Mike Leitner (KTM): «Es gibt noch überall Arbeit»

Von Günther Wiesinger
In Valencia feierte Wildcard-Pilot Mika Kallio das Debüt für KTM in der MotoGP-Klasse. Im Exklusiv-Interview mit SPEEDWEEK.com zog Teammanager Mike Leitner ein erstes Resümee.

Das Red Bull KTM Factory Racing Team schaffte mit Wildcard-Fahrer Mika Kallio beim MotoGP-Renndebüt in Valencia den 20. Startplatz, in den freien Trainings gingen zwischen 2,5 und 3,1 Sekunden auf die Bestzeit verloren. Im Rennen musste Kallio wegen zweier defekter Speed-Sensoren aufgeben.

Teammanager Mike Leitner, elf Jahre lang Crew-Chief von Dani Pedrosa und seit Ende 2014 bei KTM, zog im Exklusiv-Interview mit SPEEDWEEK.com ein erstes Resümee.

Mike, vor dem Training am Donnerstag hast du gesagt, du kannst die Schlagkraft der neuen KTM RC16 schwer einschätzen. Ihr habt im Qualifying 2,691 sec auf die Bestzeit verloren Wie fällt deine Bilanz jetzt aus? Entspricht das Debüt deinen Erwartungen?

Rossi lag als Qualifying-Dritter schon 0,7 Sekunden hinter Lorenzo. Zum zehnten Startplatz fehlten uns 1,1 Sekunden. Wir sind mit der Rundenzeit happy gewesen. 1:32,0 min, das konnte sich sehen lassen. Wir haben uns eine 1:32er-Zeit zum Ziel gesetzt, das haben wir erreicht. Wir haben uns gegenüber dem Valencia-Test im Oktober um 0,9 sec verbessert.

Die anderen Fahrer sind seit Jahren in diesem MotoGP-Qualifying-Modus. Für Mika war es zum ersten Mal, dass er in 15 Minuten so eine Zeit herausschütteln musste. Er ist erstmals in seiner Karriere ein derartiges Qualifying gefahren.

Da brauchen wir also kein Fragezeichen hinter dem Fahrer zu setzen. Das wir beim Motorrad Aufholbedarf haben, wissen wir.

Konnte man inzwischen erste Analysen machen und feststellen, in welchem Bereich die RC16 vorrangig verbessert werden muss?

Es gibt überall Arbeit. Es gibt keinen Bereich, von dem wir sagen können, da gibt es nichts mehr zu tun. Es ist aber nicht so, dass wir sagen können: Der Motor ist super, das Fahrwerk ist super schlecht. Wir haben überall ein gewisses Level. Aber wir müssen uns überall verbessern. Das ist ziemlich balanciert: Elektronik, Federelemente, Fahrwerk, Motor, Aerodynamik, überall.

Aber zwei Tatsachen kann man inzwischen feststellen: Man kann in der MotoGP auch mit WP Suspension und einem Stahlrahmen konkurrenzfähig sein und mitfahren?

Mitfahren kann man. Jetzt werden wir sehen, welche Schritte wir jetzt noch machen können. Es ist auf jeden Fall bemerkenswert und eine super Einstellung, wenn eine Firma heute in diesem Zirkus hergeht und sagt: Okay, wir bleiben unserer Linie treu, wir können das, also machen wir das mal so.

Es kann keiner von uns abschätzen, wo wir mit diesem Konzept hinkommen. Wir wissen es nicht. Aber es ist klasse, so eine Einstellung der Firma zu sehen. Im Motocross-Sport ist ein ähnliches Konzept betrieben und zum Erfolg gebracht worden. In der Moto3-WM hat es auch geklappt.

In der MotoGP ist man auch wirklich konkurrenzfähig damit. Das motiviert uns natürlich schon. Deshalb sagen wir: Wir schauen, was wir da rausholen können. Denn wir möchten dieses Konzept zum Erfolg bringen.

Was kann KTM bis zum Sepang-Test am 30. Januar noch bewerkstelligen? Was kann bis dahin verbessert werden? Und welche Schritte sind bis zum Saisonstart in Katar am 26. März geplant?

Das Wichtigste wird sein: Was werden uns die zwei neuen Werksfahrer Pol Espargaró und Bradley Smith am Dienstag und Mittwoch hier beim Test sagen.

Wenn sie uns sagen: Bei der KTM hapert es am meisten in diesem Bereich, dann werden wir schauen, dass wir in diesem Segment irgendetwas bewerkstelligen können. Dann versuchen wir, für die drei Wintertests im Februar und März neues Material zu entwickeln, um gegensteuern zu können.

Wir werden uns anstrengen, bis zum ersten Rennen das Maximum zusammenzubringen. Egal, was bis dahin alles nötig ist.

Wie sieht es mit dem Gewicht der RC16 aus?

Wir sind noch nicht am Limit. Realistisch haben auch die Konkurrenten 160 kg. Es gibt auch Hersteller, die mit Übergewicht MotoGP-Rennen gewinnen.
Aber wir müssen uns auch beim Gewicht noch verbessern, das ist klar. Zuerst haben wir mal geschaut, dass wir eine Performance machen. Sobald diese vorhanden ist, können wir uns beim Gewicht mehr hineinknien.

Eindrucksvoll ist auf jeden Fall: Ihr wart im Qualifying nur 0,2 sec hinter Aprilia, obwohl ihr den Testfahrer Mika Kallio am Start hattet und obwohl Aprilia schon zwei Jahre mitfährt.

Ja, ich will das absolut nicht bewerten. Wir haben uns auf uns selber fokussiert.
Was man wirklich nach dem ersten Rennen sagen kann: Wir sind die einzigen gewesen, die ohne Spoiler mitgefahren sind.

Die Winglets sollen im Schnitt 0,3 sec pro Runde wert sein?

Ich weiß aus der Vergangenheit und das hat man am Wochenende wieder gesehen: Valencia ist eine Strecke, wo das Wheelie-Problem groß ist. Auf anderen Strecken wird das vielleicht kein so gewaltiges Problem sein.

Manche Experten meinen, der Testfahrer sei im Schnitt eine Sekunde langsamer als die Stammfahrer? Teilst du diese Meinung?

Nein, wir haben zwar mit dem Mika das ganze Jahr getestet, aber ich kann das nicht einschätzen. Das werden wir am Dienstag sehen.

Wie viel Manpower habt ihr am Dienstag hier für die zwei Fahrer?

Wir haben morgen das komplette Team da, das sind rund 30 Personen.

Aus wie vielen Nationen?

Wir haben Leute aus Neuseeland, Tschechien, Frankreich, England, Spanien, Österreich, Belgien, Italien, Japan, sogar Deutsche.

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