MotoGP-Finale Valencia: Fährt Marc Márquez auf Sieg?

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Eigentlich braucht MotoGP-WM-Leader Marc Márquez bei einem Sieg von Andrea Dovizioso in Valencia nur Platz 11 zum Titelgewinn. Aber eine Bummelfahrt würde nicht zum Honda-Superstar passen.

Die Titelkämpfe in den WM-Klassen Moto3 und Moto2 sind bereits seit Phillip Island (Joan Mir) und Sepang (Franco Morbidelli) entschieden. Immerhin hat die Stallorder von Ducati in Sepang die Entscheidung in der MotoGP-WM bis zum Finale in Valencia vertagt. Marc Márquez und Andrea Dovizioso gehen mit 282 zu 261 Punkten ins Finale.

Beide Fahrer haben 2017 sechs von 17 Rennen gewonnen; Márquez hat dazu vier zweite und einen dritten Platz verbucht, Dovizioso hat nur zwei zweite Plätze eingesammelt, dazu war er einmal Dritter. Aber der Ducati-Star hat nur einen Nuller (in Argentinien) verzeichnet, Márquez hatte in Silverstone einen Motorschaden und ist in Frankreich durch einen Sturz punktelos geblieben.

Mit nur drei Punkten und Platz 13 in Australien hat Dovizioso im Oktober seine Ausgangslage bedeutend verschlechtert. Denn Márquez heimste dort 25 Punkte ein.

Marc Márquez steht in Valencia genau so unter Druck wie Dovi, denn bei einem Sieg des Italieners muss er auf Platz 11 ins Ziel kommen und fünf Punkte erbeuten.

Bei einem zwölften Platz und einem Sieg von Dovi wären die beiden Kontrahenten punktgleich, aber Dovi hätte einen Sieg mehr auf dem Konto – 7 zu 6.

Dovizioso sagt zwar, er spüre keinen Druck. «Denn wir haben schon mehr erreicht als erwartet.» Aber wer weiß, wie oft er in seinem Alter von 31 Jahren noch Titelchancen vorfinden wird. Der Druck wird am Wochenende steigen. Heute fand ein Fotoshooting mit den beiden Kontrahenten in der Boxengasse statt. TV, Medien, Fans, Sponsoren – es wird ein riesiger Rummel um Márquez und Dovizioso entstehen.

Der italienische Ducati-Pilot weiß: Der Circuit in Valencia ist kein ideales Pflaster für die Desmosedici. 2016 siegte dort Lorenzo (Yamaha) vor Márquez (Honda). Iannone brachte die beste Ducati mit 6,6 sec Rückstand auf Platz 3. Dovi brauste als Siebter über den Zielstrich, mit einem Abstand von 18,4 sec auf den Sieger.

Und falls zum Beispiel Dani Pedrosa, Viñales oder Rossi gewinnt, ist Marc Márquez automatisch Weltmeister. Der Titelverteidiger sollte sich trotzdem keinen Nuller oder ein Ergebnis jenseits von Platz 11 leisten.

Übrigens: Die Konstrukteurs-WM in der MotoGP-Klasse hat sich Honda in Malaysia bereits gesichert. Der Stand: 1. Honda, 332 Punkte. 2. Ducati 303. 3. Yamaha 301. 4. Suzuki 87. 5. Aprilia 64. 6. KTM 64.

In der Team-WM ist Honda auch kaum mehr einzuholen: 1. Repsol Honda 467. 2. Movistar Yamaha 423. 3. Ducati 398. 4. Tech3 Yamaha 238. 5. Octo Pramac 185. 6. Suzuki Ecstar 107.

«Im Vorjahr haben wir zuerst die Fahrer- und dann die Konstrukteurs-WM gewonnen», erinnert sich Carlo Fiorani, Communications Director von Honda Motor.

Bei Honda geht man natürlich davon aus, dass sich Marc Márquez den Titel nicht mehr wegschnappen lässt.

Im Gegensatz zur Formel 1 garantiert die MotoGP-WM Abwechslung. 2016 erlebten wir neun unterschiedliche Sieger und vier siegreiche Marken (Honda, Yamaha, Ducati und Suzuki).

Und 2017 könnte mit Ducati nach Yamaha (2015 mit Lorenzo) sowie Honda (2016 mit Márquez) das dritte unterschiedliche Fabrikat in Serie die Fahrer-Weltmeisterschaft gewinnen.

Honda hat in diesem Jahr bisher sieben GP-Siege (6 x Márquez, 1 x Pedrosa) gefeiert, Ducati sechs, Yamaha vier (3 x Viñales, 1 x Rossi). Aber Viñales hat seinen letzten Triumph Mitte Mai in Le Mans gefeiert, Rossi seine einziges Rennen Ende Juni in Assen gewonnen.

Überraschungssiege wie im Vorjahr durch Viñales auf Suzuki und Cal Crutchlow und Jack Miller aus den Honda-Kundenteams haben 2017 nicht stattgefunden. Trotzdem haben wir fünf verschiedene Sieger erlebt: Márquez, Dovizioso, Viñales, Pedrosa und Rossi.

Andrea Dovizioso muss sich über die Taktik in Valencia keine Gedanken machen. Ihm nützt nur ein Sieg.

Marc Márquez wird von allen Seiten empfohlen werden, er möge im Rennen Ruhe bewahren und sich auf einen Platz in den Top-10 konzentrieren. Aber der Superstar wird vor 100.000 heimischen Fans nicht spazieren fahren. Sein Motto wird voraussichtlich lauten: Angriff ist die beste Verteidigung. Er selbst hat die besten Aussichten, Doviziosos Sieg zu verhindern und damit den Titel sicherzustellen.

Ob ihm Lorenzo 2015 wirklich geholfen hat, wissen wir bis heute nicht. Am Sonntag wird der Mallorquiner als Ducati-Pilot auf jeden Fall keine Schützenhilfe leisten.

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