht, deshalb eine kurze Erklärung: Der Schoggitaler, deutsch Schokoladentaler, ist eine übergrosse Münze aus Schokolade, eingehüllt in goldfarbene Alufolie. Seit 1946 ziehen immer im Herbst die Schweizer Primarschüler von Haus zu Haus, um Schoggitaler zu verkaufen. Der Erlös ist für einen gemeinnützigen Zweck bestimmt. Das war bis vor kurzem mein Wissensstand. Selbstverständlich haben wir jeweils ohne Zögern den höflich fragenden Schulkindern einen Schoggitaler für fünf Franken abgekauft.

Der nächste Herbst kommt bestimmt, die Schulkinder auch, und damit mein Problem: der Erlös des Schoggitalers kommt gemeinnützigen Projekten zugute, die von den Umweltschutzorganisationen Schweizer Heimatschutz und Pro Natura bestimmt werden. Pro Natura versucht derzeit verbissen, die Motocross-WM in Frauenfeld zu verhindern und hat offensichtlich genug Geld, um einen Anwalt zu bezahlen, der unter Ausnutzung aller juristischen Möglichkeiten und Winkelzüge den MXGP Switzerland verhindern soll.

Im Infotext zum Schoggitaler ist zu lesen: «Seit 1946 gehört der Schoggitaler zu den Markenzeichen von Schweizer Heimatschutz und Pro Natura und dient beiden Organisationen als feste Einnahmequelle und wichtiges Sensibilisierungsinstrument für ihre Projekte und Aufgaben zum Wohle der Allgemeinheit.» Tönt gut, doch ich kann im Ansinnen, einen Sportanlass zu verhindern, der von 30.000 Zuschauern besucht wurde, keine Aufgabe zum Wohle der Allgemeinheit erkennen.

Im Herbst werden wieder gut erzogene Kinder (wir leben auf dem Lande) an unserer Haustür fragen: «Chaufed sie au en Schoggitaler?» (Kaufen sie auch einen Schokoladentaler?) Dann bin ich in der Klemme: Wie soll ich ihnen erklären, dass ich keinen Schoggitaler kaufe, weil ich am MXGP in Frauenfeld die besten Motocross-Fahrer der Welt bei der Ausübung ihrer Fahrkunst bewundern und spannende Rennen miterleben will? Soll ich die Kinder anmotzen, dass sie ausgenutzt werden, um Anwaltshonorare zu finanzieren, die mit Umweltschutz und Gemeinnützigkeit nichts zu tun haben? Und wenn es gar die Nachbarskinder sind, die an der Tür klingeln? Da wäre es doch eine besondere Freude, ihnen einen Schoggitaler abzukaufen, weil sie pro verkauften Schoggitaler 50 Rappen in die Klassenkasse bekommen…

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