Nicolas Goubert (Michelin): Die Lehren aus der Saison

Von Günther Wiesinger
Michelin-Projektleiter Nicolas Goubert

Michelin-Projektleiter Nicolas Goubert

Michelin hat im ersten Jahr als Lieferant der MotoGP-Einheitsreifen einige schwierige Situationen erlebt – in Sepang, in Las Termas und in Assen zum Beispiel. «Aber wir haben immer rasch reagiert», sagt Rennchef Goubert.

Michelin hat in der Königsklasse zwischen 1976 und 2006 nicht weniger als 27 von 31 möglichen Weltmeistertiteln in der Köningsklasse gewonnen. 2016 ist Michelin nach sieben Jahren Pause in die MotoGP-WM zurückgekehrt, erstmals als Alleinausrüster, eine Rolle, die von 2009 bis inklusive 2015 von Bridgestone ausgefüllt wurde.

Nicolas Goubert, Deputy Director, Technical Director und Supervisor des MotoGP-Programms von Michelin, zog beim GP von Valencia die erste Bilanz einer Saison, die nicht ganz problemfrei verlief.

Denn beim Sepang-Test anfangs Februar platzte bei der Avintia-Ducati von Loris Baz der Hinterreifen. Deshalb wurde am zweiten und dritten Tag die weichere Mischung in Malaysia aus dem Verkehr gezogen. Beim Argentinien-GP im April löste sich im FP4 an der Ducati von Scott Redding hinten die Lauffläche ab. Das Training wurde abgebrochen.

Michelin brachte dann neue, hitzebeständigere Hinterreifen zu den nächsten Rennen.

«Wir hatten im November 2015 in Valencia einen schwierigen Start in die Wintertestsaison, es gab damals viele Stürze», blendet Goubert zurück. «Wir haben nachher im Winter sehr gute Arbeit geleistet. Die Ergebnisse beim Saisonauftakt in Katar Ende März waren sehr ermutigend. Dort sind unsere Erwartungen übertroffen worden, denn Jorge hat den Rundenrekord unterboten. Auch die Rennzeit war kürzer als 2015.»

Michelin belieferte die Teams im Gegensatz zu Bridgestone auch mit Intermediates, die bei den nassen Trainings und Regenrennen 2016 oft gute Dienste leisteten. Trotzdem steht noch nicht fest, ob sie auch 2017 produziert werden.

«Wir haben in der vergangenen Saison viele verschiedene Wetterverhältnisse erlebt, und insgesamt haben wir dadurch viel gelernt und viele Erkenntnisse gewonnen», räumt Nicolas Goubert ein. «Wir haben viele Rennen im Regen gesehen. Das war einerseits sehr günstig für uns, denn vor der Saison hatten wir kaum Gelegenheit, Regenreifen zu testen. Die ersten Regentests hatten wir 2015 am Montag nach dem Grand Prix in Brünn. Das war der erste offizielle Michelin-Testtag, und es hat den ganzen Tag geregnet. Wir hatten damals Petrucci, Crutchlow, Hernandez und Bradley Smith im Einsatz. Einige Werksfahrer verzichteten auf den Test in Brünn. Die Ergebnisse waren recht positiv und recht vielversprechend.»

«Wir hatten dann im April 2016 im Warm-up in Argentinien die nächste Möglichkeit, die Regenreifen zu testen. Die Fahrer versicherten uns, dass die Reifen gute Dienste leisteten, es gab an ihrer Performance nichts auszusetzen. Aber als wir Ende Juni in  Assen ankamen, waren die Verhältnisse schrecklich. Und der Griplevel war bei weitem nicht dort, wo wir ihn erwartet haben. Leider hat das zu vielen, vielen Stürzen geführt. Aber wir haben erneut rasch reagiert, ähnlich rasch wie nach dem FP4-Vorfall in Argentinien. Wir haben innerhalb von weniger als zwei Wochen zwei neue Regen-Vorderreifen zum Sachsenring gebracht. Wir haben in dieser Zeit eine neue Mischung und ein neues Profil gestaltet und entwickelt. Die Resultate in Deutschland waren sehr positiv, die Fahrer waren zufrieden. Auch beim Phillip-Island-Training waren die Kommentare gut, obwohl die Temperaturen sehr niedrig waren. Auch in Sepang gab es an unseren Regenreifen nichts auszusetzen.»

Piero Taramasso, Manager der Two-Wheel Motorsport Group von Michelin, verriet beim WM-Finale auch ein paar Zahlen. «Wir haben pro GP-Wochenende mehr als 1400 Reifen zu den Grand Prix gebracht», erzählte der Italiener. «Wir hatten bei jedem Rennen 18 Mitarbeiter im Einsatz.»

Michelin hat im Laufe der Saison vorne fünf unterschiedliche Compounds angeboten, für hinten insgesamt sieben bis acht. «Nach der ersten Saison haben wir einen guten Überblick über das, was gebraucht wird», sagt Nicolas Goubert. «Deshalb ist es gut möglich, dass wir das Angebot der Mischungen für 2017 reduzieren werden. Auch das Thema Intermediates werden wir noch im Detail besprechen.»

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